Montag, 27. Mai 2013

Enttäuschung

Enttäuschungen sind die Fächer
in der Schule des Lebens,
die am schwersten zu bewältigen-
und die härteste Prüfung sind.

Sie kommen oft
wie aus heiterem Himmel
und landen unvermittelt
eine gerade Rechte
mitten ins Gesicht.

Und der Schutzpanzer,
erschaffen und entstanden
aus ungezählten Narben
vorangegangener Enttäuschung,
legt wieder mal um Einiges zu.

Dann wirst du als unzugänglich
und als abweisend angesehen und kritisiert
und darfst dich als Krönung des Ganzen
dafür auch noch erklären.

Buddy Guy hat in einem seiner
wunderbaren Bluessongs
die passenden Worte dazu gefunden:
"Where's the next one coming from?"

Sonntag, 26. Mai 2013

Frauen-Versteher

Frauenversteher- oft mit verächtlichem Unterton
ausgesprochen
und zum Gespött machend...
Es ist nicht en vogue,
sein Gegenüber zu verstehen,
wenn es "nur" eine Frau ist
die in Vielem komplexer ist
als Mann es versteht und zulässt.

Ist es Angst vor dem Unbekannten, oder
sind wir nur zu einfach gestrickt?

Eigentlich gebieten es der Anstand, der Respekt
- Geschlechtsunabhängig-
sein Gegenüber zu verstehen,
zu erkennen
um auf einer Ebene
miteinander sein zu können.

Denn nichts ist
erfüllender als
wirkliche Kommunikation.



Freitag, 24. Mai 2013

Ain't Nothing But The Blues!

Ich bin ein musikalischer Spätentwickler. Zuhause gab es nur Klassik in allen Variationen- sogenannte "Unterhaltungsmusik", wie Jazz, Pop oder Rock- war verpönt und entsprach nicht unserem Standard als Bildungsbürger-Familie und Anthroposophen.
Nachdem ich mir sehr zum Missfallen meiner Mutter mit Vierzehn von meinem Konfirmationsgeld den ersten Radiorecorder gekauft hatte, tastete ich mich staunend vor in die Welt der anderen Musik: Begierig, staunend und zunächst sehr unkritisch saugte ich Sendungen wie "Mal Sondocks Hitparade" in mich hinein, und hörte das erste Mal mit größter Begeisterung Rock'n'Roll und Blues auf BFBS. Besuche in Berlin bei meinem großen Bruder taten ihr Übriges: Ich tauchte immer tiefer ein in die Musik von BB King, Champion Jack Dupree und anderer Bluesgrößen- ein neuer musikalischer Kosmos offenbarte sich mir.
Erst viele Jahre später (ich muss da so etwa Zwanzig gewesen sein) besuchte ich als Zivi mein erstes Livekonzert. Für fünf Mark Eintritt spielte in einer abgewrackten Kneipe irgendeine Bluescombo, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnere. Und gerade dieses Konzert war es, das mich musikalisch und in seiner gesamten Atmosphäre wie nie zuvor mitriss. Ich schüchterner Jüngling tanzte und sang mir die Seele aus dem Leib! So war dieses für mich legendäre Konzert die Initialzündung meiner lebenslangen Liebe zum Blues.
Viele Umwege (auch musikalisch) bin ich in meinem Leben gegangen, habe mich verirrt und doch immer wieder zurück zum Blues gefunden. Keine andere Musik berührt mich so im Allerinnersten: Diese einzigartige Mischung aus Verzweifelung, blankem Zynismus, purer Energie und Lebensfreude packt mich immer wieder und reißt mich aus dem tiefsten Loch. In keiner anderen Musik finde ich mich selber so erkannt und bis ins Innerste verstanden, wie im Blues. Es ist "meine" Musik!

Dienstag, 21. Mai 2013

Einsamkeit

Sie ist meine Vetraute-
kenne sie mein Leben lang
und bin
mit ihr aufgewachsen.

Niemand kennt mich
so gut wie sie.
Sanft umhüllt sie mich
und macht mich unsichtbar.

Wie eine Geliebte
teilt sie mit mir das Bett,
mein Leben,
von Früh bis Spät.

Schon längst vermag ich mir
ein Leben ohne sie
nicht mehr vorstellen.

Sie bietet mir Schutz
vor Fremden und
vor dem Unbekannten
und wartet schon auf mich
nach meinen Ausflügen
in das Leben da draußen.

Ich bin an sie gewöhnt
und doch nagt es an mir
sie nicht verlassen zu können.

Ich möchte frei sein von ihr
und nur wenige Augenblicke
selbst gewählt
mit ihr verbringen.

Denn wirklich frei entscheiden
konnte ich mich nie,
wurde nie gefragt,
ob ich sie um mich haben möchte.

Heimlich hat sich sich eingeschlichen
war eben so da...
Und ihre angenehmen Seiten
haben mich betört und
ihr gegenüber milde gestimmt.

Und nur in wenigen
wachen Augenblicken
war mir das Traurige
ihrer Anwesenheit wirklich bewußt.

Aber es wird stärker,
denn ich möchte mein Leben
nicht mit ihr beschließen...


Sonntag, 19. Mai 2013

Freundschaften- ein erklärender Versuch

Ich habe nicht viele Freunde. Das mag daran liegen, dass ich ein eher zürückgezogen lebender und introvertierter Mensch bin, aber auch daran, dass zuviele Menschen mich zu schnell emotional und in meinen Kräften überfordern. Allerdings habe ich es auch nie gelernt, mir Freunde zu machen. Schon als Kind bin ich in dem beschämenden Gefühl bestärkt worden und aufgewachsen, ein Aussenseiter zu sein, der nirgendwo hineinpasst, geschweigedenn willkommen ist. Das ist eine bis heute prägende Erfahrung, die noch immer nachwirkt.
Aber auch Depressionen machen einsam; das ist eine Binsenweisheit und trotzdem auf eine immer wieder schmerzliche Weise wahr. Denn gerne würde ich mehr Menschen um mich herum haben, mit denen ich mein und ihr Leben teilen kann: Eben Anteil- nehmen und -geben.
Umso wichtiger sind mir die Menschen, die ich nicht nur leichtfertig, sondern erst nach längerer Zeit und eher misstrauender Distanz meine Freunde nenne. Sie haben sich meine uneingeschränkte Sympathie, und damit auch meine volle Aufmerksamkeit verdient. Ich versuche, sie in ihrem Handeln und Denken ohne jeden Vorbehalt zu verstehen und anzunehmen, auch wenn zwischen ihnen und mir manchmal Welten liegen. Aber vielleicht macht diese Diskrepanz unsere Freundschaft auch erst interessant und fügt meiner Farbskala mir neue und unbekannte Nuancen hinzu.
Ohnehin bleibt mir die "Funktionsweise" von Freundschaften bis heute ein Rätsel. Die Fragen nach der Entstehung und der Entwicklung kann ich selbst heute noch nicht beantworten und nehme das, was sich über Jahre entwickelt hat, dankbar als unerklärliches und kostbares Geschenk.
Trotz des Gefühls von Dankbarkeit und relativer Sicherheit kommt es immer wieder zu Irritationen. Natürlich ist mir als denkendem Menschen bewusst, dass sich das Leben meiner Freunde nicht nur um mich dreht, sondern dass sie ihren ureigenen Lebensmittelpunkt nebst vielfältigen Verpflichtungen haben. Sie haben wiederum andere Freunde, eine Familie, einen kräftezehrenden Job, etcetera.
Vielleicht ist es meiner besonderen Lebenssituation geschuldet, dass ich diese Dinge manchmal nicht im Bewusstsein habe, denn schließlich habe ich all das nicht in meinem Leben und vermisse es hin und wieder schmerzlich. Möglicherweise schleicht sich in dieses Ungleichgewicht auch ein wenig Neid, wenn ich bei anderen Menschen zu sehen bekomme was mir fehlt und mir bewusst wird, dass ich diese Lücken nicht aus eigener Kraft zu füllen vermag.
Gleichzeitig schäme ich mich dafür, solch negative Gefühle zu entwickeln, denn meine Freunde sind schließlich weder für meine Lebenssituation, noch für meine persönlichen Defizite verantwortlich. Nein, sie sind eine Bereicherung für mein Leben und auch ich würde mir energisch jede Form der Einmischung oder Kritik in und an meiner Lebensführung- und gestaltung- oder an meinen Prioritäten- verbitten und mich sehr schnell gekränkt und bevormundet fühlen.
Für mich bleiben Freundschaften zeitlebens eine Herausforderung, der ich mich aber gerne und mit Empathie stelle.

Freitag, 17. Mai 2013

Kurzundgut

Ich komme zur Ruhe- atme tief
und versuche das Gedankenkarussel
zum Stehen zu bringen.
Kein Ausnahmezustand mehr
und der Alltag fordert seinen Tribut.

Das ist gut so, denn die Alltäglichkeiten
und selbtsauferlegten Pflichten,
sie lenken ab und schaffen
eine wohltuende Normalität.

Ich kann wieder lachen-
die Depression ist vorbei...

Montag, 13. Mai 2013

Es reimt...

Lebe im Schatten-
scheue das Licht
ertrage es nicht
und hasse die glatten
Wohlstandsvisagen.

Bin Dichter nur
und folge der Spur
der Inspiration-
Da ist sie schon!

Gebäude aus Sprache
möchte ich bauen
und lernen, vetrauen
und doch ist die Sache
hochkompliziert.

Auf der Suche schon lange
und mir wird Angst und Bange
den Zug zu verpassen...
Ich sollte das lassen.

Statt dessen nur Schreiben
die Ängste vertreiben-
In Arbeit gebunden
schon sind sie verschwunden.


Sonntag, 12. Mai 2013

Neue Impulse

Neues klopft an die Tür...
Nimmt Form an
und weckt meine Neugier.

Bin ich schon bereit
oder noch zu zögerlich
neue Wege zu suchen
und mit festem Tritt zu beschreiten?

Noch immer hält mich
das Geschehene mit festem Griff-
Loslassen heißt das Zauberwort
und sagt sich doch leichter
als es getan ist.

Das Frühjahr ist eine gute Zeit
mit Neuem zu beginnen-
Meine Sprache,
meinen Ausdruck suchen
und mit Konsequenz
Ideen verwirklichen.

Aber Neues macht mir Angst.
Bin ein Gewohnheitstier
und brauche lange
um die Chance neuer Wege
zu erkennen.

Klar, ich bin ein Psycho
und da ist das manchmal so.
Aber vielleicht sollte ich
es einfach versuchen...





Montag, 6. Mai 2013

Zu privat?

Ich bin ein
öffentlicher Mensch geworden-
gegen meine Gewohnheit
und gegen
mein Naturell.

Was geht es andere Menschen an,
was ich denke, empfinde, fühle?
Und was geht
die Anderen
mein Lebenslauf
mit all seinen
Verwicklungen an?


Eigentlich
bin ich
ein verschlossener Mensch-
introvertiert
unsicher
schüchtern-
ein großer Schweiger,
verschwiegen.

Aber ich bin eben auch
ein Suchender
der eigenen Wahrheit
und der Ehrlichkeit,
bin mir verpflichtet.

Ich ringe mit mir selber
um Identität
um Authentizität und darum,
mich selber anzuerkennen...
Das ist wichtig für mich,
mein Lebensinhalt.

Klare
und unmissverständliche Sprache
ist MEIN Medium.
Ohne Kompromisse
und mit aller Ehrlichkeit.
Und der Titel ist Programm:
Gedankenwelt eines Psychos!




Freitag, 3. Mai 2013

Freier Fall

Ich falle
stürze
taumle hin und her
kein Halt
kein Ziel
no future
bin abgenabelt
und doch
verbunden
mit
ich weiß es nicht
der Horizont
steht
auf dem Kopf
keine Orientierung
will mich
verkriechen
aber das
ist keine Lösung
denn Leben
die Realität
holen mich
immer wieder ein
stoße mich
an ihren Kanten
komme wieder
zu Bewusstsein
schreie laut
wie bei
der Geburt
und beginne
kontrolliert
zu atmen

Donnerstag, 2. Mai 2013

Momente

Ein älteres Gedicht von mir, neu überarbeitet:

Momente

Da sind Momente voller Glück-
so unverfälscht und rein,
dass du dir wünscht,
so sollt es immer sein.
Und weißt genau, dass sie nicht dauern
und Zeit, sie schreitet nie zurück.

Da sind so viele Augenblicke,
in denen du nicht anders kannst als Trauern
um die verlorne Zeit in deinem Leben
und um die Stücke
die du nie mehr zusammenfügen kannst.

Umgeben bist du von allzu hohen Mauern
die dich bedrängen und dich binden.
Und dich erfasst ein ungeheures Beben
im Innersten, wie nie gekannt.

Nimm deine Träume, deine Kräfte in die Hand-
Beginne jetzt zu leben!
Und deine Agonie, sie ist gebannt,
begleitet mahnend dich auf deinem Weg
und deinem Streben.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Maigedanken

Heute endet die Gemütlichkeit beim abendlichen Kneipenbesuch und wir Raucher werden wieder ein Stückchen mehr entmündigt.
Nichtraucherschutz heißt die Devise und diesem Totschlagargument wird blindlings und ohne Rücksicht auf Verluste ein Großteil unserer Selbstbestimmung und persönlichen Freiheit geopfert. Vorbei sind die Zeiten, wo wir uns beim abendlichen Bier in der Kneipe genüsslich eine Kippe anzünden konnten- statt dessen werden wir kriminalisiert und ausgegrenzt-wie im Mittelalter die Aussätzigen.
Wirte und Kneipenbesitzer verlieren ihre Existenzgrundlage und werden von nochmehr lärmgenervten Nachbarn bedrängt, die sich von vor der Kneipe stehenden Rauchern in ihrer Nachtruhe gestört fühlen. Aber Hauptsache, die Politik hat gesiegt und der gesunde Menschenverstand, das gesunde Augenmaß haben kläglich verloren.
Auf einen schönen ersten Mai!