Donnerstag, 31. Januar 2013

Politik...

Leider weiß ich zuwenig darüber
wie Politik wirklich funktioniert
und das was ich tatsächlich weiß
bereitet mir üble Magenschmerzen.
In der Realität ist es unerträgliches Geschacher
um Macht, um Einfluss
und das gewissenlose Durchsetzen
des Rechts der Stärkeren.
Was nach Außen dringt-
durch "unabhängige" Medien gefiltert-
wirkt oft planlos, hilflos
oder im schlimmsten Fall perfide.
Wo ist der Mut zur wirklichen Veränderung?
Wo sind wirkliche Visionen und das Bemühen,
tatsächlich "zum Wohl" der Menschen zu agieren?
Es wird vom "Wähler" gesprochen
aber in Wirklichkeit geht es
um die Interessen von Industrie, Wirtschaft
und ihren gekauften, beeinflussten Marionetten.
Soziale Marktwirtschaft, Sozialstaat-
schon lange zum Feigenblatt und Alibi verkommen,
denn in Wirklichkeit sind Randgruppen
wie Arme, Alte und Kranke
schon lange nicht mehr von Interesse
für unsere Volksverdummer
die pünktlich zur Wahl billige Almosen verteilen
um sich ihre Pfründe weiter sichern zu können.
Vielleicht sollte es eine neue RAF geben
die mit Brutalität und unüberhörbar
den Menschen eine Stimme gibt...

Mittwoch, 30. Januar 2013

Gedankenwelt eines Psychos

Gedankenwelt eines Psychos...
Das klingt nach Krankheit, nach Verwirrtheit
und vielleicht ein wenig nach Wahn...
Aber tatsächlich ist es nur
gesunder Zynismus
und etwas vorauseilende Beschwichtigung
für die Menschen, die noch immer glauben
Psychiatriepatienten seien allesamt Irre
denen man nicht über den Weg trauen kann
weil sie unberechenbar und dumm sind.
Aber in Wirklichkeit sitzen die Irren
an den Schalthebeln der Macht
abgeschnitten von der Wirklichkeit des Lebens
und unberührt von den Sorgen und Nöten der Normalsterblichen.
Und ich nehme mir das Recht
unangepasst und jenseits der Konvention zu leben
denn meine Sinne sind geschärft und empfindsamer
als die der meisten meiner werten Mitmenschen.
Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn
kommen ja immer mehr aus der Mode
aber die hat mich ja noch nie wirklich interessiert.
Also ist die Gedankenwelt eines Psychos
vielleicht ein wenig differenzierter und lebendiger
und hoffentlich interessanter als das Mittelmaß...

Dienstag, 29. Januar 2013

Begegnung

Begegnungen sind immer wieder
eine Herausforderung an die
eigene Integrität.
Denn das Aufeinandertreffen
zweier Persönlichkeiten
braucht Vertrauen in die
eigenen Stärken
und die Kraft
der eigenen Persönlichkeit.
Zu leicht
kann man sich
im Gegenüber verlieren
und die eigenen Überzeugungen
der gewünschten Harmonie
zum Opfer bringen.
So wird
aus der Begegnung
ein Akt der Selbstverleugnung
der niemandem nutzt
und eine Illusion erschafft
die nie von Dauer sein kann.
Das Ergebnis ist immer
ein schales Gefühl
fehlender Standhaftigkeit
denn wahre Begegnung
findet nur im Erkennen
und Schätzen
der wahren Identität
des Gegenübers statt.

Montag, 28. Januar 2013

Gedanken zur Sexismusdebatte

Sexismus ist ein weit-verbreitetes Phänomen: Überall dort, wo sich Macht und Größenwahn konzentrieren und das Lieblingsbild sich im eigenen Spiegel befindet, ist er zuhause.
Die emotionale Diskussion, die durch einen Artikel im Stern losgetreten wurde, ist längst überfällig und es wundert mich, dass erst das mutmaßliche Fehlverhalten eines verbrauchten und überschätzten Politikers dazu geführt hat. Denn Sexismus und die Diskriminierung des anderen Geschlechts haben eine lange und unrühmliche Tradition: Sie beginnt mit der Ungleichbehandlung von Mann und Frau im Berufsleben und endet bei brutalen Vergewaltigungen wie zuletzt in Indien. Dazwischen gibt es ein breites Spektrum in unterschiedlichen Schattierungen: Bis in die Neunzehnhundertsechzigerjahre brauchten verheiratete Frauen in Deutschland die Erlaubnis ihres Ehemannes, um einen Beruf ausüben zu dürfen. Dazu kommen die tagtägliche Reduzierung der Frau zum reinen Lust- und Sexualobjekt und das weit-verbreitete Klischee vom "schwachen Geschlecht". Natürlich unterscheiden sich Frau und Mann sowohl physiologisch als auch psychologisch voneinander, aber beide Geschlechter haben ihre starken und schwachen Seiten, die sich im Idealfall ergänzen und im Zusammenleben eigentlich nicht signifikant zutage treten.
Ohnehin ist es mir ein Rätsel, warum Frauen im alltäglichen Umgang anders behandelt werden. Denn es ist schlichtweg dumm und primitiv, sein Gegenüber herabzuwürdigen, oder auf seine Geschlechtsmerkmale zu reduzieren, anstatt einfach "nur" den Menschen gegenüber wahrzunehmen. Natürlich kann sich niemand davon freisprechen, besondere Attribute als attraktiv wahrzunehmen und auch vielleicht bestimmte Fantasien daran zu knüpfen. Aber es ist eine Frage von Anstand und Respekt, wie damit umgegangen wird und ob man dieser Attraktivität und den möglichen Fantasien lautstark und plump Ausdruck verleiht.
Letztendlich gibt es eine ganz einfache und praktikable Lösung für dieses scheinbar so große Problem: Behandelt euer Gegenüber so, wie ihr selber behandelt werden wollt!

Samstag, 26. Januar 2013

Gedanken zum Geburtstag

Mein gestriger Geburtstag war
wider Erwarten
ein schöner Tag!
So viele gute Wünsche
paßgenau sind Balsam
für das eigene Empfinden
und das obwohl ich schon lange
ein bekennender Geburtstagsskeptiker bin.
Denn es ist
nicht mein Verdienst
geboren zu sein und jedes Jahr
mit schöner Regelmäßigkeit
und unabwendbar
älter zu werden.
Unbestritten ist Älterwerden
ein schleichender tagtäglicher Prozess
der sich nicht an einem Tag festmachen lässt.
Und so erschließt sich mir
auch nicht der Sinn
einer solchen Jahresfeier
die mich nur unbarmherzig daran erinnert
unabänderlich dem Ende zuzugehen.
Aber vielleicht ist es nur
eine Frage der Perspektive
denn in jungen Jahren
war ich begierig darauf
eine bestimmte Altersmarke zu erreichen
wohl in der Hoffnung
es werde alles besser und vor allem anders.
Und tatsächlich gibt es
ein Geschenk des Älterwerdens:
Gelassenheit!

Donnerstag, 24. Januar 2013

Schizophrenie

Ist es schizophren,
die Lust am Schreiben, am Formulieren
nur an Düsterem auszuleben?
Sollte meine Liebe zur Sprache
sich nicht am Schönen offenbaren?
Natürlich könnte ich meinen Blick
auf die schönen Seiten des Lebens lenken
und über die zartlila Blümchen am Wegesrand schreiben
oder die Sonnenseite der deutschen Politik
zum Thema eines Poemes machen...
Aber ganz ehrlich:
Es liegt mir nicht
über Dinge zu schreiben
denen die Heuchelei, die Künstlichkeit
so deutlich innewohnt
dass es mich innerlich schüttelt
und alleine der Gedanke daran
schon lächerlich absurd ist.
Mein Schreiben spiegelt meine Wirklichkeit
und das, was mich bewegt.
Und natürlich würde ich zu gern
auch über Anderes schreiben
aber ich kann und will
mich nur zu Dingen äußern
von denen ich etwas verstehe
ansonsten wäre ich
Chefredakteur beim Focus.

Dienstag, 22. Januar 2013

Wer bin ich?

Vor Jahren habe ich ein Gedicht geschrieben
das mit den Worten begann:
"Schau in den Spiegel der vergang'nen Jahre
und siehe, was geworden ist..."
Nie hat mich dieses Thema
wirklich losgelassen
und immer bin ich auf der Suche nach dem
was mich als Mensch, als Mann ausmacht.
Ich sehe meine positiven Seiten:
Den Verstand
die Toleranz
die gesunde Skepsis gegenüber Ideologien
die Empathie und meinen Humor
und vielleicht auch die Gabe des Schreibens.
Aber WAS definiert mich?
Denn da sind auch
die Traurigkeit
Unsicherheiten
Ängste
und dieses elende Gefühl des Versagt- Habens
bei den Anforderungen des Lebens.
Es gibt so viele Widersprüche in meinem Leben:
Wahrheit und Lüge
Mut und Feigheit
Zuversicht und Depression
die ich nicht zusammenbringen kann
und die mich immer wieder hindern
ein klares Bild meiner selbst zu bekommen.
Und natürlich hat jeder Mensch
Stärken UND Schwächen
helle UND dunkle Seiten an sich
die einander bedingen und ergänzen.
Vielleicht ist es auch nur mein ureigenes Problem
diese Sichtweise zu haben und die Puzzleteile
nicht zusammenbringen zu können
während andere Menschen
sich diesen Fragen garnicht stellen müssen
weil sie zufrieden sind und ihr Leben
so hinnehmen wie es ist.
Aber ich wäre ohne diese Fragen
nicht der der ich bin
auch wenn die eigentliche Frage
noch immer offen ist...


Samstag, 19. Januar 2013

Blick nach Vorn

Wie gerne würde ich
die Fesseln der Vergangenheit
einfach abstreifen
um ungehindert und frei
nach Vorne schauen zu können...
Der Blick ungetrübt
und ohne Furcht vor dem Gestern
und zielgerichtet auf das
was vor mir liegt...
Was würde ich dort sehen können?
Vielleicht einen gelösten
und seiner selbst bewußten Menschen
aufrecht und seine Stärken kennend
ungebrochen und doch wissend?
Mit Stolz auf das Erreichte
und umgeben von wertgeschätzten Menschen
mit verinnerlichter Ethik
und dem Feingefühl
hinter die Fassade zu schauen?
Mich endlich frei zu fühlen
ohne dem Gestern verpflichtet zu sein
und ohne Sorgen auf das Morgen blicken zu können
das ist mein größter Wunsch!

Freitag, 18. Januar 2013

Nachdenken über Freundschaft

Was ist eine Freundschaft wert, wenn nur einer sie pflegt und sich um ihre Bewahrung sorgt?
In den vergangenen Monaten habe ich mich nach langem Zögern dazu durchgerungen, mich von langjährigen "Freunden" zu trennen, denen ihr offensichtliches Verharren in der eigenen Bequemlichkeit und der eigenen Routine wohl wichtiger war, als die Pflege einer Beziehung, die die Möglichkeit einer wirklich guten Freundschaft in sich hatte. Abgesehen von Phrasen wie: "Ich melde mich nächste Woche bei dir!" oder "Wir müssen unbedingt mal wieder einen Kaffee zusammen trinken!" -letztlich absichtsleeren Erklärungen ohne Erfüllung- war da nichts mehr.
Sicherlich gibt es immer gute Gründe, sich nicht bei jemandem zu melden und dem Gegenüber den aktiven Part zu überlassen, aber was daran stört und verletzt ist das geheuchelte und vorgeschobene Interesse am Anderen, das mit der gelebten Wirklichkeit so garnichts zu tun hat.
Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, dass Freundschaft aus der Balance von gegenseitigem Interesse und Anteilnahme heraus lebt und sich entwickelt, aber leider scheint diese Erkenntnis selbst bei denkenden Menschen noch nicht gänzlich durchgedrungen zu sein und das ist nicht nur schade, sondern auch jedes Mal  mehr Enttäuschung und ein wenig mehr Skepsis und Misstrauen gegenüber neuen Begegnungen.
Für einen Menschen, der sich biografisch bedingt ohnehin nur schwer auf neue Menschen einlassen kann und für den Freundschaft zu schließen ein langwieriger und von tiefen Zweifeln begleiteter Prozess ist, sind solche Erfahrungen immer eine tückische Bestätigung des eigenen Unvermögens und des Gefühls von Minderwertigkeit. Man sieht sich darin bestätigt, als Mensch "nicht richtig zu sein" und in seiner teils aufgezwungenen, teils freiwillig gewählten Aussenseiterposition bestärkt.
Selbst mit dem oft als quälend empfundenen Gefühl der Einsamkeit und dem starken Verlangen nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit fällt es schwer genug, die Barrieren zu durchbrechen und das Wagnis einer neuen Bekanntschaft einzugehen. Umso schlimmer ist es, wenn dann eine als Freundschaft empfundene Beziehung so kläglich an der Ignoranz und der Selbstbezogenheit anderer Menschen scheitert.
Für den Einsamen und Kranken ist Zynismus das Mittel der Wahl, um sich einen Rest von Aufbegehren und Selbstbewusstsein zu bewahren. Denn solange ich -wenn auch verbissen und gequält- noch lachen kann über das Unvermögen Anderer und meine eigene Beschränktheit, ist noch nicht alles verloren.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Sehnsucht

Seit Langem frage ich mich
warum bin ich allein
und warum stehen sich die Angst vor Nähe,
dem Sich wirklich aufeinander einlassen
und die große, tiefe Sehnsucht nach genau diesen Erfahrungen
gegenseitig im Weg?
Ich bin lange allein
und genau so lange habe ich versucht, mir einzureden
dass Unabhängigkeit und Ungebundensein
auch ihr Gutes haben.
Ich bin frei und könnte
in den Clubs und Kneipen dieser Stadt
jede Nacht eine Andere mit nach Haue nehmen
um unbeschwerten, unverbindlichen Spaß zu haben,
meine Freiheit genießen, zelebrieren...
Doch ich tue es nicht und was bleibt
ist diese tiefe Leere und die schmerzhafte Erkenntnis
dass es keine Freiheit ist, sondern mein Gefangensein in der Vergangenheit
mein Nicht-Vergessen-Können und
die lähmende Sehnsucht nach einem Ideal
dem keine Wirklichkeit gerecht wird.
Und so bitter und abstrus es scheint:
Wer keine wirkliche Liebe erfahren hat
dessen Kindheit durch Angst,
durch krankhafte Dominanz des anderen Geschlechts geprägt ist-
wie soll ich Liebe verstehen, geben und empfangen?
Liebe bedingt Vertrauen,
die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen
ohne sich selber zu verlieren und aufzugeben
Grenzen zu erweitern und neue zu finden-
Und je älter ich werde, um so schwerer wird es...
Ich habe nie diese Leichtigkeit und Unbeschwertheit in mir gespürt
die es braucht, sondern stets das dumpfe Gefühl nagender Unsicherheit und der Gewissheit:
Es ist nur ein Missverständnis, von diesem Menschen gemocht zu werden.
Und so war ich lieber allein
anstatt mich und andere zu enttäuschen.
Und doch ist da diese Sehnsucht nach dem einen Menschen
die mich leise hoffen lässt.






Montag, 14. Januar 2013

Selbsterkenntnis

Nach einem Telefonat mit meinem Bruder
denke ich noch immer darüber nach
wieviel Unheil, wieviel Schmerz
und wieviel vergeudete Lebenszeit
unsere Kindheit, unser Elternhaus
verursacht haben.
Immer wieder habe ich
in Frage gestellt, dass seelische Gewalt
die gleichen Auswirkungen haben kann
wie Schläge oder sexueller Missbrauch.
Eine möglicherweise subjektiv erlebte
traumatisierende Kindheit
könne ein Luxusproblem sein
das von einem produktiven und erfüllten Leben
bequem ablenkt.
Bloß alles eingebildet und herbeigeredet
um mich in eine selbstgerechte
und ach so gemütliche Opferrolle
zurückziehen zu können?
Sind Schläge und Vergewaltigung
nicht um Vieles schlimmer
als geschickte Manipulation
als Liebesentzug und die
Gefangennahme einer Kinderseele
in einem perfiden, auf Gewissensqualen ausgelegten
esoterisch- absolutistischen Wertesystem?
Was man nicht sehen kann, ist nicht existent-
so lautet eine für Viele befriedigende Antwort
die alles und doch nichts erklärt
und die die bedrängenden, quälenden Fragen
meiner Existenz einfach und brutal verneint...
Und was bleibt
ist die Erkenntnis, dass nur ein starker Wille
und der brennende Wunsch nach Leben, nach Geborgenheit
mich davon abgehalten haben
mit Hass und kalter, berechnender Brutalität
einfach zurückzuschlagen.




Samstag, 12. Januar 2013

Nachdenken über Sprache

In den letzten Monaten hat -ausgelöst durch unsere Familienministerin Kristina Schröder- eine sehr emotionale und durch das Bemühen um politische Korrektheit geprägte Debatte über die deutsche Sprache begonnen. Auslöser waren Äußerungen Schröders zu angeblich rassistischen und missverständlichen Formulierungen in dem Kinderbuchklassiker "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren, die sie ihren Kindern nicht zumuten oder erklären wollte und deshalb beim Vorlesen abmilderte und "entschärfte". So wurde aus dem "Negerkönig", wenig geschickt, ein "Südseekönig" und im Nachgang der Stolperstein für ein Rudel selbsternannter Sprachverbesserer und Rassismusfachleute.
Abseits dieser Diskussion ergibt sich aber noch eine tiefere und wie ich finde, wichtigere Fragestellung eher philosophischer Natur: Was macht eigentlich Sprache aus, was ist charakteristisch für Sprache?
Jede Sprache hat ihren ganz eigenen Duktus und ihre ureigene Melodie. Sie ist geprägt von Manirismen, Absonderlichkeiten und gelegentlicher Unlogik. Das aber macht den eigentlichen Reiz aus, in eine Sprache wirklich einzutauchen und sie in ihren Feinheiten und Besonderheiten zu ergründen. Und sicherlich lassen sich in jeder Sprache Formulierungen finden, die bei oberflächlicher Betrachtung unangemessen oder sogar diskriminierend erscheinen, aber bei genauerer Betrachtung des historisch gewachsenen Kontexts an Brisanz verlieren. Wollte man lediglich mit dem Maßstab des heutigen modernisierten Wortschatzes die Substanz von Literatur bemessen, käme man nicht umhin, auch die Klassiker der Literatur wie Goethe, Schiller, Rilke usw. zu "überarbeiten" und dem heutigen, oft eindimensionalen Sprachverständnis anzugleichen.
Es ist nicht abzusehen, welch unermesslich großer Schaden für die Sprachkultur dadurch entstehen würde. Denn Sprache ist immer auch integraler Bestandteil und Ausdruck einer Gesellschaft und ihres Kulturverständnisses und damit auch ein Gradmesser für die Substanz ihrer Kultur. Sie ist gesellschaftlichen und historischen Veränderungen unterworfen, bleibt so lebendig und am Puls der Zeit. Und sie ist Geschenk und Offenbarung für diejenigen, die sich mit ihr ernsthaft und verständnisvoll auseinandersetzen, sich ihrer Feinheiten und Klippen bewusst sind. Sprache wirklich zu verstehen erfordert unendlich viel Feingefühl und ein Gespür für Nuancen, für die "Zwischentöne". Sie ist ein komplexes Instrument, das ständiges und bewusstes Üben erfordert, dafür aber den Übenden am Ende reich beschenkt.


Freitag, 11. Januar 2013

Gefühlsleben

Was ist
so schwer daran
die ureigensten und
tiefsten Gefühle
vor sich selber
zu benennen?
Warum scheuen wir uns
tiefste Wahrheit
für uns selber anzuerkennen?
Was ist
so beängstigend
so unfassbar
so unendlich schwer daran
mich vor mir zu offenbaren?
Vielleicht ist es
die Furcht vor dem eigenen Schmerz
die Kapitulation des eigenen Verstandes
vor der Unlogik des Gefühls
das sich nicht um Konvention
und um Naturgesetze schert?
Denn wenn der eigene Verstand
die erwartete Vernunft
und wirklich Tiefempfundenes
das wahre Wissen
um die nicht zu leugnende Wahrheit des Gefühls
sich gegenseitig aufheben
was bleibt dann noch?

Donnerstag, 10. Januar 2013

Kampf

Innere Leere-
starren ins Nichts
Gedanken gefangen
in einem Vakuum
von Resignation
und Hoffnungslosigkeit...
Der Panzer des Entmutigtseins
lässt keine Hoffnung durch
und doch ist da der Wille
der glühende Wunsch
die innere Leere
mit neuen Ideen
neuen Impulsen zu füllen
den Kampf nicht aufzugeben
sondern das Leben
mutvoll und
mit Freude zu leben
nicht aufzugeben
um nicht irgendwann
innerlich tot und reglos
besiegt von
Angst und Verzweiflung endgültig
ins Aus geworfen zu sein.
Ich bin es leid
immer wieder
von den Kräften
verlassen zu werden
die ich so dringend
so unbedingt
so unabwendbar
wie die Luft zum Atmen
einfach brauche
und weiß doch nicht
wohin sie gehen.
Aber Eines ist sicher:
Ich bin nicht besiegt!

Montag, 7. Januar 2013

Zwischengedanken

Viele meiner letzten Texte und Poeme sind düster, traurig und ohne jede Hoffnung; sie machen vielleicht auch Angst (sogar mir, wenn ich sie mit ein wenig Abstand lese). Aber was hätte ich davon, lediglich Schönwetter-Literatur zu schreiben und damit meine ureigenen Gedanken und Empfindungen, so wie sie zur Zeit einfach sind, außen vor zu lassen? Es wäre vielleicht besser verdaulich und leichter zu lesen, aber eben auch unehrlich und meinem Streben nach Authentizität nicht angemessen. Und Unehrlichkeit, vielleicht sogar Verlogenheit, oder das Leugnen von tiefen Gefühlseinbrüchen, würden das Bild nur verzerren und dem, was ich hier tue, die Grundlagen entziehen.
Der Versuch, trotz aller widrigen Umstände ich selber und mir treu zu bleiben und die Dinge entgegen allen inneren Widerständen schonungslos beim Namen zu nennen, geben mir einen letzten Halt und hindern mich daran, endgültig in den Strudel der Depression zu geraten. Einmal ausgesprochen, verlieren selbst die dunkelsten und angstmachenden Gedanken, denen mich zu stellen größte Überwindung kostet, ihre Gewalt über mich und ich finde allmählich die Kraft, den Herausforderungen meines Lebens wieder entgegenzutreten.
Schönwetter-Literatur ohne Tiefen, ohne unbequeme Konfrontation mit den eigenen Abgründen und ohne den Stempel der eigenen Persönlichkeit, mag zu bestimmten Zeiten ihre Berechtigung haben, dient der Entspannung und der Erholung vom eigenen Alltag. Aber sie spiegelt nicht die ungeschminkte Wirklichkeit wider, hinterfragt nicht und hinterlässt auch keine tieferen Spuren.
Menschen mit einer seelischen Beeinträchtigung, oder auch Behinderung, empfinden und erleben ihren Alltag intensiver und schmerzhafter. Wir haben gelernt, dem äußeren Schein zu misstrauen und hinterfragen vieles, was für andere Menschen selbstverständlich und vielleicht nicht weiter wichtig ist. Umso mehr können wir aber auch die wirklich schönen und friedvollen Augenblicke in uns aufnehmen, sie genießen und nachklingen lassen. Sie sind wie ein wärmender Sonnenstrahl im oft grauen und eintönigen Einerlei unseres Lebens. Dabei sind es gerade die scheinbar kleinen, unverhofften Momente, wie der Besuch bei guten Freunden, die sich als glückliche und unbeschwerte "Feiertage" herausstellen, wenn man es am wenigsten erwartet. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann geben sie auch wieder ein klein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten.

Freitag, 4. Januar 2013

Was fehlt

Immer wieder
stelle ich mir die Frage
was mein Leben eigentlich ausmacht
was es
von reiner Existenz unterscheidet
und je näher
ich dieser Frage komme
um so schmerzhafter
ist das Bewusstsein
dass Vieles fehlt:
Wirkliche Nähe zu anderen Menschen
Gemeinschaft
und Zugehörigkeit.
Oft verzweifele ich
an der tiefen Einsamkeit
die mich
ein Leben lang begleitet
prägt
ausmacht.
Immer nur daneben
statt dabei zu sein
oft nur Beobachter
aber nie mittendrin...
Wie sehr vermisse ich
das liebevolle Miteinander
einer wahren Beziehung
den Austausch von Zärtlichkeit
von Gedanken
und das Wissen
wir gehören zusammen...
Nur Alleinsein
ist ein Akt der Entscheidung
aber Einsamkeit
ist aufgezwungen
und wider die Natur.
Ich möchte Bestandteil
des Lebens sein
nicht nur
der nette
und verständnissvolle Beobachter
menschlichen Miteinanders
den man bequem
wieder zur Seite stellt
wenn die Aufgabe erfüllt ist
nicht nur herablassend
belächelt gelobt werden
für meine Kunststückchen
die vielleicht
Aufmerksamkeit erregen
aber nie
wirklich Bedeutung erlangen...
Es würde wohl niemand
mein Verschwinden
ernsthaft beklagen
denn ich bin ja nur
eine Randnotiz
eines perversen Spiels
das sich Leben nennt...