Dienstag, 30. Juli 2013

Kampf mit der Sprache

Manchmal ringe ich mit der Sprache-
stolpere über Worte, versuche,
ihren Sinn zu erfassen und merke,
dass sie mir entgleiten.

Manchmal ist mir die Sprache
ein Buch mit sieben Siegeln-
ich reihe Worte aneinander,
die mir im Nachgang hohl
und nichtssagend erscheinen
und deren wahrer Sinn
sich mir verweigert.

Ich bilde mir ein,
mit Sprache umgehen zu können,
ihre Feinheiten und Nuancen zu kennen-
im Wortsinn sprachgewandt zu sein und doch
fühle ich mich unbeholfen, unzureichend
und kratze nur an ihrer Oberfläche.

Sie entzieht sich mir
wie eine unwillige Geliebte
und gibt mir, wenn ich Feinheit brauche,
nur grobes Geröll.

Ich will erzählen
und schaffe nur Fragmente
ohne Resonanzboden
und ohne räumliche Wirkung.

Sprachlosigkeit war lange
mein Lebenshindernis, das mich
von der Welt isoliert hielt-
im entscheidenden Moment
fehlten immer die Worte.

Und nur langsam taste ich mich wieder
ohne großes Vertrauen an sie heran,
zögerlich und vielleicht
ein wenig ängstlich, aber beseelt
vom Wunsch nach Geborgenheit in ihr.

Sonntag, 21. Juli 2013

Objektivität

Ich weigere mich, objektiv zu sein!
Wo kämen wir hin, wenn wir
alle Menschenrechtsverletzungen,
Demütigungen,
Diskriminierungen und
Beleidigungen
erst mühsam und vorsichtig
in den biografisch-historischen Kontext
der Täter und Verursacher kleiden würden?

Alles lässt sich entschuldigen und relativieren,
sozialpädagogisch verbrämen,
gutmenschlich erklären
und so in Distanz bringen.

Aber die Wut des Verletzten
und Gedemütigten
wird so verspottet und kleingeredet
und der Satz: "Sei doch bitte objektiv!"
wird zur schallenden Ohrfeige...

Dienstag, 16. Juli 2013

Hinter der Maske

Hinter der Maske von Wohlanständigkeit
und Angepasstsein brodelt oft
ein Abgrund von Furcht und Verachtung
gegenüber allem und allen,
die unangepasst und anders sind.

Das alte, faschistoide Gedankengut
vom lebensunwerten Leben
ist noch lange nicht tot,
es versteckt sich nur hinter
Unverständnis, Gleichgültigkeit
und Intoleranz.

Wieviele Menschen zucken
noch immer zusammen, wenn sie
die Worte "Krank" oder "Behindert" hören,
oder auf Menschen stoßen, die genau
diese Begrifflichkeiten verkörpern?

Vieles verbirgt sich
hinter scheinheiligem Getue
oder vorgeschobenem Zeitmangel.
Gern genommen wird auch
ein breites Lächeln,
um den Stoß in den Rücken des Anderen
zu verschleiern.

Manchmal
kann ich garnicht soviel essen,
wie ich kotzen möchte...


Samstag, 13. Juli 2013

(K)ein Lamento

Es nervt, wenn bestimmte Menschen
ihr Sich-Schlecht- Fühlen demonstrativ
und übertrieben feierlich,
wie eine Monstranz,vor sich hertragen.

Sie heischen nach Aufmerksamkeit,
die ihnen ohne die Theatralik ihrer
ach so tiefen Depression nie zuteil würde 
und reagieren empfindlich,
wenn man sie demaskiert.

Voller Stolz verweisen sie
auf ihr Scheitern an der Gesellschaft,
sehen sich als heimliche Rebellen
und die einzig wahren Gesellschaftskritiker.

Sie haben damit abgeschlossen,
sich mit der Welt
und mit sich auseinanderzusetzten,
das eigene Tun und Sein
kritisch zu hinterfragen
und zu reflektieren.

Sie verweigern sich jeder Veränderung
aus Angst, sie könnten aus der Rolle fallen,
die sie so sorgsam eingeübt haben.

So wird Krankheit zur Rechtfertigung
für alles, was aus Bequemlichkeit verneint wird
und zum Schlag ins Gesicht für die,
die den Kampf um ihre Existenz
noch nicht aufgegeben haben.


Sonntag, 7. Juli 2013

Fieberwahn

Im Fieberwahn
laufen Gedanken quer durchs Hirn-
ohne Sinn und Ordnung-
werden zu wirren Bildern,
die aufsteigen und wieder verschwinden.

Surreale stolpern durchs Bild,
willkommen geheißen
vom umnebelten Verstand,
ziehen klebrige Fäden des Absurden
und im Moment doch
völlig Schlüssig erscheinenden
hinter sich her...

Ich versuche zu schlafen
und bin doch zu fasziniert
vom völlig Verqueren,
das meinen Verstand okkupiert.

Versuche, dem Irrsinn zu folgen,
der sich dann plötzlich irgendwo verliert
nur um von Neuem
und von irgendwo her
wieder aufzutauchen.

Es entstehen Worte
die garkeine sind
und trotzdem faszinieren
und ihre eigene Logik entwickeln...

Und der noch wache Teil
meines Verstandes versucht,
sich gegen den Irrsinn zu wehren
und bildet verzweifelt sinnvolle Worte,
die ungehört verhallen.

Trotzdem hat es etwas Wohltuendes,
wenn der Verstand einfach
in Zwangsurlaub geschickt wird
und die Freien Radikalen
in meinem Gehirn
ihre Anarchie zelebrieren.


Montag, 1. Juli 2013

Gegen die Hybris der Geheimdienste

Die jüngsten politischen Ereignisse im Zusammenhang mit den aufgedeckten Abhörskandalen seitens der Briten und Amerikaner machen Eines deutlich: Demokratie und Menschenrechte sind in ernsthafter Gefahr!
Wenn völlig enthemmte Geheimdienstmitarbeiter wahllos die elektronische Kommunikation von Millionen Menschen ausspionieren und sich dabei als Hüter von Demokratie und Freiheit gerieren, dann zeugt dies von einer unglaublichen Hybris und dem Bewusstsein, außerhalb von Recht und Gesetz zu stehen. Das immer wieder vorgebrachte Totschlagargument, wer nichts zu verbergen habe, der hat auch nichts zu befürchten, ist an Zynismus und Menschenverachtung nicht mehr zu überbieten, denn hier geht es nicht darum, etwas zu verbergen, sondern um die willentliche und rechtswidrigeVerletzung von verbrieften Grundrechten wie dem Post- und Fernmeldegeheimniss und der Privatsphäre freier und selbstbestimmter Menschen.
Gerade Deutschland sollte im Hinblick auf seine jüngste Vergangenheit, in der Menschenrechte und Pressefreiheit vehement mit Füssen getreten wurden, ganz besonders sensibel bei der Wahrung von Demokratie und Freiheit sein, denn die sechzig Jahre seit Ende des NS- Regiems sind eine kurze Zeitspanne, und die allmähliche Aushöhlung demokratischer Grundwerte kann schnell zu einem Rückfall in diktatorische und menschenverachtende Strukturen führen, wie beispielsweise in Russland und Ungarn.
Geheimdienste sind per se Demokratiefeindlich und verweigern sich seit ihrem Bestehen konsequent jeglicher wirksamen parlamentarischen Kontrolle. Die amerikanischen Dienste CIA, NSA, ihre britischen Schwesterdienste und auch die deutschen "Sicherheitsbehörden" sind schon längst zum Staat im Staat geworden, führen ein beängstigendes Eigenleben und betrachten jegliche Form von Kontrolle oder gar Kritik als Angriff auf ihr Selbstverständnis und ihre vermeintlich staatstragende Funktion. Offen zutage getreten ist dies jüngst bei dem Versuch, die Verbrechen des NSU parlamentarisch zu untersuchen: Dort wurde gelogen und vertuscht, Akten wurden geschreddert und niemand war bereit, Verantwortung zu übernehmen, oder gar Fehler einzuräumen.
Was bleibt zu tun? Wehren wir uns mit den Mitteln der Demokratie und zwingen die Verantwortlichen, diesen unsäglichen Missbrauch von korrumpierter Macht zu beenden!