Sonntag, 23. Juni 2013

Sprachverwirrung

Versteckspielen mit der Sprache-
Nebelgranaten aus Worten,
die mehr verbergen als enthüllen...

Schutzwälle aus Worthülsen
werden zu undurchdringlichem
Sprachdikicht...
Schutzbehauptungen
Lügengeflechte
Sprechdurchfall...

Wir werden zugeschissen
mit Nichtssagendem und
nur scheinbar bedeutungsschwerem Müll.

Man kann sich wunderbar
hinter Sprache verstecken,
die eigene Identität verbergen,
aus Angst verbale Attacken reiten.
Vortäuschen, man habe etwas zu sagen,
um sich nicht als Sprachlos zu entblößen.

Für Unbedarfte
ist Schweigen nur schwer auszuhalten;
es kann aber auch zur Folter werden,
wenn Wichtiges zu sagen wäre
und gezielt ver-schwiegen wird.

Wir haben es in der Hand.




Samstag, 22. Juni 2013

Einig gegen Recht und Freiheit

Wie eine Reliquie werden Begriffe wie Menschenrechte und Rechtsstaat von Politikern feierlich hochgehalten. Und ähnlich wie bei kirchlichen Reliquien wird der eher dürftige Inhalt durch eine prachtvolle Umhüllung verdeckt und verschleiert. Die Menschen werden davon geblendet, stehen staunend und mit offenen Mündern davor und sind glücklich, etwas so wertvolles und prächtiges gesehen zu haben- ohne zu bemerken, wie falsch und hohl der Inhalt in Wirklichkeit ist.
Natürlich leben wir in einer Demokratie, die uns per Verfassung gewisse Rechte und Freiheiten garantiert. Aber wie kann es dann sein, dass eben diese Rechte von staatstragenden Personen und Institutionen immer wieder so verachtungsvoll und zynisch mit Füßen getreten werden?
In Hessen wurden vor ein paar Jahren zu erfolgreiche Steuerfahnder mit falschen psychiatrischen Gutachten aus dem Dienst entfernt, ohne das die politisch Verantwortlichen bis heute zur Verantwortung gezogen wurden.
Ebenfalls in Hessen wurden vor Kurzem zurecht empörte Demonstranten auf brutalste Weise daran gehindert, ihr Demonstrationsrecht auszuüben; sie wurden von der Staatsmacht niedergeknüppelt, eingekesselt und es mehren sich die Hinweise, dass dieses Vorgehen von ganz oben angeordnet, oder zumindest abgesegnet war.
In Bayern sitzt ein vermutlich Unschuldiger seit sieben Jahren in der geschlossenen Psychiatrie, weil er korrupte und kriminelle Machenschaften aufgedeckt hat, die bis in die höchsten Kreise von Wirtschaft, Politik und Justiz reichen. Und nur, weil der Druck der Öffentlichkeit auf die Verantwortlichen nicht mehr zu leugnen ist und einige mutige Journalisten darüber engagiert und unabhängig berichten, kommt allmählich Bewegung in die ganze Sache.
In Sachsen versuchen Justiz und Polizei, einen engagierten Demokraten und Jugendpfarrer mit Lügen und falschen Behauptungen hinter Gitter zu bringen, weil er sich vehement gegen rechtes Gedankengut und antidemokratische Auswüchse positioniert hat.
Unsere Bundeskanzlerin spricht ungeniert von "Marktkonformer Demokratie", unser Finanzminister war in eine Schwarzgeldaffaire verstrickt und in Behörden wird tagtäglich das Recht gebeugt, wenn es darum geht, Bedürftigen das Leben schwer zu machen und ihnen das vorzuenthalten, was ihnen nach Recht und Gesetz zusteht.
Währenddessen gehen in Brasilien und in der Türkei Zehntausende auf die Straße und demonstrieren mutig und von Polizei und Regierung kriminalisiert, diffamiert und niedergeknüppelt, gegen Korruption und staatliche Willkür. Und wir sitzen fasziniert vor dem Fernseher und verfolgen das Geschehen, während unsere Volksvertreter ihre Gesichter in jede Kamera halten und sich zutiefst empört über die dortigen Geschehnisse und Menschenrechtsverletzungen geben.
Diese Beispiele von Machtmissbrauch und geduldeter Rechtswidrigkeit ließen sich beliebig fortschreiben, denn tagtäglich passieren in Deutschland nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen Dinge, die den Rechtsstaat allmählich von Innen aushöhlen und zur Farce werden lassen. Wann nehmen wir uns die Türkei und Brasilien endlich zum Vorbild?


Freitag, 14. Juni 2013

Fehlende Worte

Im Juli jährt sich der Todestag meines Vaters. Dieses Gedicht ist ihm gewidmet:

Ich habe dich geliebt,
auch wenn wir nie wirklich
zueinander gefunden haben.

Wir brauchten keine Sprache,
haben uns ohne sie verstanden
und trotzdem tat es oft weh,
keine Worte zu haben.

Erst sehr spät hatten wir
wirkliche Gespräche und haben
miteinander über uns gesprochen.
Aber selbst hierbei
fehlten uns die Worte.

Ich habe dich geliebt,
auch weil wir uns so ähnlich waren-
still, bescheiden und schüchtern.

Innere Emigration
war unser beider Stichwort,
wenn es um Liebe,
um Beziehung ging.

Waren beide überfordert,
wenn Gefühle uns übermannten.
Und doch habe ich bei dir
so manche Freudenträne gesehen.

Bevor du leise von uns gegangen bist,
hast du mich in den Arm genommen-
das erste und letzte Mal-
und hast mir damit
ein kostbares Geschenk gemacht,
das mir keiner nehmen kann.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Psychokram

Manchmal hängt mir
der ganze Psychokram zum Hals raus...
Ich verfluche meine Beschränktheit
und sehne mich nach Weite
in meinen Gedanken
und meinem Gefühlsleben.

Fühle mich eingesperrt
in den festen Mauern meiner kranken Seele und
möchte ausbrechen, mich befreien
und stoße doch immer wieder schmerzhaft
an das mich Begrenzende.

Immer wieder wurde mir gesagt,
ich solle auf das Erreichte stolz sein
und die Politik der kleinen Schritte befolgen.
Aber lohnt es sich, meine Eigenständigkeit,
die mühselig erreichte Unabhängigkeit von
psychiatrischen Hilfesystemen
mit Stolz zu betrachten?

Ist es tatsächlich mein Verdienst,
nicht auf der Straße oder im Knast
gelandet zu sein?

Andere hatten nicht soviel Glück
und vegetieren in Unselbstständigkeit,
von Helfern und gesetzlichen Betreuern gepampert,
stumpf vor sich hin.
Man hat ihnen
ihren freien Willen abgesprochen
und ihre Menschenwürde
haben sie gegen umfassende Betreuung getauscht.

So betrachtet, habe ich Glück gehabt.
Auch ich hätte so enden können;
statt dessen lebe ich selbstbestimmt
und frei von Repressalien.
Also sollte ich vielleicht
aufhören zu jammern und das genießen,
was ich habe.






Dienstag, 11. Juni 2013

Konfliktstoff

Wenn zwei sich streiten,
freut sich der Dritte-
so lautet eine alte und zynische
Randbemerkung.

Aber in Wirklichkeit
tut es dem Dritten ebenso weh,
denn er sitzt zwischen den Stühlen,
kämpft mit alten Erinnerungen
und sehnt sich
nach einem sicheren Ort,
ohne Zwiespalt und Kampf.

Dabei ist es keine Frage
der Loyalität, sondern
nach verantwortungsvollem Miteinander
und Rücksichtnahme auf die,
die Konflikten hilflos ausgeliefert sind.

Sie werden später die tiefen Narben haben
und gestört im Umgang sein.
Und sie werden ihre eigenen Konflikte
entweder garnicht
oder auf extremere Weise austragen
weil sie es nicht anders gelernt haben.

Und den lachenden Dritten-
gibt es immer noch nicht...




Dienstag, 4. Juni 2013

Depression

Wie schwere Ketten im Nebel
legt sich die Depression auf die Seele-
bringt sie zum Erstarren und friert sie ein.

Keine Regung mehr ist möglich und
alles zieht an ihr vorbei.
Sie ist zum tatenlosen Zuschauen verdammt,
spürt nur grenzenlose Müdigkeit
ist ohne Hoffnung.

Die Ketten lasten schwer auf ihr
und der Nebel erschwert die Sicht.
Morgen, Übermorgen-
unendlich weit entfernt, unerreichbar.

Türklingel und Telefon
werden zu Totfeinden
und bei jedem Laut verflucht.

Nur die unendliche Stille ist erträglich.
Das Hineinlauschen in den eigenen Abgrund
versöhnt mit Unzulänglichkeiten
und der tiefempfundenen Schuld der Unvollkommenheit.

Und irgendwann tauchst du wieder auf und
hast das tiefe Tal
unversehens, unbemerkt durchschritten-
bist wieder da, ohne zu wissen, warum.