Montag, 29. April 2013

Klare Worte

In meinen Poemen bemühe ich mich
um klare Sprache
und um Verständlichkeit.
Mir ist es wichtig,
verstanden zu werden
und versuche garnicht erst
das zu Sagende
mit kryptischen Bildern
und fußangelförmigen Metaphern
zu verschleiern.

Man darf das naiv, zu einfach
und unkünstlerisch finden
denn jeder hat seinen
individuellen Kunstbegriff.

Mancher findet Gefallen daran,
Sprache zu verschlüsseln
und Unverständlichkeit, Verwirrung
zur Kunstform zu erheben.

Mir ist es wichtig,
mit Sprache das Verstehen zu fördern
und andere einzuladen,
meinen Gedanken und Empfindungen
zu folgen.

Das ist mein Anspruch,
geboren aus frühem Außenseitersein
und dem Gefühl, mich nur
in einer den Anderen
unbekannten Sprache auszudrücken.

Mein Verhältnis zu mir
ist heute ein anderes.
Aber noch immer möchte ich
nicht missverstanden werden.





"Marktkonforme Demokratie"

Unsere Bundeskanzlerin hat im Zusammenhang mit der europäischen Bankenrettung einen neuen Begriff geprägt: "Marktkonforme Demokratie".

Wenn ich mir diesen Begriff auf der Zunge zergehen lasse, wird mir angst und bange, denn dahinter verbergen sich ein ausgeprägter Zynismus gegenüber den Aufgaben und der verfassungsmäßigen Rolle des Parlaments und möglicherweise auch die Bereitschaft, bürgerliche Grund- und Freiheitsrechte auf dem Altar wirtschaftlicher Interessen zu opfern.

Bundeskanzler, Minister und Staatsbeamte legen bei ihrer Amtseinführung einen Eid auf das Grundgesetz ab und verpflichten sich bindend dem Wohl des Volkes und der Aufgabe, Schaden vom Volk abzuwehren. Darauf sollte man vertrauen können- gerade im Hinblick auf unsere Geschichte und die unseligen zwölf Jahre des "Dritten Reiches".

"Marktkonforme Demokratie"- das passt in eine Reihe mit den Äußerungen des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, der einen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Handelswegen für möglich und wünschenswert hielt. Und es passt in eine Reihe mit den Ungerechtigkeiten in der Sozialpolitik und der geduldeten und stillschweigend geförderten Macht der Banken, die unbeirrt und mit blankem Zynismus am Rechtsstaat vorbei ihre Geschäfte machen.

Auch wenn Demokratie in ihrer aktuellen Form durchaus kritikwürdig ist und das Potential für viele Verbesserungen hat, ist sie trotz allem ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt und keine weitere stillschweigende Verwässerung oder Unterhöhlung zugunsten der Mächtigen verträgt. Ohnehin kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass je reicher und/oder mächtiger ein Mensch ist, sein Verständnis für Recht und Gerechtigkeit proportional dazu deutlich nachlässt.

Das alles ist sehr bedenklich und wir laufen Gefahr, stillschweigend aus einer Demokratie in eine Oligarchie "geführt" zu werden, in der Banken und Großindustrie bestimmen, was unserem Wohl dient und was nicht.
Merkels Begriffsschöpfung "Marktkonforme Demokratie" ist Versuch und Statement in Einem- quasi ein Testballon dafür, wie weit unsere Demokratie sich ungehindert verbiegen lässt. Machen wir ihr deutlich, dass die Grenze bereits überschritten ist!

Sonntag, 28. April 2013

Lebensabschnitt

Ein Lebensabschnitt ist zuende-
ein letzter Rundgang durch die menschenleere Wohnung...
Die Schritte hallen, es ist still.
Leise adieu gesagt und
die Tür ins Schloss gezogen.
Die Fahrt dorthin mit schwerem Herzen
und im Bewusstsein
es ist das letzte Mal.

Ein Lebensabschnitt ist zuende...
Es bleiben
ungeordnete Erinnerungen,
Bilder, Bruchstücke
der Schmerz des Verlustes.

Auf dem Friedhof
letzte
und hoffentlich würdige Worte
als Gruß
und vielleicht als Wegzehrung
für die Tote
von der nunmehr
nur ein kleines
Häufchen Asche bleibt.

Und wir bleiben
Elternlos zurück-
Müssen uns neu finden
das eigene Leben
neu ordnen.

Ein Lebensabschnitt ist zuende...
Ein neuer hat unmerklich
schon begonnen...

Donnerstag, 25. April 2013

Letzte Momente

Morgen ist der Tag...
Beerdigung
Beisetzung
Bestattung...
warum gibt es soviele
unterschiedliche Begriffe?

Viel schöner finde ich:
Sie wird zur letzten Ruhe gebettet...
Das hat so etwas friedliches und liebevolles
und beschreibt das würdevolle Ende
eines langen Lebens.

Wir Lebenden können aufatmen,
die Anspannung ist vorbei.
Und was bleibt,
ist der liebevolle Blick zurück,
Bewahrung der Erinnerung.

Dienstag, 23. April 2013

"Sie brauchen eine Tagesstruktur!"

 Vorsicht: Der nachfolgende Text kann Spuren von Satire und Sarkasmus enthalten!

Ich muss ziemlich sparsam gekuckt haben, als ich obigen Satz das erste Mal hörte. Natürlich brauchen wir Menschen ein Lebensgerüst, an dem wir uns entlanghangeln können- wir brauchen eine Aufgabe, oder sogar Aufgaben, damit wir uns nützlich fühlen und soetwas wie einen Sinn in unserem Leben finden. Das bedarf keiner langwierigen und künstlich aufgeblasenen Diskussion.
Für Therapeuten und Sozialarbeiter ist diese Diskussion um ein künstliches Konstrukt mit Namen "Tagesstruktur" aber quasi Lebensinhalt und Daseinsberechtigung in Einem- also etwas, um das sie ihr eigenes Berufsleben herumbauen können: Finde für deinen Klienten/Patienten eine Tagesstruktur, und du hast einen guten Job gemacht!
Dumm ist nur, wenn der Patient/Klient es wagt, eigene und von den sozialwissenschaftlich-psychotherapeutisch geprägten Vorstellungen abweichende, nicht ins gutmenschlich-abstrakte Lebensbild passende, Ideen entwickelt und dann sogar die Frechheit besitzt, diese auch vehement zu vertreten. Ein Weltbild bröselt in sich zusammen und aus sanft bestimmten, mit geschulter Therapeutenstimme vorgetragenen "Vorschlägen" werden unvermittelt latent drohende von einem gekränkten Ego vorgetragene versteckte Forderungen: Wenn Sie nicht... dann...! Wie kann Mensch es auch wagen, wissenschaftlich-statistische Wahrheiten als durch die persönliche Lebenserfahrung widerlegte Fehlkonstruktionen zu entlarven? Schließlich sind Therapeuten und Betreuer ja mit dem Nimbus der Unfehlbarkeit und unumstößlichen einzigen Wahrheit ausgestattet und lassen sich von Nichtigkeiten wie Lebenserfahrung und individuellen Wünschen nur ungerne ausbremsen. Und ehe man es sich versieht, ist man ein unbequemer, unkooperativer Rebell, steht mit dem Rücken zur Wand und wird inquisitorisch zur Rede gestellt.
Im Übrigen: Leben diese Gutmenschen eigentlich selber nach ihren unumstößlichen und für die seelische Gesundheit angeblich unverzichtbaren Gesetzen? Oder ist es vielmehr der Versuch, zwischen "Krank" und "Gesund" eine imaginäre Grenze zu ziehen und dabei den "Kranken" etwas aufzuzwingen, was sich schon längst für die eigene Lebensgestaltung als unpraktikabel erwiesen hat?
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie einfach Ihren Arzt oder Betreuer!

Samstag, 20. April 2013

Wohnungsauflösung

Es ist so prosaisch:
Wie die Geier
wühlen sie in Schubladen-
öffnen Schränke und
schauen in alle Ecken, damit sie
auch ja nichts übersehen,
was mitzunehmen sich lohnt...

Möglichst Viel für möglichst wenig Geld-
so lautet die Devise,
was eigentlich auch in Ordnung ist,
wäre da nicht das Fehlen
jedes Schamgefühls und die Gier in den Augen...

Natürlich bin ich auch erleichtert und froh,
dass einige Dinge ein neues Zuhause bekommen,
anstatt sinnfrei dem Müll anheim zu fallen.
Aber der fehlende Respekt vor mir
und der Geschichte der Dinge-
der Drang, um jeden Euro erbittert zu feilschen
(Geiz ist Geil!)
das geht schon an die Substanz.


Aber schließlich ist es vollbracht
und das nächste Kapitel ist abgeschlossen.
Und es fällt jeden Tag
ein wenig leichter
Abschied zu nehmen.


Mittwoch, 17. April 2013

Begrifflichkeiten

Ich habe Angst vor den unausweichlichen Veränderungen...
Erlebe zum allerersten Mal das Gefühl des totalen Verlassenseins,
bewege mich wie durch dichten Nebel und muss mich
zu allem, was ansteht, mit Gewalt zwingen.
So viel zu Tun, so wenig Kraft...

Auch Aggression kann eine Form von Trauer sein,
ein sinnloses Aufbegehren gegen das Unausweichliche
und ungefilterte Wut gegenüber denen,
die sich ohne Vorwarnung davongeschlichen haben.

Natürlich sagt die Vernunft: Es war ihre Zeit
und sie waren alt und gebrechlich; hatten ihr Leben gelebt.
Aber was Mensch fühlt, kann die Vernunft nicht vorschreiben.

Bislang waren Begriffe wie Verlust oder Trauer
eher ein Abstraktum für mich, etwas,
das Anderen widerfährt
und mit dem ich mich nie auseinandersetzen musste.
Wenn ich darüber schreibe, dann finde ich
halbwegs passende Worte und Begrifflichkeiten-
soll ich darüber sprechen, dann fehlen die Worte,
oder fühlen sich falsch und formelhaft an- unzureichend.

Also ist Schweigen besser?








Dienstag, 16. April 2013

Bestandsaufnahme

Die letzten Wochen haben mich geschafft...
Ich bin am Ende meiner Kräfte,
bin dünnhäutig, reizbar, aufgewühlt.
Das ist nichts Ungewöhnliches, wird doch
mein Leben grade durchgewirbelt
und auf den Kopf gestellt.

Mit Mitte Vierzig sollte man
die Stürme des Lebens eigentlich
hinter sich gelassen haben
und angekommen sein-
reif und erwachsen und so.

Statt dessen Chaos in Kopf und Herz
und ich ballere wild durch die Gegend.
Ich glaube man nennt das friendly fire
und es tut mir genauso weh, wie denen die es trifft.
Dabei schafft es nicht mal Erleichterung und
lenkt auch nicht von meiner Trauer ab.

Mir wird gesagt, ich dürfe außer mir sein-
angesichts der Ereignisse.
Aber eigentlich möchte ich statt dessen
viel lieber in mir sein,
meine Gefühle kanalisieren,
etwas Sinnvolles aus ihnen machen.

Währenddessen versuche ich krampfhaft und vergebens
nach außen die Fassade aufrecht zu erhalten,
irgendwie zu funktionieren, mir keine Blöße zu geben
und keine Angriffsfläche zu bieten.
Das kostet wahnsinnig viel Kraft
und ist nicht wirklich hilfreich.

Es heißt, die Zeit heilt alle Wunden,
aber auch Narben können
ein Lebenlang schmerzen...



Montag, 15. April 2013

Nachdenken, Innehalten

Manches Zwischenmenschliche
bereitet mir Kopfzerbrechen...
Ich bin es nicht gewohnt, etwas einzufordern-
schon garnicht, wenn es um Nähe oder Mitgefühl geht...

Wie funktionieren Freundschaften, was macht sie aus?
Darüber habe ich noch nie wirklich nachgedacht und
bekomme das jetzt um die Ohren gehauen...

Menschliches Miteinander war schon immer
ein Buch mit sieben Siegeln für mich und hat
mich immer stark verunsichert.

Immer wenn über soziale Kompetenz
oder emotionale Intelligenz gesprochen wird
war ich bislang der Überzeugung,
bei beiden ganz gut abzuschneiden...
Habe immer versucht,
mich unauffällig einzufügen, anzupassen und
ja nicht aufzufallen.

Bin ich ein schlechter Freund?
Muss ich mich mit meinen
Wünschen
Bedürfnissen
Vorstellungen
unmissverständlich und klar
im Miteinander positionieren?

Bei anderen ist es immer einfach zu erkennen,
wenn sie Rat,
oder Trost,
oder ein offenes Ohr benötigen
denn sie nehmen sich das, was sie brauchen
und ich gebe das gern.

Ich habe das nie geschafft
und halte meine Bedürfnisse oft genug
für unwichtiger als die der Anderen.
Schließlich habe ich schon als Kind gelernt,
dass es egoistisch ist, Bedürfnisse zu haben
oder sie sogar zu äußern und bin
zum stillen Opportunisten erzogen worden...
Schönen Dank dafür!





Samstag, 13. April 2013

Grundsätzliches

Bei allem was ich schreibe
habe ich mich
der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit verpflichtet,
auch auf die Gefahr hin,
anzuecken und zu konfrontieren.
Meine Texte, meine Poeme -
sie sind Momentaufnahmen-
sie spiegeln mein Selbstbild, meine Sicht der Dinge
ohne den Anspruch auf Abgeklärtheit oder Objektivität.

Ich bin kein objektiver Mensch,
bemühe mich aber
um Ausgewogenheit und
Verständnis für meine Mitmenschen.
Aber ich habe auch
nicht verhandelbare
ethische und moralische Grundsätze,
nach denen ich mich und mein Leben ausrichte:
Ich verachte Rassismus und Überheblichkeit,
meide Verlogenheit, Egozentrik und Engstirnigkeit.

Das mögen hohe Maßstäbe sein,
aber es sind MEINE Maßstäbe
und ich nehme mir das Recht,
diese auch bei Menschen
in meiner Umgebung anzusetzen.

Auch ich bin nicht perfekt,
habe meine Fehler, Schwächen und Marotten-
bin oft nicht leicht zu verstehen,
oder zu durchschauen.
Und durch dieses Wissen
werde ich mir nie anmaßen,
andere Menschen
vorschnell und rigoros zu verurteilen.

Gefühle sind immer subjektiv,
aber es gibt bei ihnen
kein "Falsch" oder "Richtig"-
sie sind, wie sie sind
und bedürfen keiner Bewertung.

Ich stelle Vieles in Frage,
weil dieses "Viele"
für mich nicht Selbstverständlich ist.
Aber vielleicht bringe ich
damit Andere zum Nachdenken.
Und das ist gut so!

Mittwoch, 10. April 2013

Zeit für einen Neubeginn

Zeit für einen Neubeginn-
Zwei Jahre Therapie sind zuende und 
ich ziehe ein sehr positives Resumee aus dieser Zeit...

Vieles hat sich verändert und wird sich verändern,
denn auch der Tod meiner Eltern ist ein Einschnitt,
dessen Folgen ich noch nicht zu sehen vermag.

Ich bemühe mich um einen positiven Blick
in eine Zukunft, die mein eigenes Älterwerden
zum Inhalt hat und viele Fragen über die Richtung
und neue Impulse und Schwerpunkte...

Ich habe mich verändert,
bin reifer geworden,
gelassener und vielleicht sogar
etwas erwachsener...
Bin nicht länger
der naive Kindskopf
der nur auf das Morgen blickt
und Luftschlösser baut,
die im nächsten Augenblick
in sich zusammenfallen.

Ich werde schreiben, dichten, denken
und die Zeit wird zeigen
ob ich damit Menschen
wirklich erreichen, berühren kann.

Ich werde bei mir sein,
mein Zentrum, mein Innerstes
suchen und finden.

Es ist Zeit für einen Neubeginn...

Sonntag, 7. April 2013

Ungleichgewicht

Ich wühle mich
durch einen Haufen Papiere
und darf jeden einzelnen Cent
den ich mein Eigen nenne
dem Staat offenbaren.
Schließlich bin ich ja
ein Bittsteller, der
staatliche Unterstützung benötigt.
Während ich das alles brav
und mit in der Tasche geballter Faust
erledige, dürfen Bankster und
unanständig reiche Menschen
fröhlich ihren finanziellen
Exzessen fröhnen und
ungehindert den Staat bescheißen.
Sie hinterziehen Steuern,
tricksen und betrügen
ohne den Hauch eines schlechten Gewissens
und werden vermutlich auch
des Nachts gut schlafen,
während ich armes Würstchen
mich hin und her wälze und
mir Sorgen darüber mache,
alles fristgerecht zu schaffen
und die bürokratisch aufgeblähten Fragen
korrekt zu beantworten...
Vermutlich hängen fehlende Moral
und Gewissen wohl doch
von der Größe
des Geldbeutels ab.

Donnerstag, 4. April 2013

Trauer-Arbeit

Endlich zur Ruhe kommen können
und den bürokratischen Irrsinn des Sterbens
hinter mir lassen...
Keine Anrufe, Anfragen bei Ämtern, Behörden mehr...
Möchte wieder bei mir ankommen,
abschalten, mein Zentrum wiederfinden.
Trauern kann nur, wer bei sich ist
und nicht abgelenkt von überflüssigen Widrigkeiten.
Ich möchte trauern,
Revue passieren lassen und mir
die Zeit nehmen können zu verarbeiten.
Ich möchte Zeit haben zu weinen,
wirklich Abschied zu nehmen
und nicht von Dokumentenfluten
zugeschissen werden...
Ich will mein Leben zurück und Zeit,
es neu zu ordnen
und neue Ziele zu finden...