Freitag, 27. September 2013

Gegen die Stille

Ich schreibe
gegen das Vergessen an
und gegen das Verstummen
meiner eigenen Stimme.

Ich schreibe
gegen meine Einsamkeit
in der ich immer wieder
zu versinken drohe
und gegen die Sprachlosigkeit
an der ich zu oft leide.

Denn meine Sprache, meine Stimme
ist das was bleibt,
wenn alles andere
zu entschwinden scheint
und nur die große, dunkele Leere
mir Gesellschaft leistet.

Und oft genug
muss ich dagegen ankämpfen
nicht in völliger Stille
zu versinken...



Mittwoch, 25. September 2013

Zum Schweigen verurteilt?

Ich habe es geahnt und auch gefürchtet: Wir Psychos finden kein Gehör! Mein Pamphlet zum Thema Inklusion hat keinerlei Echo ausgelöst und ist von allen, die es bekommen haben, totgeschwiegen worden.
Woran liegt das? War ich vielleicht zu naiv, als ich dachte, dass ich als Einzelperson Institutionen mit meinen Gedanken zum Nachdenken bringen könnte? War mein Duktus zu polemisch und unausgereift, sodass meine Gedanken und meine Intention nicht zur Geltung gekommen sind? Oder ist es einfach das Desinteresse der Institutionen gegenüber Menschen mit einer psychischen Erkrankung, die sich aus ihrer Sicht gefälligst aus der Politik und dem gesellschaftlichen Engagement rauszuhalten haben?
Auf jeden Fall ist es verletzend und ungeheuer frustrierend, wenn selbst Wohlfahrtsverbände und gemeinnützige Vereine mit dem Schwerpunkt Politische Behindertenarbeit es nicht für nötig erachten, sich mit den Gedanken und Ideen der eigentlich Betroffenen im offenen Dialog auseinanderzusetzen und es statt dessen vorziehen, über diese Menschen zu sprechen und zu urteilen.
Bin ich dazu verurteilt, als Teil einer zum Schweigen verdammten Minderheit tatenlos dabei zuzusehen, wie unsere Bedürfnisse und berechtigten Anliegen einfach ignoriert und beiseite geschoben werden? Sind wir tatsächlich so unbedeutend und für unsere ach so tolerante Gesellschaft so unwichtig, dass man uns eine Stimme und Gehör verweigern kann?
Ich bin mir noch nicht sicher, welche Lehren ich aus diesen fehlenden Reaktionen und der daraus sprechenden Ignoranz zu ziehen habe. Aber ich weiß, dass ich es nicht tatenlos hinnehmen werde!


Dienstag, 17. September 2013

Am Abgrund

Machmal werde ich zum Abgrund getrieben-
werde von ihm magisch angezogen
und kann mich seiner nicht erwehren.

Ich blicke hinab in den schwarzdunklen Strudel
in dem sich Vergangenes und Gegenwärtiges
auf grausame Weise mischen
und Angst und Verzweifelung dampfen empor
und nehmen mir die Sicht.

Dann möchte ich mich aus vollem Herzen
ganz diesem Sog hingeben, ganz hineintauchen
und mich dem Vergessen hingeben.

Nie mehr Gedanken zum Warum und zum Wohin,
nie mehr der üble Geruch der Verzweifelung und des Versagens.
Nur noch vergessenmachende Dunkelheit,
ohne Schuld und Vorwurf.

Und doch zieht mich eine unsichtbare Hand zurück-
sie zwingt meinen Blick zurück ins Leben
und auf das Schöne, Hoffnungsvolle,
das sich dort im Kleinen versteckt hält.

Wider Erwarten fasse ich neuen Mut,
sehe die Sonne wieder, spüre ihre Wärme
und fasse den Entschluss: Weiterleben!

Montag, 16. September 2013

Unsichtbar

Manchmal fühle ich mich wie ein Nichts-
umgeben vom unsichtbaren Panzerglas der Einsamkeit.
Ich schreie voller Wut und Traurigkeit- will gehört werden-
ich hämmere wie wild gegen gegen das Glas
und werde nicht einmal gesehen.

Ich bin unsichtbar
und die Welt hat nicht auf mich gewartet.
Sie nimmt mich nicht wahr
und warum sollte sie auch?

Das was ich zu sagen hätte,
ist es wert, gehört zu werden?
Oder ist es nur das belanglose, unverständliche Gemurmel
eines Vereinsamten?

Sind meine Gedanken zu speziell
und untauglich für die harte Wirklichkeit?
Und habe ich in all den Jahren
zu sehr in meiner eigenen Welt gelebt?

Der Umgang mit anderen Menschen
bereitet mir Schwierigkeiten.
Das ist keine Rechtfertigung oder Entschuldigung
sondern nüchterne Zustandsbeschreibung.

Viele Menschen habe ich vergrault
mit meinem Anderssein,
meinem fehlenden Angepaßtsein.
Also ist es vielleicht besser
Unsichtbar zu sein...






Samstag, 7. September 2013

Wer wir sind

Wir sind die Unsichtbaren, Unauffälligen,
die kaum beachtet, weil nicht interessant,
ihr Dasein fristen.

Wir sind die unauffällig Zornigen,
die unsichtbar Traurigen,
von den meisten ignoriert,
oder sogar im Stillen gefürchtet,
weil wir anders sind.

Wir sind die zornig Unangepassten,
denen ihr einen Platz in eurer Welt,
ihren sicheren Ort verweigert,
weil wir nicht so sind wir ihr
und uns weigern, das Anderssein
aus Bequemlichkeit aufzugeben.

Wir sind die - aus eurer Sicht-
unangepasst Unanständigen,
die ihr beugen, aber nicht brechen könnt
und die sich mit gewissem Stolz
eurer Konformität verweigern.

Wir sind die, die wir sind,
anders, unbequem und isoliert.
Aber wir sind da
und wollen und werden
gehört werden.