Montag, 17. Februar 2014

Neues Blog über Depressionen

Ich bin durch Zufall auf ein neues Blog gestoßen, das sich auf einzigartige Weise mit dem Thema Depressionen aus Sicht eines Betroffenen beschäftigt.
Daher mache ich hier mal ein bisschen Reklame dafür:

http://blogs.stern.de/dasgegenteilvontraurig/

Samstag, 15. Februar 2014

"Vom Versuch, in der Wahrheit zu leben"

Wahrheit hat in meinem Leben einen großen Stellenwert. Mir geht es dabei um die Authentizität, um Aufrichtigkeit und um das Vermeiden von Lügen.

Als Kind und bis ins Erwachsenenalter hinein war ich ein chronischer Lügner, der seine Unsicherheiten im Bezug auf seine Identität und seinen Lebensweg hinter erfundenen Geschichten und regelrechten Lügenkonstrukten zu verbergen suchte. Das Lügen war Gewohnheit und gleichzeitig schon fast pathologisch, ohne die Möglichkeit, es wirklich bewußt zu steuern; geschweige denn frei zu entscheiden, ob ich aufrichtig bin oder nicht.

Gleichzeitig befand ich mich in einem fortwährenden moralischen Dilemma, denn durch mein Elternhaus, durch meine Erziehung, hatte sich die Vorstellung in mir eingebrannt, dass Lügen nicht nur moralisch, sondern in jedweder Situation absolut verwerflich sei, durch nichts zu entschuldigen, und eine meiner schlimmsten und abstoßensten Charaktereigenschaften. Ohnehin hatte mir meine Mutter zu meinem Auszug von Zuhause mit auf den Weg gegeben, dass ich ein labiler und wenig vertrauenswürdiger Mensch sei, dessen Erfolg im Leben äußerst zweifelhaft sei.

Ich log, um unangenehme Situationen zu vermeiden und ich log, um mich für andere Menschen interessanter und liebenswerter zu machen in der Annahme, dass ich sonst nie die mir zustehende Sympathie und Aufmerksamkeit bekommen würde. Ich fühlte mich außerstande, auf gesunde Weise und nur durch mich selber, Freundschaften zu schließen und mich im sozialen Gefüge einer Gemeinschaft frei und unverkrampft zu entfalten und zu bewegen. Das Erschaffen einer zweiten, "verbesserten" Persönlichkeit erschien mir als der einzige gangbare Weg, im Leben zurecht zu kommen.

Das Dumme bei Lügen ist, dass sie einen irgendwann einholen und dass die Aufdeckung von erfundenen Geschichten für den Verursacher nicht nur unendlich peinlich ist, sondern auch entstandenes Vertrauen grundlegend beschädigt. Auf diese Weise wird die Lüge auch zu selbstschädigendem Verhalten, denn es schafft Einsamkeit und Misstrauen.

Seit dem Ende meiner Ehe, die zumindest teilweise auch durch meine Unaufrichtigkeit zerbrochen ist, versuche ich nun, frei von Lügen zu leben. Aber kein Mensch ist vollkommen, und so schleichen sich immer wieder kleinere Notlügen in den Alltag. Ich habe aber gelernt, dass dies einfach menschlich ist und keine Todsünde, wie es mir durch mein esoterisch geprägtes Elternhaus eingeimpft wurde.

Möglicherweise habe ich auch gelernt zu unterscheiden, wo Aufrichtigkeit unabdingbar ist und wo es legitim ist, von der Wahrheit abzuweichen. Ich muss mich nicht mehr interessanter machen und eine "Zweit-Identität" pflegen, um Beziehungen zu anderen Menschen zu knüpfen.

Aufrichtige Beziehungen sind anstrengender, aber auch authentischer und tiefer; eben verbindlich und nicht auf Schein gegründet. Außerdem ist Ehrlichkeit auch im Umgang mit mir selber etwas, das mich innerlich freier und autonomer werden lässt.

In der Bibel heißt es: "Die Wahrheit wird euch frei machen!" Und auch wenn ich die zugrunde liegende Ideologie dieses Buches ablehne, so ist die Aussage dieses Satzes doch von großer Weisheit geprägt und könnte für alles Zwischenmenschliche zum Leitmotiv werden.





Mittwoch, 12. Februar 2014

Blog, Depressionen und Gedanken

Mir ist durchaus bewusst, dass die Inhalte und Themen meines Blogs sehr speziell und nur für Wenige interessant oder verständlich sind.
Depressionen, Ängste und Selbstzweifel, oder auch Agression und Wut auf die eigenen Lebensumstände in all ihren Facetten beschrieben, sind mit Sicherheit für Viele nur schwer zu ertragen und man darf durchaus die Frage stellen, ob diese Themen überhaupt in einen öffentlich zugänglichen Blog gehören.
Allerdings: würde ich dieses Medium nur zu rein literarischen, oder zu politisch-gesellschaftlichen Statments nutzen, wäre mein Blog nur einer unter unendlich vielen, zum Teil sehr beliebigen Seiten im Internet, über dessen Qualität und Originalität man trefflich streiten könnte.
Vor etwas über einem Jahr habe ich mich bewußt entschieden, meine Erkrankung und meinen Umgang mit ihr in allen Höhen, Tiefen und Ungereimtheiten, öffentlich zu machen und das in der Absicht, interessierte Menschen zum Nachdenken zu bringen. Ich bin oft kontrovers, vielleicht auch schwer erträglich, und manches erscheint mir im Nachhinein wenig gelungen und vor allem sehr unvollkommen im Ausdruck. Aber genau hier spiegeln sich eben auch die Phänomene und Eigenheiten meiner Depressionen und der fehlenden Logik dieser Erkrankung wider.
Als vernunftbegabter Mensch mit gesundem Verstand leide ich genau an dieser Unlogik und der Unberechenbarkeit von Depressionen und psychischen Erkrankungen überhaupt. Denn es ist eine echte Qual, sich bei wachem Verstand hilflos dabei zusehen zu müssen, wie sämtliche Strukturen und alle scheinbaren Sicherheiten im Leben regelmäßig außer Kraft gesetzt werden und ihren Platz für ein unzähmbares, dunkles Chaos räumen, das sich kaum in Worte fassen lässt.
Depression ist ein dumpfes, wut- und angsterfülltes vor sich hin Vegetieren in einem verwirrenden Labyrint, dessen Ausgang sich nicht finden lässt und in dem einem die Kraft fehlt, diesen überhaupt zu suchen. Und Hilfsangebote wirken in diesem Zustand eher bedrohlich, ist man doch seiner Existenz und seiner grundlegenden menschlichen Fähigkeiten nicht mehr sicher.
In so einer Situation hilft es mir manchmal zu versuchen, dieses dunkle Chaos mit geschriebener Sprache, mit einfachen und klaren Worten, ein wenig zu ordnen und mich selber wiederzufinden. Denn Deperession bedeutet auch den zeitweiligen Verlust der eigenen Identität. Man ist buchstäblich verloren und ohne jedes Ziel.
Das alles mag für Außenstehende nur schwer, oder auch garnicht nachvollziehbar sein und sich für den Einen oder Anderen vielleicht auch beängstigend anfühlen. Aber es ist ja die freie Entscheidung jedes Einzelnen, sich damit auseinanderzusetzen. Ich zwinge niemanden, meine Texte, meine Gedichte zu lesen und sich damit auf mich und meine Gedanken einzulassen.
Denjenigen, die mich hier begleiten und die vorherrschende Dunkelheit ertragen, möchte ich Danke sagen!

Sonntag, 9. Februar 2014

Selbsterkenntnis

Manche Erkenntnisse brauchen ihre Zeit und lassen sich nur aus schmerzhaften, länger andauernden Krisen gewinnen.

Zurzeit zieht die Welt an mir vorbei und ich fühle mich zurückgelassen und- ohne theatralisch klingen zu wollen- verdammt einsam. Und eines ist mal sicher: Einsamkeit tut verdammt weh und ist völlig inkompatibel mit Rationalität und Vernunft! Sie bewirkt, dass alles auf den Prüfstand kommt und ich Gefahr laufe, aus purer Verzweifelung alle Brücken im sozialen Gefüge hinter mir abzubrechen. Auf diese Weise wird die Einsamkeit wenigstens zur selbstgewählten Lebenssituation und "passiert" nicht einfach dem Gefühl nach fremdbestimmt.
 
Ich blicke nur auf mich und meine wenig erfüllende, depressive Grundstimmung, und suche die Ursachen statt in meinem Leben im Verhalten und dem mir vorenthaltenen Glück meiner Freunde. So geht das seit Wochen und spitzt sich immer mehr zu. Ich werde zum Misanthropen, zum alternden Sonderling, der an nichts mehr wirklich Freude findet, dessen Gefühlsleben mehr und mehr abstumpft und auf Abwehr ausgerichtet ist.


Ein erfahrener Therapeut würde jetzt wahrscheinlich sagen, dass dies eine zu erwartende, aus der Depression resultierende Reaktion ist, die dem Selbstschutz dient und nur eine zeitlich begrenzte Momentaufnahme ist. Aber diese Momentaufnahmen häufen sich in den letzten Monaten und es fällt mir immer schwerer, ihnen ewas Positives und Kreatives entgegenzusetzen. Das Auf Distanz Halten von mir nahestehenden Menschen und die Misanthropie werden zum Lebensinhalt, zum Selbstläufer.

Es soll Menschen geben, die sich selbst genügen und die mit dem, was sie haben, vollends zufrieden sind. Leider gehöre ich nicht dazu, sondern habe schon immer die wohlwollende und zugewandte Bestätigung Anderer gebraucht wie die Luft zum atmen. Das macht den Umgang und das Miteinander mit mir anstrengend und zur Herausforderung, der auf Dauer niemand wirklich gewachsen ist. Die Ursachen dafür liegen in der Lieblosigkeit meines Elternhauses und dem mangelnden Interesse meiner Eltern an mir als wirklich individuelle Persönlichkeit. Ich habe nie erfahren was es heißt, Bestätigung zu bekommen, oder für Erfolge gelobt zu werden. Das mag für Außenstehende banal klingen, hatte für meine Entwicklung aber gravierende Folgen, die bis zum heutigen Tag andauern. Immer wieder habe ich mich in meinem Leben bis zur Unkenntlichkeit verbogen und angepasst, um anerkannt und geschätzt zu werden. Habe die Maßstäbe an mich und meine Lebensziele so hoch gesteckt, dass das Scheitern unabänderlich war, nur um zu gefallen und den möglichen Erwartungen anderer Menschen zu entsprechen.

Dabei bin ich auf der Strecke geblieben und habe mich nie wirklich wahrgenommen und kennengelernt. Das ist meine erschreckende Bilanz aus 47 Jahren, die ich aber nicht so für die nächsten Jahrzehnte, die mir noch bleiben, übernehmen möchte.

             

                         Kenne mich kaum
                         und Andere
                         sind wichtiger
                         als ich es bin.

                         Kenne sie besser
                         als mich selber
                         und sehe das
                         als Daseinsziel.

                         Möchte gefallen
                         um jeden Preis
                         nicht auffallen
                         mich anpassen
                         und nicht abgrenzen.

                         Bin nicht wichtig
                         kenne keine
                         eigenen Ziele
                         keine Herzenswünsche.

                         Möchte lernen
                         ich zu sein
                         Erfahren
                         was ich will.

                         Nicht länger nur Schatten
                         sondern Individuum sein
                         mit eigenem und
                         mir gemäßem Leben.