Donnerstag, 31. Oktober 2013

Keine Zeit

Es tut mir leid,
aber in diesem Jahr
habe ich keine Zeit
für den Herbstblues.

All die Jahre
hat er mich treu
und verlässlich begleitet;
auch dann, wenn ich nicht wollte.

Aber dieses Jahr
finde ich keinen Raum,
um ihm Zeit zu gewähren.

Also mach's gut.
Vieleicht im nächsten Jahr wieder...

Sonntag, 20. Oktober 2013

Freundschaft...

Wie eine warme, milde Sommernacht-
wohltuend und leicht- legt sie sich
über alle Narben und Verletzungen
aus der Vergangenheit.

Sie umhüllt dich,
engt nicht ein und
richtet dich wieder auf,
wenn du matt am Boden liegst.

Sie ist ein unerklärliches Geschenk
von Mensch zu Mensch
und fragt nicht nach Vergangenem,
sondern lebt im Hier und Jetzt,
im Erkennen und Verstehen.

Sie widerlegt mit einem Lächeln
alle alten, eingebrannten Vorbehalte
des eigenen verzerrten Selbstbildes,
das sich nie als Liebenswert erachtete
und wischt sanft die Angst beiseite.

Es ist ein flüchtiger Moment
der eigenen Vollkommenheit,
ein ungreifbares Erleben von Glück
in einem Augenblick.

Und Worte können es kaum fassen,
dieses kostbare Geschenk des Lebens.
 


Samstag, 19. Oktober 2013

Beziehungs-Weise

Beziehungen- für mich ein fremdes Wunderland
verwoben mit Klischeebehaftetem...
Wieviele Rollen habe ich gespielt,
aus denen ich dann irgendwann
entsetzterleichtert flüchtete?

Mich wirklich einzulassen und hinzugeben,
und das ohne Selbstverlust-
ist nie gelungen und hat
tiefste Spuren hinterlassen.

Und doch sehne ich mich nach dem,
was ich nie wirklich hatte
und schrecke im selben Moment
ahnungsangstvoll davor zurück.

Mich anzunähern heißt volles Risiko
und das Spiel der Gedanken mit dem Ideal
ist soviel ungefährlicher.

Aber die schmerzende, vermissende Leere,
sie lässt sich so nicht füllen...
Und die wirklichen, tiefen Gefühle
verkümmern immer mehr,
denn schließlich sind sie schon zu lange
aus der Übung.


Donnerstag, 10. Oktober 2013

Lobhudelei und Nachdenkliches

Die Texte von Hermann Borgerding inspirieren mich. Er schreibt über seinen Alltag, die Lebensschwierigkeiten, seine Liebe und über alles, was ihn beschäftigt. Das alles ist auf den ersten Blick trivial und strömt doch eine unglaubliche Wärme und Menschlichkeit aus, die mich tief berührt und immer wieder zum Nachdenken bringt.
Wenn ich schreibe, dann vermeide ich die Alltäglichkeiten und die immer wiederkehrenden Routinen meines Lebens- sie erscheinen mir einfach nicht erzählenswert, oder interessant für andere Menschen. Ich möchte niemanden langweilen mit meinen Gedanken und so suche immer nach Themen, die vielleicht auch für andere eine gewisse Relevanz haben könnten und trotzdem meine Themen, meine Inhalte sind. Das ist manchmal ziemlich schwierig und ziemlich weit entfernt von der Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die ich mir wünsche.
Wenn Hermann über sein Leben schreibt, dann klingt das gänzlich unverkrampft und vor allem beseelt von Ehrlichkeit und einer großen inneren Gelassenheit. Seine Texte und Poeme atmen inneren Frieden und Souveränität, so als ob er mit sich und seinem Schicksal im Reinen ist. Und genau da liegt der entscheidende Unterschied zwischen ihm und mir. Mein Leben ist voller innerer Kämpfe, großer Einsamkeit und Unsicherheiten, die sich auch in meinen Texten und Poemen immer wieder finden lassen. Ich bin weit davon entfernt, gelassen zu sein und meinen inneren Frieden gefunden zu haben. Mein Leben lang war und bin ich (manchmal wirklich sehr verzweifelt!) auf der Suche nach meinem Platz und meiner Lebensaufgabe, falls es soetwas überhaupt gibt.
Bei Hermann spüre ich: Er ist angekommen! Und das trotz vieler Kämpfe und Schicksalsschläge, die er in seinem Leben erleiden musste. Und vielleicht bin ich auch ein wenig neidisch auf ihn, sein erfülltes Leben und seine Schreibe. Auf jeden Fall inspiriert er mich, weiter zu machen.

Montag, 7. Oktober 2013

Ein-Bildung

Manche Menschen halten sich
für sehr gebildet, obwohl sie
mit ihrem Nichtwissen
dicke Bücher füllen könnten.

Sie äußern sich ungeniert
zu jedem Thema,
und das gänzlich frei
von jeglicherSubstanz
und unbeleckt von Tiefgang.

Und sie glauben allen Ernstes,
die Welt habe
auf ihre Meinung gewartet
und müsse sich gefälligst
in Demut und Dankbarkeit
vor ihnen und ihrer Weisheit verneigen.

In Wirklichkeit sind diejenigen,
die still und zurückhaltend
am Rande stehen,
oft die Klügeren
und wirklich gebildeten.

Sie wissen um ihre Begrenztheit
und kennen die Lücken in ihrem Wissen.
Und wirkliche Bildung zeigt sich
im Schweigen zum richtigen Moment.