Dienstag, 20. Dezember 2016

Familiäre Dysfunktion

Meine beiden Geschwister sprechen nicht miteinander, obwohl sie seit Jahren keine zehn Kilometer voneinander entfernt leben. Soweit ich weiß, hatten sie schon von Kindheit an ein schwieriges Verhältnis zueinander, und ich erinnere mich an häufige Streitgespräche der beiden, als sie noch im Elternhaus gelebt haben.
Sie hätten nicht unterschiedlicher sein können: Meine Schwester war immer die Angepasste und der erklärte Liebling meiner Eltern. Mein Bruder hingegen war der unbequeme und schwierige Rebell, der meine Eltern zur Verzweiflung brachte, und ihre Erwartungen konsequent unterlief. Auch ihre Lebenswege könnten unterschiedlicher nicht sein, und vielleicht ist es einfach so, dass sie sich schlichtweg nichts zu sagen haben.
Als unsere Eltern noch lebten, haben wir uns zweimal im Jahr anlässlich der Geburtstage unserer Eltern getroffen. Und für mich waren diese Geburtstage - trotz meines angespannten und konfliktbelasteten Verhältnisses zu meinen Eltern - immer ein schöner Anlass, meine Geschwister zu sehen und mich mit ihnen auszutauschen. Es war ein kleines Stück "normale Familie" für mich - sehr wohltuend und verbunden mit einem Glücksgefühl.
Seit unsere Eltern gestorben sind, gibt es keinen Anlass mehr für die beiden, sich zu sehen, oder miteinander zu sprechen. Und auch wenn mein Verhältnis zu den beiden sehr unterschiedlich ist, bin ich doch mit beiden im Kontakt - mit meinem Bruder mehr, mit meiner Schwester weniger. Aber beide sind mir wichtig. Sie sind meine Familie und ich leide unter ihrer gegenseitigen Sprachlosigkeit - auch wenn ich die Gründe dafür durchaus verstehen kann.
Für mein Empfinden hat sich die lebenslange Sprachlosigkeit zwischen meinen Eltern, ihre gestörte Kommunikation miteinander und mit uns Kindern, wie ein Spinnennetz über die gesamte Familie ausgebreitet. So habe ich bis heute zu den Söhnen meines Bruders einen zwar sporadischen, aber trotzdem irgendwie herzlichen Kontakt halten können, während die Verbindung zu den Kindern meiner Schwester vollständig abgebrochen ist - was mich zu meiner Verwunderung auch völlig gleichgültig lässt. Und auch am Leben meiner Schwester nehme ich bei weitem nicht so großen Anteil wie an dem meines Bruders, das mich viel tiefer berührt und interessiert.
Und doch belastet mich dieses Ungleichgewicht im Miteinander - insbesondere, dass meine Geschwister nicht miteinander sprechen, sondern mich als ihren "reitenden Boten" auserkoren haben, von dem sie Informationen über das Leben und das Wohlergehen des jeweils Anderen zu erhalten hoffen, wenn ich mit einem der Beiden spreche. Wie gesagt, sie leben nicht weit voneinander entfernt...
Für mich ist es sehr wichtig, mich mitteilen zu können und mit den Menschen im Gespräch zu sein, die mir etwas bedeuten, auch wenn dieses Thema für mich ein sehr schwieriges und vor allem kompliziertes ist - mit unzähligen emotionalen Hemmnissen. Wirklich offene und vor allem ehrliche Kommunikation mit anderen Menschen bereitet mir große Schwierigkeiten - unabhängig davon, wie nahe wir uns stehen. Am leichtesten fällt es mir, mich schriftlich mitzuteilen, weil ich nicht unmittelbar reagieren muss, und mich nicht direkt mit den Gefühlen anderer auseinandersetzen muss, die mich oftmals schlichtweg überfordern.Und gleichzeitig brauche ich den unmittelbaren Kontakt zu meinen Mitmenschen (Freunden und Geschwistern) wie die Luft zum Atmen - ein bisweilen unauflösbares Dilemma. Und darunter leide ich.

Freitag, 16. Dezember 2016

Zum Jahresende

Normaler Weise bin ich gerade in der Advents - und Weihnnachtszeit eher melancholisch bis depressiv unterwegs und denke bevorzugt an all die Dinge, die ich in meinem Leben nicht erreicht habe. Das reicht dann vom Scheitern im Berufsleben bis hin zur missglückten Familiengründung, und regelmäßig quäle ich mich dann selber mit negativen Gedanken und Gefühlen, damit es mir auch ja so richtig scheiße geht.
Dieses Jahr ist das anders: Auch wenn ich an Weihnachten und Silvester alleine sein werde - es macht mir keine Angst. Und seit ein paar Tagen geht mir immer wieder der folgende Satz durch den Kopf: Anstatt mich auf die Dinge zu fokussieren, die ich nicht habe und die für mich auch nicht erreichbar sind, konzentriere ich mich lieber auf das, was ich habe. Und ich versuche, all das Schlechte loszulassen und mit mir selber viel entspannter umzugehen.
Ich stelle fest, dass ich auf dem Weg bin, mit mir selber Frieden zu schließen, und meine Ansprüche an meine Lebenswirklichkeit anzugleichen. Das entspannt mich, und auch wenn nicht alles perfekt ist, geht es mir damit gut! Ich lerne allmählich, die Dinge so zu nehmen, wie sie nun einmal sind und quäle mich nicht länger mit den Gedanken daran, wie mein Leben womöglich verlaufen wäre, wenn ich mich nur mehr angestrengt hätte... Es ist gut so, wie es ist!

Mittwoch, 30. November 2016

Wider die Ideologie

Normaler Weise beteilige ich mich nicht an politischen Diskussionen, weil sie in der Regel nicht sachlich geführt werden, sondern von der jeweiligen Ideologie beherrscht werden. Und damit einher geht leider auch die Unfähigkeit der Diskutanten, sich unvoreingenommen mit den Meinungen Andersdenkender auseinanderzusetzen - vor allem dann, wenn sie nicht in das wiederum sehr ideologisch eingefärbte Weltbild passen.
Leider sind es immer wieder vor allem"Altlinke", die sich offensichtlich per se für die besseren Menschen halten - mit umfassendem und dem einzig richtigen Weitblick auf die Weltgeschehnisse und hoher moralischer Überlegenheit gegenüber den Normalsterblichen, wie ich es einer bin. Und jeder kritische Kommentar gegen eine der Ikonen der Linken wird sofort auf's Schärfste geahndet.
Anlässlich des Todes von Fidel Castro gab es in den sozialen Netzwerken eine Fülle von Nachrufen, die völlig unkritisch seine politischen Visionen gewürdigt, und dabei außer Acht gelassen haben, dass Castro von Dingen wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit nicht allzu viel gehalten hat - wie jeder andere Diktator auch. Ich habe mir die Freiheit genommen, ihn als das zu bezeichnen, was er war: Nämlich ein altstalinistischer Diktator inklusive ausgeprägtem Personenkult, so wie er heute nur noch bei wenigen Diktatoren zu finden ist - beispielweise in Nordkorea.
Offensichtlich habe ich damit ein Sakrileg begangen, denn anscheinend sind für mich elementare Grundrechte wie die oben genannten durchaus zu vernachlässigen, wenn sie von linken Ikonen als unwichtig erachtet werden. Ich wurde auf's Heftigste darauf hingewiesen, dass in Kuba schließlich eine gute Gesundheitsversorgung bestanden habe, und dass das eigentliche Grundrecht auf Leben schließlich auch durch die europäischen Staaten in der Flüchtlinskrise mit Füßen getreten worden sei. Das stimmt natürlich, und ist ebenso scharf zu kritisieren - wie vieles andere auch. Auch hier gibt es Dinge, die verbesserungswürdig sind, leben Menschen in unwürdiger Armut, gibt es immer wieder Ungerechtigkeiten.
Aber sind gezielte Menschenrechtsverletzungen durch ein politisches System, das nur den eigenen Machterhalt im Blick hat, und das sich vor kritischen Bürgern fürchtet, und danach trachtet, diese mundtot zu machen tatsächlich das Gleiche, wie die Systemfehler einer eigentlich funktionierenden, wirklichen Demokratie?
Ich bin froh darum in einem System zu leben, ich dem ich unbeschadet sagen und schreiben darf, was ich denke. In dem ich die Regierenden kritisieren darf, ohne befürchten zu müssen, dafür sanktioniert zu werden. In dem Meinungsvielfalt herrscht, und wo selbst Extremisten das sagen dürfen, was sie wollen. Für mich ist das alles nicht verhandelbar, und schon garnicht relativierbar - so, wie es offensichtlich für viele Altlinke ist, wenn es um die Bewahrung und Reinhaltung ihrer Ideologie geht. Ich finde das äußerst zynisch und sehr unbedacht! Und vielleicht sollten die linken Idealisten eines bedenken: Hättet ihr in einem "sozialistischen" Staat gelebt und versucht, wegen eurer Unzufriedenheit das Land zu verlassen, wäret ihr mit ziemlicher Sicherheit dafür verfolgt, gequält und eingesperrt worden. Oder an der Grenze erschossen worden! Denkt mal drüber nach...

Montag, 14. November 2016

Frieden schließen

Zu gerne möchte ich
mit mir in Frieden leben.
Nicht länger ständig
im Streit mit mir sein
und mit meinem Schicksal hadern.

Ich möchte nicht länger
mit meinem Scheitern
meinem Versagen
konfrontiert sein
und mein Leben
nach Erwartungen
und Wünschen
und Hoffnungen ausrichten
von denen ich weiß
dass ich sie nie werde erfüllen können
und die mich trotzdem
immer wieder einholen.

Ich möchte frei sein
und mich Dingen widmen
die ich beherrschen kann
und nicht solchen
von denen ich beherrscht werde
und die mich quälen
mich lähmen
und mich immer wieder
in den Abgrund ziehen.

Und immer wieder
verzweifle ich
an meinem Unvermögen
mich zu lösen
und mich so anzunehmen
wie ich bin.

Das alles macht mich
so unendlich müde
und traurig
und lässt mich verzweifeln
an mir
und an meinem
so sinnlosen Leben
das mir schon lange
entglitten ist.

Ich möchte Frieden schließen
mit mir und der Welt
die ich nie verstanden habe
so wenig
wie sie mich verstanden hat.


Mittwoch, 9. November 2016

Prinzip Hoffnung?

Morgen habe ich mal wieder ein Vorstellungsgespräch. Das stimmt mich einerseits ein wenig optimistisch - vor allem nach meinem Absturz in die Depression und der damit verbundenen abgrundtiefen Hoffnungs -und Perspektivlosigkeit der letzten Wochen. Aber andererseits weiß ich nicht, ob ich einem neuen Job momentan überhaupt gewachsen bin, und ob ich mit einer möglichen neuen Beschäftigung nicht vor meinen Problemen weglaufe - sie mal wieder verdränge.
So befinde ich mich in einem Dilemma: Wieder arbeiten zu können, ist ein möglicher Weg, die Depression und meine Lethargie zu durchbrechen und wieder ein Stück Normalität und vor allem Struktur in mein Leben zu bringen. Das wird mir guttun. Aber was geschieht, wenn ich dem allem nicht gewachsen bin und wieder scheitere?
In den letzten zwei Jahren bin ich mehrfach bei dem Versuch, im Arbeitsleben wieder fußzufassen, kläglich gescheitert. Und die Ursachen dafür liegen in meiner Erkrankung begründet. Es ist meine fehlende Belastbarkeit in Stresssituationen und es ist ebenso meine Verletzbarkeit, wenn ich kritisiert werde. Beides verschwindet nicht einfach so - genauso wenig wie meine Neigung, Schwierigkeiten bewusst kleinzureden und zu verharmlosen - aus dem verzweifelten Wunsch nach Normalität und Bestätigung heraus.
Die letzten Wochen waren die Hölle für mich. Und das nicht nur wegen der Düsternis in meiner Seele, sondern auch, weil mir meine Schwächen und die Schwere meiner Erkrankung überaus deutlich geworden sind. Ich bin eben nicht "normal" und es tut mir in der Seele weh, das anerkennen zu müssen. Natürlich weiß ich, dass ich auch über Stärken und Begabungen verfüge - genauso, dass es Menschen gibt, die mich tatsächlich mögen und wertschätzen - meiner Verwunderung darüber zum Trotz. Und mein Leben lang habe ich verzweifelt nach Anerkennung und Zugehörigkeit gesucht - gerade bei der Arbeit, denn da geht es nicht um persönliche Bindung, sondern es beschränkt sich auf eine rein sachliche Ebene. Und die kann ich wesentlich leichter beherrschen, als das Persönliche.
Emotionale Bindungen fordern und über-fordern mich bisweilen. Ich fühle mich unsicher und gehemmt, wenn ich mich auf menschliche Nähe einlasse. Und gleichzeitig gibt es nichts, was ich mir mehr wünsche - es ist eben ein Dilemma.
Aber vielleicht bekomme ich ja eine neue Chance. Und vielleicht gelingt es mir diese Mal, diese Chance auch zu nutzen - nicht zuletzt, weil ich diese dunkle Zeit endgültig hinter mir lassen möchte und wieder am Leben teilhaben will.

Sonntag, 6. November 2016

Sprachlosigkeit

Inmitten meiner Depression verliere ich auch meine Sprache. Nicht im wortwörtlichen Sinn, denn natürlich kann ich auch jetzt schreiben und sprechen. Aber die richtigen Worte zu finden, fällt mir zunehmend schwer - genauso, wie mich gegenüber mir nahestehenden Menschen zu öffnen - ohne mich zu sehr ins Allgemeine und zunehmend Abstrakte zu flüchten. Ich erwische mich immer häufiger dabei, wie ich Wort an Wort setze, ohne wirklich etwas von mir preiszugeben und leide darunter, fühle mich schlecht deswegen, und schäme mich meiner Hilflosigkeit und meiner Unfähigkeit, mich mitzuteilen. Gleichzeitig befinde ich mich in einem moralischen Konflikt: Ich habe das Gefühl, gegenüber den anderen nicht aufrichtig zu sein und ihnen etwas zu verschweigen - entgegen meinem Bestreben nach Aufrichtigkeit und meinem Bemühen um Authentizität, denen ich aber nicht im Enferntesten gerecht werden kann und die für mein Empfinden schon beinahe etwas Zwanghaftes haben.

Warum ist das so, wo doch Sprache mein Medium ist, meine Verbindung zu anderen Menschen? Ich habe einfach Angst davor, mich zu offenbaren und etwas von mir zu zeigen, das mich angreifbar macht und mich der Lächerlichkeit preisgeben könnte. Diese Angst ist wirklich groß, denn zu oft musste ich die Erfahrung machen, dass meine Nöte für andere Menschen keine Rolle gespielt haben, verharmlost und gründlich missverstanden wurden. Und immer wieder gab ich auch mir die Schuld dafür, denn schließlich hatte ich diese zutiefst verletzenden Reaktionen meiner Mitmenschen meinem eigenen Unvermögen, meiner Andersartigkeit und offensichtlichen Unscheinbarkeit zugeschrieben. Zu selten wurde ich wirklich wahrgenommen, und  dieses Gefühl hat sich tief in meine Seele eingefressen. So tief, dass es immer wieder zum Vorschein kommt, wenn es mir wirklich schlecht geht - so wie jetzt.

Und scheinbar ist diese Situation ein unlösbares Paradoxon: Denn auf der einen Seite sehne ich mich nach Aufmerksamkeit, Mitgefühl und Zuwendung, nur um im nächsten Augenblick davor zurückzuschrecken - aus Angst vor seelischer Misshandlung und Zurückweisung. Und dieser innere Konflikt lässt mich jedes Mal innerlich erstarren und um Worte ringen. So flüchte ich mich ins Abstrakte, mache mich unangreifbar und verfluche mich im gleichen Augenblick dafür, dass ich die Chance, mich zu offenbaren und zu überwinden nur allzu selten zu nutzen vermag.

Selbst das Schreiben kostet mich große Überwindung. Auch wenn ich weiß, dass ich gelesen werde und vielleicht der (die) Eine oder Andere mich sogar versteht. Wobei: Wenn schon ich mich selber kaum verstehe, wie sollen es andere Menschen dann? Ich bin mir selber ein Rätsel und verstehe mich - wenn überhaupt - nur auf einer sehr abstrakten und eher unpersönlichen Ebene. Alles wirklich Persönliche - meine Erlebnisse, Erfahrungen - sind nicht wirklich ein Teil von mir, sondern fühlen sich an, als habe sie ein Fremder durchlebt und auch durchlitten - aber nicht ich selber. Und vielleicht spiegelt sich dieses Phänomen auch in meiner Ausdrucksweise wider. Nur ganz selten gelingt es mir, Erlebtes tatsächlich unmittelbar zu spüren und werde dann von meinen Gefühlen überwältigt - bin sprachlos und ringe im wahrsten Sinn des Wortes darum, die passenden Worte zu finden. So wie jetzt auch.





Freitag, 28. Oktober 2016

Glücksmomente

Manchmal überrasche ich mich selber: Wie kann es sein, dass ich trotz meiner eher depressiven Stimmung und momentaner, weitgehender gefühlter Handlungsunfähigkeit ein Empfinden für Glück habe?
Eigentlich bin ich es gewohnt, dass Depression und Glücksempfinden sich ziemlich kategorisch gegenseitig ausschließen, und, dass inmitten meiner trüben Gedanken kein Platz für das Empfinden von Schönem vorhanden ist. Und doch habe ich im Laufe dieser Woche einige wirklich schöne und nachhaltige Erlebnisse gehabt, denen es wider jedes Erwarten gelungen ist, den dicken Panzer aus Wehmut, Traurigkeit und Resignation zu durchdringen, und meine Seele zu erwärmen.
Es waren Freunde und Geschwister, denen diese Unmöglichkeit gelungen ist und es waren die Menschen aus meiner Therapiegruppe, denen ich mein Vertrauen geschenkt habe, und von ihnen mit Verständnis und Anteilnahme belohnt wurde. Und mit für mich wichtigen Erkenntnissen dazu, warum ich so bin, wie ich bin.
Ich glaube, dass bestimmte Entwicklungen zum Positiven hin unmerklich vonstatten gehen - so unmerklich, dass ich sie selber nur mit Verzögerung wahrnehmen kann,  und auch nur dann, wenn ich ganz genau hinsehe. Denn eigentlich bin ich viel zu sehr auf all das Schlimme fixiert und in meinen Erfahrungen ausgerichtet, das mir im Laufe meines Lebens widerfahren ist. So sehr, dass ich an Schönes und an Glücksmomente nicht einmal wirklich zu glauben vermag. Umso schöner ist es, am eigenen Leib zu spüren, dass es auch für mich schöne und bedeutsame Momente gibt, und ich sie wahrzunehmen und sogar zu genießen vermag.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Therapie - Erlebnisse

Psychotherapie ist eine langwierige und kräftezehrende Angelegenheit. Und immer wieder gibt es - mal kürzere, mal längere - Phasen des scheinbaren Stillstandes, in denen ich eher gefühlte Rückschritte als greifbare, erlebbare Fortschritte erlebe. Das ist frustrierend, und ich beginne immer wieder am Sinn und am grundsätzlichen Erfolg der Therapie zu zweifeln.
Was für mich eine zusätzliche Erschwernis ist: Es ist eine Gruppentherapie. Und mich in einer Gruppe von Menschen wirklich zu öffnen, meine tiefsten Ängste und Unsicherheiten zu offenbaren - das fällt mir unheimlich schwer und kostet mich immer wieder viel Überwindung. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass es mir meistens nur sehr unzureichend gelingt. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich (zu) große Angst vor den Reaktionen der anderen Gruppenmitglieder verspüre, wenn ich etwas von mir preisgebe und, dass ich meine Anliegen nicht wirklich vermitteln kann. Das hemmt und verleitet mich immer wieder dazu, nur wenig und eher Allgemeines zu äußern - auch aus Furcht davor, verletzt und zurückgewiesen zu werden und statt Verständnis und Anteilnahme zu erfahren, wie früher auf Ignoranz, Unverständnis oder Gleichgültigkeit zu stoßen. Und ich fürchte mich davor, für das, was ich denke und fühle, kritisiert zu werden, weil ich meine Gedanken und Gefühle zeitweise als schräg und unangemessen empfinde, und fest davon überzeugt bin, den anderen müsse es damit genauso ergehen.
All diese Hemnisse machen für mich nachhaltige und vor allem spür- und erlebbare Erfolge sehr selten, dafür aber umso kostbarer. Unmissverständlich zu spüren, dass endlich "ein Knoten platzt", ich mich wirklich öffnen und anvertrauen kann, und Anteilnahme, Mitgefühl erfahre, und der innere Druck einfach zu groß geworden ist, um ihn zu ignorieren - ist ein immens befreiendes und anhaltendes Gefühl. Und genauso kostbar ist es, wieder eine Erkenntnis gewonnen zu haben und Zusammenhänge entdeckt zu haben, die mir vorher nicht bewusst waren. Aber ich weiß auch: Es ist noch ein weiter Weg.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Freundschaften

Es ist toll, gute Freunde zu haben. Das gilt ganz besonders, wenn es einem nicht gut geht, und man das Gefühl hat, nichts wert zu sein und sich dafür zutiefst schämt, als Mensch nur unzureichend zu funktionieren.
Freunden ist das offensichtlich egal. Sie sehen einen in einem völlig anderen Licht - sehen nur die guten Seiten, die man selber völlig verdrängt hat, und die man selber in der Depression nicht zu sehen vermag, und die gegenüber all dem Schlechten nur unwesentlich und unbedeutend erscheinen.
Aber selbst in der tiefsten Depression dringt die menschliche Wärme, die Anteilnahme tröstend durch die dicke Schicht aus Selbsthass und die Ignoranz alles Guten. Und man spürt, dass es allen Widrigkeiten zum Trotz doch Menschen gibt, für die nur zählt, dass sie einen aufrichtig und ohne Vorbedingung mögen und schätzen. Das ist unfassbar beglückend, und trotz der Tatsache, dass es nicht die erste derartige Erfahrung ist, jedes Mal erstaunlich. Und es hilft mir jedes Mal dabei, die Dunkelheit Stück für Stück hinter mir zu lassen, neuen Mut zu fassen, um mich meinem Leben wieder zu stellen und nach Vorne zu schauen. DANKE!

Sonntag, 23. Oktober 2016

Schmerzhafte Erkenntnisse

Früher hat mich meine Krankheit immer wieder für längere Zeit gänzlich verstummen lassen. Ich hatte einfach keine Worte mehr für das, was in mir vorging - verbunden mit dem Gefühl, mich ohnehin nicht verständlich machen zu können, und dass Sprache nicht ausreicht, um die Vorgänge in meinem Innersten zu beschreiben. Es war und ist immer eine unheilvolle Mischung aus Resignation, dem Empfinden von abgrundtiefer Einsamkeit und der fatalen Gewissheit, ohnehin kein Gehör zu finden.
Dabei ist mir durchaus bewusst, dass diese üble Melange nur in meinem Kopf existiert und sich aus sich selber ernährt. Trotzdem erscheint sie mir äußerst real, und findet ihre scheinbare Bestätigung durch meine reflexhafte Ablehnung von Zuwendung und Anteilnahme. Allerdings ist diese Ablehnung gleichzeitig auch ein Schutzmechanismus, der mich vor Vorwürfen, Verharmlosung und weiteren Verletzungen bewahrt. Denn nicht jeder Mensch geht verständnisvoll mit mir um, sondern ich habe in meinem Leben ganz real immer wieder Unverständnis, Ablehnung und Ignoranz erfahren müssen. Und diese Erfahrungen sitzen tief. Sehr tief.
Meine Erkrankung hat mich zu einem äußerst empfindsamen, verletzlichen und ängstlichen Menschen werden lassen, dessen Vertrauen zu anderen Menschen nur sehr rudimentär und in untrennbarer Abhängigkeit von der eigenen Verfassung vorhanden ist. Das macht den Umgang mit mir leider äußerst schwierig und unberechenbar. Und es ist eine Ironie des Schicksals, dass ich zwar mit den Eigenheiten anderer Menschen gut umzugehen vermag - mit Verständnis und Toleranz gegenüber ihren Schwächen und Macken, aber mir selber gegenüber sehr unnachgiebig und streng bin. Meine eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten stören, verunsichern und frustrieren mich, und ich möchte sie meiner Umgebung weder zeigen noch zumuten - auch aus Angst, fallengelassen und zurückgewiesen zu werden.
Ich verstehe mich selber nicht, bin mir ein Rätsel. Und das, obwohl ich mich sehr intensiv mit den Ursachen und Auswirkungen meiner Erkrankung beschäftigt und auseinandergesetzt habe. Auf einer eher abstrakten Ebene erscheint mir alles schlüssig zu sein - aber es erreicht und berührt mich eben nicht wirklich. Es ist zwar ein untrennbarer Teil von mir, meiner Entwicklung, aber eben auch irgendwie nicht - wie ein Puzzle, dessen Bild ich zwar verschwommen vor mir sehe, es aber nicht zusammensetzen kann, weil wichtige Teile nicht zu finden sind, oder nicht hineinzupassen scheinen. Und das alles lässt mich verzweifeln und macht mich sehr traurig - nicht abstrakt, sondern sehr konkret. Und es trennt mich von mir selber und von anderen Menschen - macht mich zu Außenseiter gegen meinen Willen.
Wie gerne wäre ich Teil einer Gemeinschaft - eingebunden in etwas Sinnvolles, das mich trägt und mich meine seelischen Qualen vergessen lässt. Ich möchte endlich Frieden mit mir und meinem chaotischen Leben schließen können und: einfach leben!






Donnerstag, 20. Oktober 2016

Gruß aus der Depression

Inmitten einer depressiven Phase zu schreiben, mich überhaupt mitzuteilen, kosten mich immens viel Kraft und Überwindung. Auch wenn ich durchaus das Bedürfnis habe, zu reden, oder zu schreiben: Jeder Gedanke, jeder Satz erscheint mir so, als sei er schon tausende Male gesagt oder geschrieben worden und bis zum Erbrechen abgenutzt. Das, und meine große Verletzlichkeit machen es mir sehr schwer, in der Depression mit meiner Umgebung überhaupt in Kontakt zu treten - auch aus Angst, nicht verstanden und nicht ernst genommen zu werden.
Und was soll ich schreiben? Dass es mir beschissen geht? Oder, dass ich mich komplett nutz - und wertlos fühle? Zu nichts zu gebrauchen und ängstlich und extrem verletzlich?
Tatsache ist, dass mir zur Zeit mein Lebenssinn vollständig abhanden gekommen ist und, dass mein Alltag auf die zum reinen Überleben notwendigen Rituale wie schlafen, essen und kacken reduziert ist. Und Fernsehen, um nicht zu sehr ins Grübeln zu kommen. Das alles denkt, und vor allem schreibt sich nicht gerade gerne. Denn trotz Depression kämpfe ich um Inhalte, um eine sinnvolle Lebensstruktur und um meinen Anspruch an mich selber. Und mir eingestehen zu müssen, dass für mehr als die bloße Existenz zur Zeit meine Kraft nicht reicht - dafür schäme ich mich jedes Mal. Und ich rechtfertige mich vor mir selber in einem ständig wiederkehrenden, ermüdenden und altbekannten Ritual - wenig kreativ und kräftezehrend dazu.
Das alles macht keinen Spaß und erscheint mir eigentlich auch nicht besonders mitteilenswert. Und trotzdem teile ich mich gerade mit - um nicht vollens zu verstummen und den dünnen Faden zwischen mir und der Welt nicht endgültig reißen zu lassen. Und vielleicht gibt es ja da draußen jemanden, der mit diesem depressiven Geschreibsel etwas anzufangen vermag...


Samstag, 8. Oktober 2016

Wunsch und Wirklichkeit

Für mich gibt es kaum etwas schwierigeres, als mich von Träumen und Wünschen verabschieden zu müssen, und mich damit abzufinden, tatsächlich meinen Einschränkungen unterworfen zu sein. Für einen kurzen Zeitraum habe ich geglaubt, fast alles schaffen zu können, was ich mir vornehme, und dass meine Erkrankung in ihren unmittelbaren Auswirkungen tatsächlich mit sich handeln lassen würde.
Betont optimistisch habe ich in den letzten Monaten immer wieder versucht, Schwierigkeiten im Job, oder im Zwischenmenschlichen kleinzureden - sie als möglichst "normal" zu beschreiben - um ihnen ihre innewohnende Bedrohlichkeit zu nehmen. So etwas nennt man "Pfeifen im Wald". Und mich dabei ertappt zu haben, und jetzt mit den Konsequenzen konfrontiert zu sein, tut nicht nur unendlich weh, sondern ist auch in den Auswirkungen auf mein weiteres Leben überhaupt nicht abzusehen.
Ich habe starke Zukunftsangst! Denn einfach so weiter zu machen wie bisher, als sei nichts geschehen, wird nicht funktionieren. Dafür sitzen Angst und Enttäuschung, und die bittere Gewissheit, "normalen" Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein, viel zu tief.
In meinem Kopf formieren sich flüchtige Pläne, und zerplatzen wieder an der Realität, in der ich momentan nicht einmal meinen Alltag auf die Reihe bekomme. Statt dessen befinde ich mich in einer veritablen Depression, bin verunsichert, aggressiv, kritikunfähig und unendlich müde. Und ich bin es einfach leid, immer wieder die gleichen abgedroschenen Vorschläge zu hören, die mir schon vor Jahren Magenschmerzen bereitet haben, und die auch - im Gegensatz zu altem Wein - mit zunehmendem Alter eben nicht besser werden, und auch durch Wiederholung nicht an Qualität und Passgenauigkeit gewinnen.
Ich muss feststellen, dass ich auf mich zurückgeworfen bin und, dass Mitgefühl und Anteilnahme zwar durchaus wohltuend sind, aber an meiner Situation nichts ändern und meine Begrenztheit, meine gefühlten Unfähigkeiten eher noch untermauern -  und wenn überhaupt - nur sehr geringfügig abmildern.
So viel für heute.

Mittwoch, 28. September 2016

Auf der Suche nach neuen Wegen

Nach meinem letzten und leider vergeblichen Versuch, noch einmal in der "normalen" Arbeitswelt Fuß zu fassen, ist es vielleicht Zeit für etwas Neues. Anstatt mich in meinen Entscheidungen und Überlegungen ausschließlich von Enttäuschung, Verletztheit und meinem angeknacksten Selbstbild leiten zu lassen, möchte ich mich auf das besinnen, was ich kann, mir große Freude bereitet und mich über Monate hinweg begleitet und mir Kraft, Sinnhaftigkeit und Substanz gegeben hat: das Schreiben. Aber offen gestanden habe ich zur Zeit keinen wirklichen Plan, wie es weitergehen soll. Denn vom Schreiben allein kann ich nicht leben. Und mich wieder einmal auf die Suche nach einem zu mir passenden Job zu begeben - verbunden mit einem ziemlich heftigen Gefühlsmischmasch aus Versagensängsten, (vielleicht unrealistischen) Hoffnungen und massiven Existenzängsten - scheint derzeit keine Option zu sein, denn noch sind das letzte Scheitern und das damit eng verknüpfte Gefühl, den Anforderungen eines "normalen Jobs" nicht mehr gewachsen zu sein, einfach viel zu gegenwärtig und zu stark.
Eines ist mir bei meinen letzten Tätigkeiten innerhalb der letzte zwei Jahre aber überaus deutlich geworden: Arbeit darf für mich nicht zum Selbstzweck werden! Und in dem Moment, wo ich von der Arbeit so sehr gefordert bin, dass selbst nach Feierabend und am Wochenende keine Kraft mehr übrig ist, um die Früchte der Arbeit (den Lohn) zu genießen, geschieht genau das: Ich arbeite um des Arbeitens willen, und, um mir meine Arbeitsfähigkeit und Zugehörigkeit zur "Welt da draußen" schon fast zwanghaft selber zu beweisen. Aber nicht, um meinem Leben mehr Qualität zu veleihen, und mich frei von inneren und äußeren Zwängen einzubringen.
Lebensqualität bemisst sich für mich danach, wie selbstbestimmt und nach meinen innersten Bedürfnissen und Stärken ich mein Leben gestalten kann - frei von Zwängen oder Anforderungen, die mich überfordern, oder sogar meine Erkrankung wieder sichtbar und spürbar werden lassen. Leider ist die Ausrichtung des eigenen Lebens nach diesen für mich so wichtigen Kriterien äußerst mies bezahlt, denn in diesem Fall bleiben mir nur meine kleine Rente und die Grundsicherung durch das Sozialamt. Das sichert meine blanke Existenz, aber Lebensfreude und Teilhabe am sozialen Leben sind in diesem Budget nicht vorgesehen.
Was also ist zu tun? Natürlich ist die Arbeit an neuen Projekten nicht ausschließlich davon abhängig, wieviel Geld ich im Monat zur Verfügung habe. Über die Jahre habe ich schließlich gelernt, mich einzuschränken und mit sehr wenig Geld auszukommen. Aber es ist eben nur ein Existieren, und manchmal auch ein Bangen, ob das Budget wirklich bis zum Monatsende reicht. Und das ist sowohl belastend, als auch nach meiner Überzeugung menschenunwürdig!
Vielleicht hat ja jemand von Euch eine wirklich zündende Idee, auf welche Weise ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann, wo ich meine Stärken, mein Können, meine Erfahrung einbringen kann, ohne mich dabei wieder zu verlieren und zu überfordern?

Dienstag, 27. September 2016

Enttäuschung

Ich könnte jetzt schreiben: ich bin wieder mal gescheitert. Könnte meinem Unvermögen, meiner Begrenztheit, oder dem Unverständnis meines Chefs die Schuld daran geben, dass ich den Anforderungen des Jobs nicht gewachsen war. Und im Moment tut es tatsächlich weh. Ich bin traurig, wütend (auf mich selber), schäme mich und würde mich am liebsten im tiefsten Loch verkriechen.
Feststellen müssen, den Anforderungen des Arbeitslebens nicht mehr gewachsen zu sein; vermittelt zu bekommen, dass einem zu erledigende Aufgaben nicht mehr zugetraut werden - nicht einmal im Rahmen eines Minijobs - keinen Stress mehr aushalten zu können, zu dünnhäutig zu sein - ist eine wirklich bittere Erkenntnis!
Und wieder kreisen die altbekannten Gedanken durch meinen Kopf: Ich hätte mich mehr anstrengen müssen, hätte mich in der letzten Woche nicht krankschreiben lassen dürfen, es einfach noch mehr versuchen müssen... Tatsächlich habe ich alles gegeben was ich hatte, um meinen Job gut zu machen, mich einzuarbeiten, mich einzugewöhnen. Es hat nur nicht gereicht. Und mir einzugestehen, dass die Arbeitswelt vermutlich nicht mehr meine Welt ist, dass ich einfach zu kaputt, zu wenig belastbar bin, fällt mir nicht leicht. Zu gerne hätte ich mir und "der Welt da draussen" das Gegenteil bewiesen. Zu gerne hätte ich die Bestätigung gehabt, dass ich zumindest im kleinen Rahmen noch arbeitsfähig bin. Aber ich bin es nicht, und wirklich begreifen kann ich es nicht. Jedenfalls nicht jetzt.
Aber ich weiß, dass ich für mich, für mein Wohlbefinden, eine Aufgabe brauche. Etwas, dass meinem Leben Sinn und Struktur und Zufriedenheit verleiht. Und wahrscheinlich wird es das Schreiben sein. Denn Ideen und erste Entwürfe gibt es genug. Und Zeit habe ich ja jetzt auch wieder reichlich, um mich ihnen zu widmen. Nur an Kraft fehlt es im Moment. Aber sie wird wiederkommen.





Sonntag, 11. September 2016

Abwägen

Dass mein neuer Job mich vor Herausforderungen stellen würde, war mir auf einer eher abstrakten Ebene von vornherein bewusst. Nicht bewusst war mir hingegen die Fülle von Neuem, mit dem ich mich tagtäglich auseinanderzusetzen habe, und die mich bisweilen an meine Grenzen bringt, sodass selbst meine Freizeit momentan durch den Job dominiert wird, und ich nicht abschalten kann.
Fehler zu machen gehört ebenfalls dazu, wenn man sich in neue Themen einarbeitet, aber peinlich wird es, wenn es eigentlich vermeidbare Fehler sind, für die man selber keine Erklärung hat, und die einen an der Eignung für die Tätigkeit grundlegend zweifeln lassen.
In den vergangenen Monaten habe ich mir wieder mehr Normalität gewünscht und die Chance, wieder arbeiten und ein wenig Geld verdienen zu können. Seit knapp einem Monat habe ich nun beides und merke, wie ungewohnt und schwierig beides ist. Täglich meldet sich mein altbekannter Fluchtreflex, und ich ringe mit mir um Aufgabe oder Weitermachen. Einfach aufzugeben und mich wieder in Altbekanntes zu flüchten, wäre der einfache und bequeme Weg. Und es wäre eine willkommene Bestätigung dafür, dem "Leben das draussen" nicht mehr gewachsen zu sein. Das ist momentan ungemein verlockend. Aber andererseits sind der Job und die mich dort erwartenden Aufgaben wirklich interessant und mehr, als ich mit meiner Erwerbsbiografie jemals erwarten konnte. Gleichzeitig bleibt es ein äußerst schmaler Grad zwischen positiver Herausforderung, die mich weiterbringen kann, und Selbstüberschätzung, die mich gegenüber meinen Einschränkungen blind zu machen droht, weil das Bestehen der Herausforderung zum nahezu einzigen Lebensinhalt werden könnte.
Vielleicht ist es tatsächlich "nur" eine Frage der allmählichen Gewöhnung an das Neue, für die ich mehr Zeit benötige als andere. Darauf setze ich in der Hoffnung, dass es sich für mich eben doch auszahlt, und mein Leben um neue Facetten und Erfahrungen bereichern möge, aus denen ich lernen kann und die mir dabei helfen, alte Verhaltensmuster zu überwinden und dauerhaft hinter mir zu lassen. Zumindest weiß ich, warum ich zur Zeit so erschöpft und müde bin: Es gibt einen nachvollziehbaren und konkreten Grund - ich arbeite!

Freitag, 2. September 2016

Grenzerfahrungen

Nachdem ich in den letzten Jahren vorwiegend damit befasst war, mich mit meiner Erkrankung auseinanderzusetzen, und ein sehr begrenztes, recht eintöniges Leben geführt habe - mit nur wenigen Kontakten zur Außenwelt - stehe ich jetzt vor einer großen, aber selbst gewählten Aufgabe: Das Gelernte im Alltag auf seine Tauglichkeit zu verifizieren und praktisch zu erproben.
Ich habe mich intensiv mit meinen Schwächen und Begrenzungen auseinandergesetzt, und auch damit, was wichtig ist, damit es mir gut geht. Denn meine Kräfte sind limitiert, und meine Belastbarkeit stößt oft an ihre Grenzen. Ich habe gelernt, damit zu leben und die Situation, so wie sie ist, zu akzeptieren. Diejenigen Menschen, die mit mir vertraut sind, können damit umgehen, und benötigen keinerlei Erklärungen und Rechtfertigungen von mir, wenn ich nicht so "funktioniere" wie es ein vermeintlich gesunder Mensch tut. Aber die Menschen, die ich jetzt neu kennenlerne - sei es privat, oder durch den Job - wissen das alles nicht, und bei ihnen kann ich Toleranz und Verständnis nicht stillschweigend voraussetzen. Also muss ich für mich herausfinden, in welchem Maß ich mich ihnen anvertraue, mich ihnen gegenüber öffne, oder in wie weit ich mich beherrschen lernen muss, um sie nicht zu überfordern. Für mich ist das ein sehr schmaler Grad, auf dem ich mich da bewege - ohne jeden Erfahrungswert.
Die Interaktion mit mir unbekannten Menschen war schon immer eine Herausforderung für mich - verbunden mit vielen Unsicherheiten und Ängsten. Früher konnte ich mich hinter Lügen und gut sitzende Masken verstecken, wenn es unbehaglich wurde. Heute möchte ich das nicht mehr - zu sehr hat es mir und anderen geschadet. Also geht es jetzt darum zu lernen, einerseits authentisch zu sein, aber andereseits meinen Einschränkungen und mir genügend Aufmerksamkeit zu widmen, um mich selber nicht zu überfordern, oder überfordert zu werden.
In gewisser Weise geht es dabei auch darum, mir ein etwas dickers Fell zuzulegen, damit ich im Alltag bestehen kann, und mich schwierige Situationen nicht komplett aus den Schuhen hauen. Das fordert mich zur Zeit sehr und erschöpft mich. Aber es ist auch eine große Chance, wieder am "normalen" Leben teilzuhaben - als ebenbürtiger und gleichberechtigter Mensch, der sich nicht nur durch seine Erkrankung, seine Schwächen und Einschränkungen definiert und definieren lässt. Das wird Zeit und Geduld brauchen - die nur ich mir zugestehen kann.

Dienstag, 30. August 2016

Lernprozesse

Das Thema "Normalität" beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit und aus unterschiedlichen Perspektiven.
Während der langen Jahre der "nur" Berentung war es eher ein Abstraktum - ein eher unbestimmter und unerreichbarer Wunsch, der sehr eng verknüpft war mit der Gefahr, mich unwillkürlich am Leben anderer zu messen, und dabei zu scheitern.
In den letzten Monaten ist eine Menge passiert: Ganz allmählich bin ich meiner zum Teil selbstauferlegten Isolation entwachsen, habe neue Erfahrungen in den unterschiedlichsten  Bereichen des Lebens gemacht, Beschäftigung gefunden, neue Menschen kennengelernt - und damit unversehens meine Normalität gefunden - beziehungsweise angefangen, sie zu entdecken und zu gestalten. Ich habe wieder ein Leben, das mir auch mitteilenswert erscheint, und das ich nicht länger schamhaft verstecken muss - mit vielen Nuancen und Herausforderungen. Und ich habe Pläne, es weiter zu bereichern und Neues hinein zu nehmen - allmählich und Stück für Stück.
Für mich ist das spannend und ich bin voller Neugier auf das, was noch kommen mag. Und ein klein wenig ängstlich und skeptisch bin ich auch aufgrund meiner Erfahrungen, und werde mehr Zeit benötigen zu lernen, mit Neuem adäquat und vor allem geduldig umzugehen. Und wie immer gilt: Ich halte euch auf dem Laufenden!

Samstag, 27. August 2016

Mehr Normalität wagen

Der Titel dieses Postes ist eine Anspielung auf Willy Brand's legendären Ausspruch: "Wir wollen mehr Demokratie wagen..."
Für eine ziemlich lange Zeit war Normalität für mich ein weitgehend abstarkter Begriff - jenseits meiner Lebenswirklichkeit, die sich in den allzu engen und beklemmenden Grenzen meiner Erkrankung abspielte. Normalität- das waren "die Anderen" mit Familie, Berufsleben und einer Fülle von sozialen Kontakten.
Seit einigen Monaten nähere ich mich diesem unbekannten Land namens "Normalität" vorsichtig an: Neue Kontakte knüpfen, Partnersuche und seit zwei Wochen eine neue und bezahlte Aufgabe in einem "richtigen" Beruf. Das alles ist noch ungewohnt und ich muss sehr darauf achtgeben, mich nicht zu überfordern, und mir mehr zuzumuten, als ich bewältigen kann. Aber zugleich ist das alles unerhört spannend und abwechselungsreich - normal eben - innerhalb gewisser Grenzen. Und ich stelle fest, dass ich meinen Mut und meine Zuversicht wiedergefunden habe, mich all dem zu stellen, es auszuprobieren - und ein mögliches Scheitern oder Straucheln nicht länger als Weltuntergang, sondern eher als wertvolle Erfahrung zu betrachten, aus der ich für die Zukunft lernen kann. Es ist meine Normalität - individuell auf mich zugeschnitten - ohne überfordernde und illusorisch hohe Maßstäbe von Außen - an denen ich zwangsläufig scheitern würde.
Das Leben ist wieder bunt, interessant und abwechselungsreich, und - ich habe es mir ausgesucht!

Mittwoch, 24. August 2016

Einfach mal wohlfühlen

Die zweite Arbeitswoche ist fast geschafft - und ich fühle mich wohl! Die Stimmung ist entspannt, es gibt genügend zu tun, und Stück für Stück werde ich von meiner überaus geduldigen und hilfsbereiten Kollegin - sporadisch auch vom Chef persönlich eingearbeitet.
Ich fühle mich zunehmend sicherer bei dem was ich tue, und meine altbekannten Selbstzweifel lassen langsam nach. Das tut gut!
Schön ist, dass ich irgendwann einmal tatsächlich Sachbearbeitung machen werde - also keine Hilfstätigkeit im Sinne von: "Geh mal kopieren!", oder "Koch Kaffee!", oder "Hefte das mal ab!"... Nein, ich werde richtig Verantwortung haben: Buchhaltung, Zahlungseingänge kontrollieren, Reparaturaufträge erteilen, usw... Das macht richtig Spaß und ich darf eine Menge Neues lernen! Und: Es gibt keinen Druck, die Dinge innerhalb einer bestimmten Zeit erledigt haben zu müssen. Das ist für mich besonders wichtig, denn ich habe das auch anders kennengelernt - mit verheerenden Folgen für mein Wohlempfinden. Der einzige Druck der bei der Arbeit entsteht ist der, den ich mir selbst mache - aus alter Gewohnheit. Also ist es auch ausschließlich an mir, ihn Stück für Stück zu reduzieren - und mich einfach mal wohlzufühlen.

Sonntag, 21. August 2016

Ein Foto-Shooting

Gestern hatte ich mein allererstes Foto-Shooting als "Model" mit einer großartigen Fotografin - Ina Caspari.  Es war ein unglaublich intensives und intimes Erlebnis auf mehreren Ebenen: Man erfährt sehr viel über sich und entdeckt neue Facetten der eigenen Persönlichkeit - angefangen bei Nachdenklichkeit, über Albernheit, Verschmitzheit, Traurigkeit, bis hin zu völlig gelöster Freude und befreiendem Lachen. Das alles sieht man dann auf den Bildern - man entdeckt eine Entwicklung, einen Prozess des zunehmenden Vertrauens und sich Einlassen Könnens auf die Fotografin, der es gelingt, das alles einzufangen und hervor zu locken. Und bei mir ist das nicht einfach!
Dieser permanente Prozess des sich Öffnens fordert viel Kraft. So ist der heutige Tag ein Tag des Ausruhens und der Regeneration - nach einem einzigartigen und erkenntnisreichen Ereignis. Danke Ina!

Donnerstag, 18. August 2016

Nur Positives

Meine erste Arbeitswoche ist zuende, und mir gehts gut! Chaos im Kopf in den ersten Wochen - bis man dann mal alles weiß und auf die Reihe bekommt - gehört dazu, und meine wirklich nette und aufmerksame Kollegin macht es mir da wirklich einfach. Auch dazu gehört für mich, dass ich in den ersten Wochen nach der Arbeit platt bin, und nichts anderes mehr geschafft bekommen zuhause. Damit habe ich früher ziemlich gehadert, aber inzwischen ist das völlig in Ordnung so, und ich genieße einfach den wohlverdienten Feierabend! Und aufräumen kann ich ja schließlich auch zum Wochenende...

Donnerstag, 11. August 2016

Status Quo

Nach den (zum Teil selbstverschuldeten) Turbulenzen der letzten Wochen tut es unendlich gut, wieder bei mir zu sein, und mehr auf mein Wohlergehen zu achten.
Mir ist mal wieder bewusst geworden, wie fragil mein seelisches Gleichgewicht ist, und wie sehr ich darauf achten muss, nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Aber irgendwie hat das Alles auch sein Gutes: Ich habe sehr aufschlussreiche Erfahrungen machen können, und zumindest eine wirklich schöne und interessante Begegnung gehabt, aus der sich noch so manches Schöne entwickeln kann, nachdem ich auch hier mal wieder alles falsch gemacht habe, was mein großes Reservoir an Verhaltensmustern so anbietet. Das ist schön, und mal wieder bin ich überrascht worden von der Geduld und dem unverfälschten Interesse eines Menschen an mir - ungeachtet meiner Fehler.
Jedenfalls ist die Wirklichkeit um einiges nuancenreicher und interessanter, als meine Fantasie, meine Wünsche und Sehnsüchte sich das so ausgemalt haben. Mal schauen, was noch so alles kommt...

Dienstag, 9. August 2016

Innere Balance

Inneres Gleichgewicht ist
niemals selbstverständlich
sondern es fordert mich
tagtäglich heraus
darum zu kämpfen
und ihm die nötige
Aufmerksamkeit zu widmen

Und es rächt sich
wenn ich mich auf Dauer
in Sicherheit wähne
und meine innere Stimme
geflissentlich ignoriere
weil sie mich mal wieder
tierisch nervt
und mir den Spaß
vermiesen will

Dass Spaß auch
mit Achtsamkeit
verbunden sein kann
ohne Risiko
ohne den Drang
zur Selbstgefährdung
ist eine ziemlich neue Erfahrung
die ich aber gerne
öfter machen möchte




Samstag, 6. August 2016

Selbstkritisches

Ich bin wieder zurück in der Wirklichkeit. Die letzten Wochen - und insbesondere die letzten beiden - waren eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt, bisweilen sogar ein Höllenritt.
Zwischenzeitlich hatte ich die Bodenhaftung verloren , und mich komplett und ohne nötige Distanz meinen Träumen und Sehnsüchten nach einer Partnerschaft hingegeben - und bin im Nachhinein ein wenig erschrocken über die Heftigkeit meiner Gefühle. Und das, obwohl ich den jeweiligen Frauen nicht einmal wirklich nahe gekommen bin, geschweige denn, mit ihnen intim geworden bin.
Onlinedating verleitet dazu, sich in eine Art Traumwelt zu begeben - nur gesteuert von Wünschen, Sehnsüchten und dem Verlangen nach Nähe, Zärtlichkeit und sexueller Erfüllung. Wirkliche Begegnungen von Angesicht zu Angesicht sind selten, und die, die ich hatte, hinterlassen einen äußerst zwiespältigen Nachgeschmack.
Ich bin leichtsinnig gewesen, und in einen suchtähnlichen Sog hineingeraten - nach großen Gefühlen und der einen großen Liebe - und bin (natürlich) enttäuscht worden. Denn Liebe entsteht nicht durch intensiven Mailkontakt, stundenlange Telefonate und ein paar Treffen - und vom Verstand her war mir das durchaus bewusst. Und ich habe feststellen müssen, dass meine Impulsivität und meine Unerfahrenheit mir gefährlich werden können - nämlich dann, wenn sie meinen Verstand vernebeln, und meine Vernunft, meine Bedächtigkeit außer Kraft setzen.
Und mir das einzugestehen, fällt mir schwer. Sehr schwer. Allerdings kann ich diesem Abenteuer auch etwas Positives abgewinnen: Ich habe viel über mich gelernt und weiß nun, worauf ich zukünftig zu achten habe. Und ich werde einen Gang zurückschalten, mich hauptsächlich auf meinen beruflichen Neubeginn konzentrieren - alles Andere wird kommen, wenn der richtige Zeitpunkt da ist. Natürlich bin ich weiter auf der Suche, denn der Wunsch nach einer Gefährtin, nach Nähe und Intimität ist nach wie vor groß. Aber ich werde Vorsicht walten lassen und sehr darauf achten, dass es mir mit Begegnungen auch tatsächlich gut geht.

Donnerstag, 4. August 2016

Neubeginn

Ich hatte diesen Text zwischenzeitlich zurückgezogen. Und das aus guten Grund: Denn zwischenzeitlich sah es so aus, als sei die Verbindung, der Kontakt endgültig vorbei. Aber man soll ja bekanntlich nie "nie" sagen! Die heimlichen Voyeure unter euch muss ich leider enttäuschen, denn ich werde hier keine intimen Details zur Person, oder zu Einzelheiten ausbreiten. Und außerdem: Die regelmäßigen Leser meines Blogs kennen ohnehin meine aktuellen Gedanken und auch Gefühle zu diesem Thema...
Vielleicht noch soviel dazu: Wir sind beide Menschen mit einem sehr starken, und bisweilen nur schwer zu beherrschendem Gefühlsleben, und es ist eine echte Herausforderung, damit gemeinsam verantwortungsvoll und bewusst umzugehen. Das habe ich in den letzten Tagen sehr deutlich und schmerzhaft zu spüren bekommen. Aber ich billige mir ein gewisses Maß an Lernfähigkeit, und vor Allem Lernbereitschaft zu. Und mein Gefühlsleben wird auch weiterhin meine Baustelle sein- ob alleine, oder mit einem Menschen an meiner Seite!
 Seit gestern weiß ich es: Wir möchten und werden uns "ergebnisoffen" weiter kennenlernen! Was das heißt? Zeit zusammen verbringen, viel miteinander reden und schauen, wohin uns das führt... Wir mögen uns, fühlen uns miteinander wohl - und zumindest von meiner Seite ist da schon eine gewisse Faszination...
Aber wir sind eben auch keine Teenager mehr, die sich kopflos ineinander verlieben, sondern lebenserfahrene und vom Leben ebenso geprägte Menschen, die um ihre Vergangenheit wissen - und damit eben auch vorsichtiger geworden sind, und ein gewisses Maß an Gefühlssicherheit benötigen, bevor sie sich wirklich aufeinander einlassen. Ich finde das gut so!
Es gibt etliche Gemeinsamkeiten zwischen uns, die uns verbinden, und die unsere Kommunikation, das Grundvertrauen sehr viel leichter machen. Wir haben ähnlicher Erfahrungen gemacht - sowohl in Beziehungen, als auch in Lebenskrisen. Das verbindet, aber birgt natürlich auch gewisse Risiken. Und vieles wird davon abhängen, welchen Stellenwert, welche Bedeutung wir dem Vergangenen zubilligen. Und ob wir imstande sein werden, gemeinsam etwas Neues und Schönes entstehen zu lassen - mit viel Freude, Neugier und vor allem Leichtigkeit. Ich freue mich darauf!

Mittwoch, 3. August 2016

Nur ein Mensch

Bin auch nur
ein Mensch mit Fehlern
und Schwächen
der oft wider
besseres Wissen handelt
und die Lust verspürt
mal wieder ein wenig
Selbstzerstörerisch
zu handeln

Die Hauptsache ist doch
rechtzeitig wieder
die Kurve zu kriegen
und die Gefühle
in ihre Schranken zu verweisen
um sich dann
wieder den Alltäglichkeiten
widmen zu können
und verantwortungsvoll
mit den eigenen Recourcen
umzugehen

Dienstag, 2. August 2016

Berührende Begegnung

Gestern
eine wundervolle, tiefe Begegnung
mit einem Menschen
den wirklich kennenzulernen
in all seinen Facetten
sich wirklich lohnt.

Und doch sind da
so viel Trauer, und Angst
blanke Verzweifelung
die eine Begegnung
mit aller Macht verhindern wollen.

Sie lassen mich ratlos
und ein wenig traurig zurück -
und in dem Wissen
aus meiner Kraft, meinem Vermögen
absolut nichts dafür tun zu können
um diese Hindernisse niederzureißen.

Und wieviel Geduld
wieviel Verständnis
sind das rechte Maß
ohne mich selbst zu verleugnen
mich zu vergessen?

Ich habe es
nicht in der Hand...

Montag, 1. August 2016

Neue Begegnung

Ich werde also heute mal wieder ein erstes Date haben, und bin genauso aufgeregt und gespannt wie die Male zuvor. Auch dieses Mal hatten wir sehr intensiven Mail- und Telefonkontakt - über fast zwei Wochen - und es hat sich eine gewisse Vertrautheit entwickelt, eine sehr warmherzige und freundliche Verbindung.
Inzwischen wissen wir einiges voneinander. Und das schafft ein zwar noch etwas vorsichtiges, und fragiles, aber dennoch schönes Vertrauen, das sich aber in der Wirklichkeit, im persönlichen Kontakt erst noch beweisen muss.
Ich glaube, ob bewusst oder unbewusst, macht man (jedenfalls ich) sich im Voraus schon ein gewisses Bild vom Gegenüber, das sich aus den gesehenen Bildern, der Stimme, der Art des Umgangs miteinander und den erhaltenen Informationen zusammensetzt. Aber entscheidend ist nicht das Bild aus meiner Fantasie, sondern die Wirklichkeit, und wie es sich anfühlt, sich zu begegnen. Ich mag Begegnungen, und das war nicht immer so. Lange Zeit war ich eher menschenscheu, verschlossen und schüchtern. Ich hatte Angst davor, mich zu zeigen, weil mein Verhältnis zu mir selber extrem gestört, und von großer Unsicherheit geprägt war. Und es war die Angst, nicht genügen zu können, und mit all meinen Fehlern und Schwächen gesehen und abgelehnt zu werden.
Das ist heute anders. Ich bin mir meiner selbst viel mehr bewusst, und damit im Reinen. Das sind gute Voraussetzungen dafür, einem Menschen ebenbürtig und auf Augenhöhe zu begegnen. Und darauf freue ich mich!

Sonntag, 31. Juli 2016

Kein Strohfeuer

Seit ungefähr zwei Monaten bin ich jetzt im Datingdschungel unterwegs - habe Anzeigen online gestellt, habe auf Anzeigen geantwortet, war auf Datingportalen unterwegs. Das alles verbunden mit der tiefen Sehnsucht, "die Eine" möge mir dabei begegnen, mit der ich gemeinsam alt werden kann, und mit der gemeinsam sich die Hoffnung auf eine harmonische, reife und wirklich erwachsene Partnerschaft verwirklichen lässt.
Bisher ist sie mir noch nicht begegnet. Statt dessen bin ich trügerischen Hoffnungen begegnet, sowie alten Ängsten, Zweifeln und längst vergessen geglaubten Vorurteilen gegenüber psychisch erkrankten Menschen. Es war ein bemerkenswertes Wechselbad der Gefühle, das mich zusätzlich emotional sehr gefordert hat - mich zeitweise an meine Grenzen gebracht hat, und mich meine eigentlichen Ziele aus den Augen verlieren ließ.
Gefühle lassen sich nicht erzwingen, und eine erste Verliebtheit, eine Faszination für einen soeben erst kennengerlernten Menschen sind noch lange kein Garant für ein glückliches Miteinander - auch wenn es verlockend ist, darauf zu hoffen, und der eigene Fantasie in dieser Richtung freien Lauf zu lassen. Es ist tatsächlich schön, ein wenig ins Träumen zu geraten und das "Was wäre wenn - Spiel" zu spielen. Aber mit der Wirklichkeit hat das wenig gemeinsam.
So verlockend es für mich auch sein könnte, risikobereit zu sein und mich auf ein flüchtiges Abenteuer einzulassen - in der stillen Hoffnung, es könnte sich daraus ja auch etwas Dauerhaftes ergeben - es entspricht mir nicht. Strohfeuer hatte ich in der Vergangenheit genügend - und damit auch Beziehungen, die wegen fehlender Gemeinsamkeiten, und mangelnder echter, tiefer und über längere Zeit gewachsener Gefühle nicht von Dauer sein konnten. Aber genau danach suche ich! Ich suche meine Seelengefährtin. Das geht nicht von heute auf morgen, und auch nicht binnen weniger Wochen. Und auch wenn ich einer Frau begegenen sollte, mit der eine gegenseitige Sympathie und Anziehung entsteht - ich möchte mir wirklich sicher sein. Und das braucht Zeit - gemeinsame Zeit, und viel Geduld. Nur, Geduld gehört nicht gerade zu meinen allergrößten Stärken. Manchmal bin ich zu unüberlegt, zu euphorisch, zu impulsiv, und lasse mich von meinen leicht entflammbaren Gefühlen leiten. Anders formuliert: ich bin sehr gut darin, mir selber ein Bein zu stellen, und Menschen mit meinem Gefühlsüberschwang zu verschrecken. Und dann ist da noch meine wenig schöne Vergangenheit, die regelmäßig anklopft, und mich an mir zweifeln lässt - daran, ob ich es überhaupt wert bin, von einer Frau gemocht, geschweige denn geliebt zu werden - ohne jede Bedingung und ohne Vorbehalt.
Es ist also eine umfassende Aufgabe, die ich mir gestellt habe, und deren Komplexität mir erst jetzt nach und nach gegenwärtig wird: mich in Geduld und Gelassenheit üben, die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen, mich auf meine Stärken und guten Eigenschaften besinnen. Und darauf zu vertrauen, dass sie mir schon begegnen wird - die eine Seelenpartnerin.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Auf der Suche

Manchmal neige ich sehr dazu, mich in scheinbar wichtigen Themen gedanklich zu verheddern. Und zwar so sehr, dass ich den Überblick verliere, und damit auch den Bezug zu mir selber.
Vor einigen Monaten war es das Thema Arbeit, das mich so sehr in seinen Bann gezogen hatte, dass ich nicht mehr imstande war, mich davon zu lösen, und es mit der notwendigen inneren Ruhe und Entspannheit anzugehen.
Jetzt ist es das Thema Liebe und Partnerschaft. Gut, hier ist es ein wenig anders gelagert, weil es ein ohnehin hochemotionales Thema ist - mit ganz viel Sehnsüchten, Hoffnungen und Vorstellungen. Und ich bin schon sehr lange alleine. Aber auch hier spüre ich, dass ich mich gedanklich und gefühlsmäßig immer mehr verhake - und das bekommt mir nicht.
In den beiden letzten Monaten war ich sehr viel im Netz unterwegs - auf der Suche. Und es hat schon etwas Wahlloses und Beliebiges an sich, ungezählte Anzeigen und Profile zu betrachten - sie nach etwas Ansprechendem, Besonderem zu "durchsuchen" -  mit immer größerer Sehnsucht und innerer Unruhe.
Es wird mir sehr gut tun, ab Mitte August wieder zu arbeiten. Es bedeutet wieder mehr Normalität und vor allem Struktur im Alltag - also weniger Zeit, um auf dumme Gedanken zu kommen. Und wer weiß: mit dem nötigen Abstand und mehr innerem Gleichgewicht klappts dann vielleicht auch mit der Partnersuche...


Sonntag, 24. Juli 2016

Begegnungen in Gedanken

In letzter Zeit habe ich häufiger unglaublich interessante und berührende - und vor allem unverhoffte Begegnungen. Es sind Menschen, denen ich teilweise online begegnet bin, und wo sich unversehens eine sehr intensive und erstaunlich offene, ehrliche Kommunikation entwickelt.
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Anonymität des Internets dazu verleitet, relativ leicht die eigene Scheu zu überwinden - denn schließlich sitzt einem der Gesprächspartner ja nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber, sondern irgendwo zuhause ebenfalls an seinem Rechner. Und auch der Wahrheitsgehalt des Geschriebenen lässt sich nicht ohne Weiteres verifizieren. Es bestünde also durchaus die Möglichkeit, dass anstatt einer attraktiven und gebildeten, tiefgründigen Frau, ein schmieriger Möbelpacker Ende Fünfzig aus Oer-Erkenschwick am anderen Ende sitzt. Wobei: diese Option ist dann angesichts der Komplexität der Themen doch eher unwahrscheinlich...
Tatsache ist: es gibt anscheinend mehr Menschen, die einen dem meinen ähnlichen biografischen Hintergrund haben, und froh darüber sind, sich frei austauschen zu können, als ich es gedacht, oder zu hoffen gewagt habe. Und ich empfinde es als Geschenk, mich so frei von Angst vor Zurückweisung oder Missverständnissen äußern zu können.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Wahre Freundschaft & Therapieerfolge = Angekommensein

Es ist ein wahres Geschenk für mich, mich auf andere Menschen verlassen zu können. Und das ohne Angst davor zu haben müssen, wegen meiner Ecken und Kanten - wegen meiner Geradlinigkeit abgelehnt, oder angegangen zu werden.
Wie die Leser von "Grenzgänger" ja wissen, wurde mein Urvertrauen nachhaltig beschädigt - mit Folgen, die bis heute andauern. Noch heute fällt es mir schwer, anderen Menschen nachhaltig und in für mich schwierigen Situationen zu vertrauen, aus Angst, sie könnten erkennen, was für ein im Grunde unperfekter und fehlerhafter Mensch ich bin, der für seine Misserfolge und Fehlplanungen die alleinige Verantwortung trägt, und dafür keinerlei Hilfe und Unterstützung zu erwarten hat.
In den letzten Monaten durfte ich die Erfahrung machen, dass Menschen mir tatsächlich dauerhaft wohlgesonnen sind, und ich mich tatsächlich auf sie verlassen kann. Das ist ein unvorstellbar beglückendes Gefühl, das sich allmählich auch nachhaltig in mir festigt. DANKE!

Dienstag, 19. Juli 2016

Existenzängste

Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mit wenig Geld auszukommen. Ich habe keine hohen Ansprüche, benötige keinen Luxus und habe verinnerlicht, dass Geld nicht die Lösung für alle Probleme ist. Aber es muss zum Leben reichen, und zwar so, dass ich den Monat entspannt überstehen kann - ohne mir schon zur Monatsmitte hin Sorgen zu machen, ob es wohl reichen wird. Und genau diese Sorgen habe ich jetzt - und das nicht nur in Bezug auf diesen, sondern auch auf die kommenden zwei Monate. Dabei ist es nicht einmal selbstverschuldet. Wäre es so, dann würde ich nicht darüber schreiben, sondern mit noch spitzerer Feder rechnen, aus Scham die Klappe halten und meine Ernährung und andere Ausgaben auf das Minimum beschränken - bis die Durststrecke vorüber ist, und ich aus meinen Fehlern sehr eindrücklich gelernt habe.
Meine jetzige Notlage ist den Folgen meines jüngst beendeten Jobs geschuldet, sowie der Tatsache, dass ich erst zu Ende August wieder ein Gehalt bekomme, beziehungsweise nur ein halbes für einen halben Monat Arbeit. Ein ganz spitzfindiger Mensch könnte jetzt natürlich einwenden, dass auch diese Situation selbst verschuldet sei, denn schließlich hätte ich ja durchhalten können, um den Übergang vom einen zum nächtsen Job nahtlos zu gestalten. Also bin ich doch selber Schuld? Ehrlich gesagt: ich ärgere mich eher darüber, meine finanzielle Situation anfänglich zu optimistisch eingeschätzt, und nicht bedacht zu haben, welchen Zeitraum es zu überbrücken gilt. Das ist mein Fehler, den ich sowohl auf meine mangelnde Erfahrung, als auch auf mein seit Monaten andauerndes Hochgefühl zurückführe. Es hat mich unvorsichtig werden lassen, und nun bekomme ich die Konsequenzen zu spüren.
Existenzangst zu haben, ist immer scheiße - auch wenn ein Ende abzusehen ist, und der Schaden nicht so groß sein wird, als dass er nicht auszugleichen wäre. Und eigene Fehler zu erkennen, ist äußerst unangenehm - zumal, wenn sie womöglich vermeidbar gewesen wären. Aber in diesem Fall ist das Licht am Ende des Tunnels definitiv kein entgegenkommender Schnellzug...

Sonntag, 17. Juli 2016

Tanz am Abgrund

Seit einigen Monaten befinde ich mich quasi auf der Überholspur - im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren, die eher von Stillstand und Resignation geprägt waren. Und was fast noch wichtiger ist: Prinzipiell habe ich auch meine manchmal überbordenden und mich aus dem Gleichgewicht bringenden Emotionen im Griff, die mich früher oft genug an den Rand der Katastrophe gebracht haben.
Wie gesagt: Prinzipiell. Denn manchmal scheint es, als ob mein eigentlich so gut funktionierender Verstand eine Pause braucht, und dann meiner Unvernunft und tendenziell selbstschädigendem Verhalten das Feld überlässt. Dann sehe ich mir mit eigentlich wachem Verstand und einer gewissen perveren Faszination dabei zu, wie ich für kurze Zeit wieder in alte Verhaltensweisen abrutsche. Das ängstigt mich; denn es zeigt mir, dass ich bei weitem noch nicht die Souveränität und Sicherheit erreicht habe, von der ich glaubte, darüber frei verfügen zu können.
Irgendwie hat es noch immer einen gewissen Reiz, mit dem Feuer zu spielen, auch wenn es bei Weitem nicht mehr die Gefährlichkeit und Brisanz hat, wie früher. Und ich erkenne es rechtzeitig und trete mit aller Vehemenz auf die Bremse, sodass der Schaden sich in Grenzen hält. Aber wozu das alles? Früher brauchte ich diese Ausnahmesituationen, um mich lebendig fühlen zu können, und um meinem Zorn auf mich und die Welt Ausdruck zu verleihen. Mittlerweile bin ich aber mit beidem im Reinen. Dachte ich. Aber vielleicht ist es nur ein dezenter Hinweis darauf, dass ich als Mensch fehlbar bin, und wie jeder andere auch gewisse Schwächen habe, die ich mir einfach zugestehen - und lernen muss, sie als Bestandteil meiner Persönlichkeit hinzunehmen und zu akzeptieren. Ich muss aufmerksam bleiben, und nicht dem naiven Glauben verfallen, dass wie durch ein Wunder plötzlich alles aus der Vergangenheit begraben und hinfällig ist. Das wäre ein Trugschluss und es ist gefährlich. Das sollte ich mir immer vor Augen halten.

Freitag, 15. Juli 2016

Plötzliches Schweigen und schwarze Löcher

Plötzliches Schweigen bereitet mir Unbehagen. Und ich weiß nicht warum, denn eigentlich sind Gesprächspausen ja nichts dramatisches. Aber in mir breitet sich jedes Mal das Gefühl aus, mich am Rande eines schwarzen Loches zu befinden, das im Begriff ist, mich einzusaugen.
Warum ist Schweigen für mich so unheimlich? Es mag vielleicht daran liegen, dass ich mit ihm aus meiner Kindheit noch immer Bedrohlichkeit (die Ruhe vor dem sprichwörtlichen Sturm) verbinde, gepaart mit absoluter Hilflosigkeit und dem Gefühl des Ausgeliefertseins. Beides hat bis heute nichts von seiner beängstigenden Präsenz eingebüßt, obwohl die ursprünglichen und prägenden Erfahrungen schon mehrere Jahrzehnte zurückliegen, und ihr Verursacher nicht mehr lebt.
Eigentlich kann auch gemeinsames Schweigen etwas Verbindendes haben - als Ausdruck von Entspanntheit und Vertrauen. Für einen Moment innehalten, das Gesprochene nachklingen, nachwirken lassen, die Gedanken neu sortieren, um das Gespräch wieder aufzunehmen. Und eben nicht panisch und hektisch nach einem neuen Thema suchen und dabei vielleicht peinlich Unbedachtes zu äußern, nur um die Stille und das sich aubreitende Chaos im Inneren zu übertönen.
Ich merke jedes Mal in einer solchen Situation, dass vermeintliche Souveränität oder Selbstsicherheit nichts absolutes ist, sondern urplötzlich zu Makulatur werden kann. Aber ich arbeite daran.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Metamorphosen

Früher hätte ich mich gekränkt und verletzt
in meine Ecke zurückgezogen
wenn eine Frau mich
zurückgewiesen und meine Gefühle
nicht erwiedert hätte.

Es hätte mich in meiner Absonderlichkeit
und dem Gefühl nicht liebenswert zu sein
bestätigt und meine Scheu vor dem anderen Geschlecht
ins Unermessliche gesteigert.

Aber heute freue ich mich von Herzen
einen wervollen und
unerhört tiefgründigen Menschen
kennengelernt zu haben,
dessen Freundschaft eine Bereicherung
für mein Leben sein wird
und dem ich schon nach kurzer Zeit
so viel bedeute, dass er mir
seine Freundschaft schenkt.

Und das Leben geht weiter
so wie meine Suche nach der Einen
in der Gewissheit
dass sie irgendwo
schon auf mich wartet!



Mittwoch, 13. Juli 2016

Tolle Frau -Tolles Date

Wie kann ich ein wirklich wunderbares erstes Date mit einer charmanten, schlagfertigen, gebildeten und wirklich hübschen Frau in Worte fassen?
Nach all der Nervosität der letzten Tage - und insbesondere in den letzten paar Minuten vor dem ersten Aufeinandertreffen am Bahnhof - waren es drei völlig entspannte, wundervolle und gesprächsintensive Stunden, in denen wir wirklich viele Übereinstimmungen entdeckt haben und auch gemeinsam lachen konnten. Gerade Letzteres finde ich besonders wichtig, denn Humor verbindet und zeugt (von den Entgleisungen sogenannter Comedians wie z. B. Mario Barth einmal abgesehen) auch von wirklicher Intelligenz.
In den letzten Wochen hatte ich mir ja im Vorfeld alle möglichen Gedanken zu dem Date gemacht. Sie reichten vor großer Vorfreude, über Zweifel bis hin zu einer unerwarteten Absage in letzter Minute. Das alles ist jetzt Makulatur, und ich habe eine Frau kennenlernen dürfen, die meine Erwartungen einfach in den Schatten stellt. Ein wenig muss ich mich zügeln, denn ich glaube, ihr wäre es unangenehm, würde ich sie mit Lobeshymnen überziehen, und sie idealisieren, oder gar meinen etwas überschäumenden Gefühlen Ausdruck verleihen. Möglicherweise würde ich sie damit auch eher abschrecken, also begnüge ich mich damit zu sagen: sie ist einfach toll und ich mag sie sehr!
Im Moment habe ich noch keine Ahnung, wie es weitergeht. Wir werden mailen, telefonieren, und uns hoffentlich bald wiedersehen. Und darauf freue ich mich sehr!

Montag, 11. Juli 2016

Galoppierender Irrsinn

Es tut mir leid, wenn ich momentan ein wenig monothematisch unterwegs bin, aber schließlich habe ich nicht jeden Tag ein Date, und bin in diesem Thema auch noch nicht allzu lange unterwegs. (Für diejenigen unter Euch, die das nervt: Einfach nicht lesen!) Stop: Nein, es tut mir nicht leid, denn schließlich ist es mein Blog, der sich mit meinen Themen und Gedanken befasst!
Die Nervosität steigt und ich spüre meine Unsicherheiten von Tag zu Tag deutlicher. Die üblichen Fragen, wie: "was ist wenn...", "wie verhalte ich mich, wenn sie...", oder "...wenn ich.." kreisen in meinem Kopf, und blockieren meinen "Alltagsverstand".
Mit "Alltagsverstand" meine ich jenen Teil meines Hirns, der mir bei der Bewältigung meiner täglichen Aufgaben (egal ob selbstgewählt, oder auferlegt) mehr oder minder hilfreich zur Seite steht. Normalerweise ist darauf Verlass, aber jetzt hat eine Horde wildgewordener Wünsche, Sehnsüchte und blöder Erinnerungen die Kontrolle übernommen. Sie lassen mir kaum mehr eine ruhige Minute, hindern mich am Einschlafen und zerren an mir herum: Wie wird sie sein? Werde ich enttäuscht sein, und alle Wünsche zerplatzen wie Seifenblasen? Werde ich mich Knall auf Fall verlieben? Und so weiter...
Leute, ich bin fast Fünfzig, und sollte mit deutlich mehr Gelassenheit und Abgeklärtheit durchs Leben gehen! Außerdem ist sie nicht mein erstes Date und wird (aller Wahrscheinlichkeit nach) auch nicht mein letztes sein. Aber was verdammt noch mal ist, wenn sie "die Eine" ist? Ich bin gut darin, Dinge zu vermasseln, und ich glaube, darüber mache ich mir die meisten Sorgen. Da hilt auch kein gutes Zureden (Ruhig, Brauner: mach laaangsam und reiß dich am Riemen). Vielleicht sollte ich es einfach aushalten, temporär unter galoppierendem Irrsinn zu leiden, und mich darüber freuen, dass eine Frau mich für interessant und vertrauenswürdig genug hält, um mich persönlich kennenlernen zu wollen (und sich vielleicht genauso darauf freut, und genauso nervös ist, wie ich). Schließlich ist diese Freude berechtigt, und vermutlich auch "normal" nach meiner langen Durststrecke. Und morgen am Nachmittag bin ich klüger, um eine Erfahrung reicher, und kann meine Gefühle mit realen Fakten untermauern. Oder auch nicht. Und vermutlich wird alles ganz anders kommen, als meine aufgeputschte Fantasie mir es im Moment vorgaukelt. In diesem Sinne: ich halte Euch auf dem Laufenden!




Sonntag, 10. Juli 2016

Postpubertäre Anwandlungen

Ich bin nervös, und meine Gedanken fahren (mal wieder) Karussel - je näher der Termin meines ersten Dates rückt. Manchmal bin ich ein "Kopf auf zwei Beinen", der alle möglichen Eventualitäten und Szenarien vorab und schon fast akribisch durchspielt, und das "Was wäre wenn -Spiel" in Perfektion beherrscht. Das ist lästig, denn es lässt mich nicht zur Ruhe kommen, und steigert meine Aufgeregtheit zwar nicht ins Unermessliche, aber doch bis zu einem Punkt, der es mir schwer macht, mich auf andere Dinge einzulassen und zu konzentrieren.
Gut: es ist eine wirklich interessante Frau, die ich treffen werde. Sie ist attraktiv, besitzt Charme und Humor, und sie ist mit mir intelektuell auf einer Ebene. So eine Kombination ist äußerst selten, und weckt große Hoffnungen und längst vergessen geglaubte Sehnsüchte in mir. Dabei bemühe ich mich nach Kräften um Pragmatismus und Realismus - versuche aus meiner gedanklichen Stärke heraus Vorteile zu ziehen, indem ich mir vor Augen halte, dass ein erstes Date und mehrere Telefonate noch längst nicht die Liebe meines Lebens ausmachen können, und dass es tatsächlich Zeit braucht, um einen Menschen kennenzulernen und tiefer gehende Gefühle zu entwickeln. Und außerdem bin ich kein sechzehnjähriger Teenager im Vollrausch seiner hormonell bedingten Gefühle, sondern ein erwachsener, halbwegs reflektierter und lebenserfahrener Mann nahe der Fünfzig, der aber gerade auf dem besten Wege ist, sich genauso aufzuführen, als sei er eben jener Sechzehnjährige. Das nervt und stört mein Gleichgewicht!
Es mangelt mir an Erfahrung und "Routine", was Frauen betrifft. Außerdem bin ein "gebranntes Kind" in Sachen Beziehungen, beziehungsweise bezüglich deren tendenziell immer eher unglücklichen Ausgangs. Und das ist auch der Grund für meine annährend zehnjährige Abstinenz, die eher aus einer Vernunftentscheidung, als aus tiefster Überzeugung heraus angedauert hat. Denn zum Eremiten tauge ich nicht und mag "die Frauen" an sich viel zu sehr, um auf ihre Gesellschaft und die schönen Seiten einer glücklichen und harmonischen Beziehung auf Dauer verzichten zu können und zu wollen. Und inzwischen fühle ich mich tatsächlich reif und lebenserfahren genug, um mich in aller Konsequenz auf einen Menschen einlassen zu können und zu wollen. Aber es hängt ja nicht nur von mir ab, sondern auch von meinem Gegenüber, ob das gelingen kann und ob "Sie" die Richtige sein kann, weiß ich schlichtweg nicht. Auch wenn ich es mir vielleicht wünsche, und in meiner Fantasie mit den ersten bekannten Fakten herumspiele - mich von meinen Wunschvorstellungen, meiner Sehnsucht lenken lasse.
Bei näherer, und ein wenig wohlwollenderer Betrachtung ist das alles menschlich. Und ich bin unbestreitbar ein Mensch - dazu noch einer mit viel Gefühl und Fantasie. Und am kommenden Dienstag wird sich zeigen, was Wunsch, und was Wirklichkeit ist. 



Freitag, 8. Juli 2016

Nachdenkliches & Wochenresume

Die letzten Wochen waren der pure Stress für mich. Es war ein extremes Wechselbad der Gefühle - und ich bin erschöpft und brauche Ruhe. Aber ich bin nicht zusammengebrochen, und selbst meine Therapeutin hat freudig festgestellt, dass ich kaum noch ängstlich und zögerlich bin, sondern statt dessen gestärkt und mutig nach Vorne schaue. So ein Feedback tut gut, auch wenn sie mir damit nichts Neues gesagt hat, und ich die positiven Veränderungen der letzten Monate selber sehr deutlich - und mit mildem Staunen über mich selber - bemerkt habe.
Mitte August beginne ich einen neuen Job und werde die Zeit bis dahin als wohlverdienten längeren Urlaub nutzen, nachdem gerade die letzten Wochen so voller Ungewissheit waren, und meine Kraftreserven sehr beansprucht haben. Urlaub hatte ich schon sehr lange nicht mehr, aber es gab auch keinerlei Anlass, darüber nachzudenken. Jetzt aber kann ich mit Genuss ausschlafen, mir mit Allem Zeit lassen, herumtrödeln, wie es mir gerade in den Sinn kommt - die Seele "baumeln lassen". Das tut gut - gerade auch im Hinblick darauf, dass ich in der kommenden Woche mal wieder ein erstes date habe, auf das ich mich schon sehr freue, und bei dem ich ausgeruht und im Gleichgewicht sein möchte.
Mein Leben ist unerhört spannend geworden in den letzten Monaten, und es fordert mich deutlich mehr, als die Jahre zuvor. Das ist noch immer ungewohnt, und manchmal beschleichen mich Zweifel, ob das so von Dauer sein wird, oder ob ich irgendwann unversehens wieder in meinen altbekannten Trott verfalle - klammheimlich, und ohne es selber zu bemerken. Andererseits glaube ich, manches ist einfach unumkehrbar, und es gilt einfach, die richtige Balance zu finden, mit und in der ich gut leben kann. Dazu gehört möglicherweise auch, einem noch unbekannten Menschen Zutritt und Einblick in mein Leben zu gewähren - es in all seinen Facetten zu teilen und umgekehrt an einem anderen Leben teilzuhaben. Was das betrifft, so bin ich komplett aus der Übung und es verursacht doch im Vorfeld ein wenig Unbehagen und Unsicherheit darüber, ob ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. Aber das ist depressives Kopfkino, und ich sollte mir das schleunigst abgewöhnen! Just take it as it comes!
In diesem Sinne: ich halte euch auf dem Laufenden!


Donnerstag, 7. Juli 2016

Unsicherheiten und alte Traumata

Mit meiner Vergangenheit habe abgeschlossen. Eigentlich. Ich sehe keinen Sinn mehr darin, alte Wunden aufzureißen, indem ich unschöne Erinnerungen bewusst heraufbeschwöre - das bringt mir keine neuen Erkenntnisse, und ist damit reine Selbstquälerei ohne Erkenntnisgewinn.
Aber das Leben bietet immer wieder unvorhersehbare Situationen, in denen ich ungewollt an Früheres erinnert werde - inklusive altbekannter Gefühle und Stimmungen. Das ist nicht schön und lässt mich, wenn es geschieht, kurzfristig, aber grundlegend an meiner Souveränität zweifeln. Und es stellt mein Vertrauen in die beteiligten Menschen auf eine harte Probe. Im Grunde weiß ich, wem ich Vertrauen schenken kann und wer mit meiner Vergangenheit gut genug vertraut ist, um meinen bisweilen hilf- und ratlosen Reaktionen Verständnis entgegenbringen zu können. Aber was ist, wenn ich mich täusche, und mir entgegen meiner Hoffnung und Erwartung Ablehnung und Unverständnis entgegengebracht werden? Diese Angst sitzt trotz zahlreicher schöner Erfahrungen noch immer sehr tief, und mit Logik ist ihr nicht beizukommen.
Vor Kurzem musste ich eine dieser sehr selten gewordenen, aber deswegen nicht minder existenziellen Erfahrungen machen - mit noch offenem Ende. Und dabei geht es um liebgewonnene Menschen, die ich über viele Jahre kenne, und denen ich grundsätzlich vertraue. Das macht es so unerhört schwierig - zumal die eigentliche Situation buchstäblich aus dem Nichts entstanden ist, und völlig ungeklärt zwischen uns steht. Das macht mir sehr zu schaffen, denn es gibt fast nichts, was ich mehr hasse als unaufgelöste Konflikte und Situationen. Aus diesem Grund versuche ich immer - soweit es in meiner Macht und in meinen Möglichkeiten liegt - schwierige, oder auch missverständliche Situationen zu klären. Aber manchmal liegt es eben nicht in meiner Macht - weil die Scheu und die Angst vor einer neuen Konfrontation mit ungewissem Ausgang einfach zu groß sind, und es mir an Mut, und vielleicht auch an Selbstvertrauen mangelt.
Während ich diese Zeilen schreibe wird mir aber auch deutlich, dass die Dinge sich verändert haben. Denn ich lasse diese Gedanken zu, spreche sie aus, anstatt sie zu verdrängen und zu leugnen. Das ist neu und gibt mir die Hoffnung, auf dem richtigen Weg zu sein, mit Bedrängnis und Ängsten anders umzugehen, als ich es von Früher kenne und gewohnt bin. Und möglicherweise gilt auch hier das alte Sprichwort: "Es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird!"

Dienstag, 5. Juli 2016

Die Entdeckung der Langsamkeit

Einfach den Dingen
ihren Lauf lassen
ihnen die Zeit geben
die sie benötigen
um sich zu entfalten
sich zu entwicklen

Nichts erzwingen wollen
und auf das eigene Herz hören
denn es ist ein guter Ratgeber
in Herzensangelegenheiten

Vertrauen fassen
in die Richtigkeit
der eigenen Entscheidungen
und mit Gelassenheit
geschehen lassen
was geschehen soll

Sich an dem erfreuen
was entsteht
es liebevoll beobachten
und mit Geduld
den richtigen Weg einschlagen

Was immer geschehen soll
wird geschehen
im richtigen Moment
am richtigen Ort

Montag, 4. Juli 2016

Konfliktpotential

Auseinandersetzungen sind nie einfach. Ob bewusst, oder unbewusst gerät man immer eine Position des sich Verteidigens und Erklärens. Das ist menschlich und verzeihlich. Aber es ist auch der Grund dafür, warum ich Auseinandersetzungen hasse und nach Kräften zu vermeiden suche. Auseinandersetzungen haben für mich selbst heute noch etwas latent Bedrohliches an sich. Sie erinnern mich an meine früheren, eher hilflosen Versuche mich zu erklären und zu behaupten, während meine Argumente - egal wie stichhaltig sie auch sein mochten - meist ignoriert, oder nicht ernstgenommen wurden.
Um dem etwas entgegenzusetzen, bemühe ich mich heute ganz bewusst um Sachlichkeit und entscheide von Fall zu Fall, ob, und wie weit ich mich auf Diskussionen überhaupt einlasse. Manchmal ist es eben auch ratsam, eine sich zuspitzende Diskussion zu verlassen und abzubrechen; auch, um eine mögliche Eskalation zu vermeiden und Manches besser ungesagt zu lassen. Das brauche ich für meinen Seelenfrieden, auch wenn es immer wieder Gespräche gibt, die mich noch Tage später begleiten, und bei denen ich mich frage, was ich hätte vielleicht anders machen können. Und was meinen "Konfliktpartner" betrifft, so suche ich für mich nach Antworten, was ihn möglicherweise so aus dem Gleichgewicht gebracht haben kann, dass er die sachliche, logische Ebene so rasch verlassen hat. Und auch wenn sich hier nicht immer Antworten finden lassen: mein inneres Gleichgewicht ist immer der Maßstab, nach dem ich entscheide.

Sonntag, 3. Juli 2016

Lebensgedanken und Scheinwelten

Manchmal bin ich einfach zu verkopft und neige dazu, mir alle möglichen Szenarien und Eventualitäten in ihren kleinsten Einzelheiten und in ihren sowohl möglichen, als auch eher unwahrscheinlichen Verläufen auszumalen. Das Dumme dabei ist, das meine Gedanken und die Realitäten und Unwägbarkeiten des tatsächlichen Lebens höchst wahrscheinlich nicht einmal übereinstimmen, und, dass meine Gedankenwelt dabei noch immer ein sehr farben- und nuancenreiches Eigenleben entwickelt.
In früheren Zeiten hatte das seine Berechtigung, weil mein eigenes Leben ein sehr trostloses und zunehmend eingeschränktes war, und meine Gedankenwelt sich so nicht an der Wirklichkeit messen lassen musste. Sie war mein Ersatz.
Heute hingegen findet mein eigentliches Leben "draußen" in der Wirklichkeit statt. Das ist bisweilen noch immer ungewohnt, und gelegentlich auch kräftezehrend. Aber mich in meinen Gedanken zu vergraben, oder mich hinter ihnen zu verbergen, ist keine Alternative mehr- zumindest dann nicht, wenn sie mich daran hindern, die Wirklichkeit unbefangen und mit gesunder Neugierde zu erkunden und zuzulassen. Und Unbefangenheit und Neugierde sind gerade bei neuen Begegnungen unerlässlich. Denn sie finden in der Wirklichkeit statt - inklusive aller nicht vorhersehbaren und nicht beherrschbaren Eventualitäten. Sie gehören einfach dazu- nebst möglichen Enttäuschungen und Irrtümern. Leben ist schließlich das was passiert, während du andere Pläne machst.


Samstag, 2. Juli 2016

Der Fußball und ich...

...zwei Welten prallen aufeinander? Im Prinzip stimmt das: im Gegensatz zu den meisten meiner Landsleute halte ich mich nicht für einen Fußballexperten (ich kenne nicht einmal die Regeln), und bringe dem sportlichen Alltag der Bundesliga nur ein äußerst peripheres Interesse entgegen. Lediglich wenn es um etwas geht, wie jetzt bei der EM, ist mein Interesse deutlich größer und ich empfinde tatsächlich Spaß beim Anschauen der Wettkämpfe. Und ich fiebere tatsächlich mit "der Mannschaft" mit, und hoffe, sie möge möglichst weit im Turnier kommen.
Meine Welt hat sich in der letzten Zeit (manchmal sogar entgegen meinem eigenen Empfinden) zunehmend und deutlich vergrößert. Ich nehme wieder Anteil an dem, was um mich herum passiert und habe deutlich mehr Spaß an "banalen" Dingen, die für meine eigentlichen Interessen keinerlei Relevanz besitzen, sondern lediglich reinen Spaß-Charakter haben. Man nennt das - glaube ich - auch Lebensfreude.
Lebensfreude und Depressionen schließen sich gegenseitig aus: in der Depression verengt sich das eigene Blickfeld auf die Kleinigkeiten und Unzulänglichkeiten der eigenen Existenz, an denen man tagtäglich glorios scheitert und verzweifelt. Da bleibt kein Platz für das "Große Ganze", oder gar Trivialitäten, wie zum Beispiel Fußball. Aber seit einigen Monaten haben meine Depressionen sich buchstäblich in Luft aufgelöst. Das heißt nicht, dass ich keinerlei Unsicherheiten oder trübe Gedanken mehr in mir habe. Aber sie sind gewissermaßen auf "Normalmaß" geschrumpft und damit beherrschbar geworden. Und so habe ich jetzt auch Freude daran, brüllend auf dem Sofa zu sitzen und unsere Jungs durch den Fernseher anzufeuren, oder mich zu lautstark zu ärgern, wenn eine für mich als Fußballexperten offensichtliche Torchance nicht genutzt wurde. Das macht Spaß und zeigt mir, dass das Leben deutlich mehr zu bieten hat, als nur graues Einerlei und schwergewichtige Probleme, deren Lösung in allzu weiter Ferne liegt. Also Jungs: heute schicken wir die Italiener nachhause!

Freitag, 1. Juli 2016

Dates & Mails & Sprachfetischismus

In der kommenden Woche habe ich (voraussichtlich) ein weiteres erstes Date. Und freue mich sehr darauf. Und bin nervös wie ein Teenager.
Gestern haben wir das erste Mal miteinander telefoniert, nachdem wir uns über einen längeren Zeitraum sehr intensiv geschrieben haben - sehr offen, sehr ehrlich und manchmal auch sehr direkt. Das Problem beim Schreiben ist, dass Manches ohne persönliches Gespräch, in dem man ja die Modulation der Stimme und das Lachen seines Gegenübers erlebt, sehr absolut und wie in Stein gehauen wirkt. Und das kann problematisch werden. Aber nach einem fast zweistündigen Gespräch, das wir auch nur sehr zögerlich beendet haben, sieht Vieles schon ganz anders aus - gewissermaßen relativ.
Das Schöne am Schreiben ist: man erkennt sehr schnell, ob der (die) Andere mit einem selber auf dem gleichen sprachlichen Niveau ist. Und das ist mir verdammt wichtig, denn auch gutes sprachliches (und grammatikalisches) Ausdrucksvermögen macht sexy! Darüber mussten wir gestern beide grinsen, und das stimmt mich bei aller Vorsicht doch sehr zuversichtlich...
Ich halte euch wie immer auf dem Laufenden!

Donnerstag, 30. Juni 2016

Ein neuer Job oder die Sache mit dem Löwenbändigerhut

In einem Sketch der legendären Monty Pythons Truppe kommt ein Mann zum Berufsberater und erklärt ihm, er wolle aus seinem Job als Buchhalter aussteigen und Löwenbändiger werden. Zur Vorbereitung habe er sich außerdem bereits einen Löwenbändigerhut gekauft. Während des Gesprächs stellt sich dann aber heraus, dass er irrtümlich Ameisenbären für Löwen gehalten hat, und somit hat sich sein Wunsch nach einem Jobwechsel fürs Erste erledigt.
Warum erwähne ich diese Episode? Mitte der Neunzigerjahre hatte ich eine Umschulung zum Bürokaufmann begonnen, und mich im diesem Rahmen mit dem Thema Buchhaltung befasst, was mich zunehmend faszinierte. Ein guter Freund, dem ich von meiner Begeisterung für diesen Bereich erzählte, hat mich damals im Scherz gefragt, ob ich denn bereits einen Löwenbändigerhut besäße.
An diese Begebenheit musste ich denken, als ich die Zusage für meinen neuen Job bei der Hausverwaltung bekam, bei dem es schwerpunktmäßig um Buchhaltung geht - worauf ich mich sehr freue. Und in den nächsten Wochen werde ich mich ein wenig darauf vorbereiten, indem ich mich mal wieder mit Buchhaltung befasse. Und dabei meinen Löwenbändigerhut tragen werde.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Gedanken zur Partnersuche

Jeder Mensch macht sich seine Gedanken darüber, wie sein potentieller Partner fürs Leben "gestrickt" sein sollte, damit eine Beziehung möglichst harmonisch und dauerhaft sein kann. Und er macht sich mit Sicherheit auch Gedanken darüber, welche Eigenheiten, oder Charakterzüge, oder Vorlieben er zumindest bereit ist zu tolerieren, und welche mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Und ich glaube, die Kunst besteht darin, für beide tragfähige Kompromisse zu finden, mit denen man (oder Frau) gut leben kann.
Kompromissfähigkeit setzt voraus, die eigenen Grenzen gut zu kennen, und sich seiner selbst sicher genug zu sein, um diese im Notfall auch deutlich machen zu können. Das ist wichtig, um sich nicht über das gesunde Maß hinaus zu verbiegen und einen Teil seiner Persönlichkeit aufzugeben, oder gar zu verlieren.
Ich bin seit über zehn Jahren allein, und in den Phasen hilfloser Bedürftigkeit hätte ich mich vermutlich auf Vieles eingelassen, nur um das Alleinsein beenden zu können. Heute weiß ich, dass ich mit dieser Einstellung weder dauerhaft glücklich geworden wäre, noch eine Frau gefunden hätte, die mit diesem Häufchen Elend längerfristig zufrieden gewesen wäre. Im Nachhinein ist es also gut, dass ich in dieser Zeit allein geblieben bin, und sich bietende Möglichkeiten ausgeschlagen, oder auch garnicht bemerkt habe.
Auch ich habe meine Präferenzen und Vorstellungen dazu, wie eine für mich harmonische und erfüllende Beziehung aussehen soll, und was für ein Mensch dafür vonnöten ist, um meinem Wunsch Gestalt zu verleihen. Aber ich bin auch Realist genug um zu wissen, dass eine Partnerschaft nicht nur aus rosa Wölkchen besteht, sonder ihre Konsistenz und ihre Substanz erst zeigt, wenn sie sich im Alltag beweisen kann. Und ich kenne mich inzwischen gut genug um erkannt zu haben, wo ich bereit bin, Kompromisse einzugehen, und wo definitiv nicht. Das macht es einerseits leichter, mich für oder gegen einen Menschen zu entscheiden, aber andererseits auch deutlich schwerer, einen zu mir passenden Menschen überhaupt zu finden.
In den letzten Wochen habe ich ein paar Bekanntschaften gemacht, die großenteils zumindest anfänglich vielversprechend, oder interessant waren, aber letztendlich mit zu vielen Unwägbarkeiten und fehlender Kompromissbereitschaft behaftet waren, als dass ein persönliches Kennenlernen für mich überhaupt sinnvoll gewesen wäre. Aber je mehr ich über andere Menschen im Kontakt erfahre, umso mehr erfahre ich auch über mich selber, lerne mich besser kennen. Und das finde ich sehr spannend und hilfreich.
Ich bin zur Zeit offensichtlich in einer Lebensphase, die meiner Erfahrung permanent neue Nuancen und Wendungen hinzufügt, die ich nicht vorherahnen konnte, und die mich in Bewegung hält. Das ist gut so, und ich lerne mit der Zeit, auch hiermit entspannt umzugehen.

Dienstag, 28. Juni 2016

Zwischenstand

Mir könnte es deutlich schlechter gehen nach all den turbulenten Ereignissen der letzten Wochen. Und ein wenig erstaunt es mich noch immer, dass dem nicht so ist. Tatsächlich: ich bin mit mir und meinen Entscheidungen im Reinen und es geht mir gut! Das mag auch daran liegen, dass ich sehr viel Unterstützung und Rückhalt erfahren habe, sowohl von Freunden, als auch von den Menschen in meiner Therapiegruppe. Durch ihre Rückmeldungen weiß ich, dass ich richtig, und nicht voreilig gehandelt habe - ein wenig Bestätigung muss schon gelegentlich noch sein.
Eigentlich bin ich in den letzten Monaten viel sicherer und unabhängiger geworden, was das Treffen von Entscheidungen betrifft, denn mein "Bauchgefühl" ist recht treffsicher und hat mich in der jüngsten Zeit nur sehr selten getäuscht. Aber ein Restbestand alter Ambivalenz und Unsicherheit in Bezug auf mich ist dann eben doch geblieben, und wird mich voraussichtlich auch für den Rest meines Lebens begleiten. Das ist in Ordnung so und ich kan damit gut leben.
Dass ich zur Zeit keinen Job habe, haut mich auch nicht aus den Schuhen, und ich lasse mir Zeit damit, den richtigen zu finden. Denn irgendwann möchte ich mit der Gewissheit leben, etwas dauerhaftes gefunden zu haben, das mich nicht schon nach wenigen Wochen auf allen Ebenen überfordert und an meine Grenzen bringt. Kontinuität heißt das Zauberwort, das ich mir für alle Bereiche meine Lebens wünsche, und für das ich bereit bin, alles notwendige zu tun. In diesem Sinne: ich halte euch auf dem Laufenden!

Montag, 27. Juni 2016

Freundschaft (Für Corinna)

Freundschaft ist
der göttliche Funke zwischen Menschen
die einander verstehen
ohne sich erklären zu müssen
und die sich mögen
ohne Gegenleistung zu erwarten

Sie entsteht
wenn wir uns gegenseitig
als unschätzbare Bereicherung betrachten
voneinander lernen
ohne Angst nicht zu genügen

Freundschaft kennt
keine Vorbedingungen
nur gegenseitiges
sich erkennen
und die Gewissheit
richtig zu sein

Sie bemisst sich nicht
nach festgelegten Zeitspannen
sondern an der Intensität
und an der Gelöstheit der Begegnung
und sie bemisst sich
nach dem Vertrauen
das wir uns gegenseitig
zu schenken vermögen

Für mich ist sie
das größte Geschenk
das Menschen einander
machen können

Begegnungen

Das Thema "Begegnungen" und mit ihm untrennbar verbunden mein Verhältnis zu mir selber, hat in jüngster Zeit für mich wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es in erster Linie um die Wechselwirkungen zwischen der "Substanz", oder Qualität einer solchen Begegnung, und der Ausprägung meines Selbstwert-Gefühls, meiner Selbstsicherheit in diesem Moment. Und Letzteres hängt natürlich immer auch davon ab, wie es mir aktuell geht, und welcher Art meine Erfahrungen und Erlebnisse in den Tagen und Wochen zuvor waren.
Gerade Selbstzweifel begleiten mich schon mein Leben lang, und wenn ich in jüngster Zeit Erfahrungen gemacht habe, die ihnen ausreichend Nahrung bieten, dann hat das unmittelbare Auswirkungen darauf, wie eine Begegnung, ein Gespräch - insbesondere mit Fremden - sich aus meiner Perspektive entwickelt, und natürlich ebenso auf meine "Außenwirkung". Gerade gegenüber Fremden ist Mensch automatisch immer darauf bedacht, einen möglichst guten Eindruck von sich zu vermitteln - umso mehr, wenn es tatsächlich um etwas Wichtiges geht, wie beispielsweise einen neuen Job, oder auch bei einem ersten Date. Und hier kommt ein weiterer Gesichtspunkt ins Spiel: Authentizität.
Bis vor einigen Jahren habe ich gerade diesem Aspekt nur wenig Bedeutung beigemessen. Unsicher und gehemmt wie ich war, wollte ich um jeden Preis einfach nur ein optimales Bild von mir vermitteln, und meine Schwächen und Unsicherheiten möglichst vollständig "unter den Tisch fallen lassen" - aus Angst vor Unverständnis und Zurückweisung. Das ist mittlerweile anders: Authentizität ist zu einem wichtigen, ja unverzichtbaren Bestandteil meiner Lebensführung geworden. Und das nicht zuletzt aus der Erkenntnis heraus, dass ich es ohnehin nie allen Menschen werde recht machen können, und, weil ich gelernt habe, dass erst alle Facetten eines Menschen das Bild vollständig werden lassen.
Noch immer erfahre ich gelegentlich Ablehnung und Zurückweisung, und noch immer fühle ich mich dadurch verletzt und traurig. Aber es bestärkt mich auch in meinem Weg. Denn die Sympathien, die ich für meine Offenheit ernte, wiegen die Ablehnungen reichlich auf. Und ich erfahre im Gegenzug viel mehr Offenheit und Vertrauen als früher. Und ich fühle mich von Mal zu Mal sicherer, wenn ich Menschen begegne - auch an schlechten Tagen.

Sonntag, 26. Juni 2016

Unwägbarkeiten

Nicht alles im Leben ist planbar
und auch nicht voraussehbar
Und das ist
auch gut so
selbst wenn es manchmal
Manches vereinfachen würde

Hätte ich mein Leben
minutiös planen können
was wäre aus mir geworden?
Jedenfalls nicht der Mensch
der ich heute bin
und den ich eigentlich
ganz gut leiden kann

Aber manchmal
wäre es einfach schön
den Ausgang bestimmter Situationen
voraussagen zu können
für den Seelenfrieden
und für die Gewissheit
keinen Fehler gemacht zu haben

Ich mag meine Fehler nicht
weil sie zu oft vermeidbar wären
ginge ich die Dinge
mit mehr innerer Ruhe
und Gelassenheit an
anstatt sie übers Knie zu brechen

Aber es liegt nicht
an den Dingen
denn sie sind so wie sie sind
sondern es ist an mir
mich zu ändern
und den Unwägbarkeiten
gelassener gegenüberzutreten

Samstag, 25. Juni 2016

Angst und Ethik

Intensive und wirklich authentische Begegnungen mit mir noch unbekannten Menschen sind Neuland für mich, und damit ungewohnt und auch bisweilen ein wenig beängstigend.
Es ist einerseits eine ungewöhnlich schöne Erfahrung, sich auf Augenhöhe und ohne falsche Scham zu begegnen - und dabei zu beobachten, wie man sich zunehmend öffnet und bereit ist, mehr von sich preiszugeben. Aber gerade dann haut mich die Wucht der plötzlichen Intensität und Verbindlichkeit dieser Begegnung vorübergehend aus den Schuhen.
In der Vergangenheit musste ich immer wieder die Erfahrung machen, dass meine Offenheit und Ehrlichkeit nicht honoriert wurden - und wenn, dann nur in der Hinsicht, dass das so über mich Erfahrene unversehens und auf äußerst perfide Weise als "Waffe" gegen mich eingesetzt wurde. Das hatte für viele Jahre zur Folge, dass ich mich gegenüber allen Menschen nicht mehr vollständig öffnen konnte und wollte. Zu groß war die Angst vor neuen Verletzungen und Zurückweisungen. Und diese Angst ist bis heute (wenn auch in deutlich abgeschwächter Form) geblieben. Das macht es mir nicht leicht, mich auf neue Begegnungen tatsächlich einzulassen, auch wenn inzwischen die positiven Erfahrungen überwiegen und ich eigentlich weiß, dass mir nichts passieren kann und es ausschließlich in meiner Entscheidung liegt, was ich zulasse und was nicht.
Diese alten und tiefsitzenden Ängste bringen mich aber leider immer wieder dazu, überstürzt, und aus einem unwillkürlichen Fluchtreflex heraus, Situationen zu beenden, die ich eigentlich genieße, und deren Einzigartigkeit mir vollendes bewusst ist. Und dieser Fluchtreflex betrifft leider nicht nur mich, sondern auch mein Gegenüber, indem er oder sie durch mein Verhalten, ohne eigenes Zutun und unverschuldet verletzt und enttäuscht werden. Das ist eine bittere Erkenntnis, die so garnicht zu meinem neuerworbenen Selbstbewusstsein und zu meinem Selbstbild als reflektiertem und bewusst ethisch denkendem und handelndem Menschen passen will. Außerdem verursacht sie bei mir Schuldgefühle und Ratlosigkeit, mit denen ich erst recht nicht umgehen kann. Denn wie soll ich einem Menschen gegenübertreten (sofern er oder sie mir überhaupt noch einmal die Chance dazu bietet), den ich bewusst handelnd vor den Kopf gestoßen und möglicherweise enttäuscht habe?
Die Worte "es tut mir leid", oder "bitte entschuldige" klingen für mich in diesem Kontext hohl und abgenutzt, denn sie werden zu oft als bedeutungslose Floskel missbraucht - ohne wirklich ernsthaft gemeint zu sein.
Der Begriff "um Verzeihung bitten" beeinhaltet den Wunsch nach einem Neuanfang, bei dem das Geschehene zwar nicht vergessen ist, aber zumindest vorübergehend und quasi "auf Bewährung" außer Kraft gesetzt werden möge - verbunden mit der Erkenntnis des Verursachers, an seinen Fehlern mit aller Konsequenz zu arbeiten, und sie zukünftig rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Vielleicht ist das ein möglicher Weg.

Freitag, 24. Juni 2016

...und der Zukunft zugewandt

Ich habe sehr viel Lebenszeit damit verbracht, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, und sie damit quasi immer wieder aufs Neue - mich selber damit quälend - heraufzubeschworen. Es hatte einen gewissen perversen Reiz für mich, in der Vergangenheit zu leben, denn die Gegenwart, und mit ihr auch die Zukunft, sahen trostlos und wenig ermutigend für mich aus. Aber die Vergangenheit war ja auch nicht besser - und meine Erwartungen, meine Visionen basierten ausschließlich auf ihr - nebst meinen düsteren und pessimistischen Gedanken.

Nicht immer lässt es sich vermeiden, zurück zu blicken, denn Erinnerungen sind nur begrenzt kontrollierbar. Aber in der Depression bekommt das Ganze eine eindeutig zwanghafte Nuance, die es einem unendlich schwer macht, sich vom Vergangenen zu lösen, und sich beim Blick nach Vorn auf die eigenen Stärken und die (wenn auch nur verdeckt) vorhandenen positiven Erinnerungen zu beschränken. Das macht es zu einem äußerst kräftezehrenden Kampf mit sich selber um die Deutungshoheit der eigenen Biografie. Und man sollte sich dabei nie zu sicher sein, den endgültigen Sieg davongetragen zu haben, denn die eigene negative Prägung ist ein tückisches Miststück, das auch nach längerem Wohlbefinden noch immer in einer dunklen Ecke lauert, und hämisch grinsend auf seine Chance wartet. Ich habe das alles gerade in den letzten Wochen wieder erleben dürfen. Und es passiert bevorzugt in solchen Situationen, die mit einer großen inneren Anspannung verbunden sind, wie beispielsweise Stress auf der Arbeit, oder emotionale Begegnungen mit anderen Menschen, die zwangsläufig die Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter beflügeln.

Der Kampf ist also niemals endgültig vorbei. Aber die "Ruhephasen" werden mit der Zeit länger, und sie gewinnen an Stärke und an Bedeutung für die nächste Herausforderung. Das Vertrauen in das eigene Vermögen, die eigenen Stärken, nimmt dabei ständig zu und erleichtert den Umgang mit den Schatten der Vergangenheit. Und es ist eine gute Übung, diesen Situationen nicht auszuweichen, sondern sich ihnen ganz bewusst zu stellen, sie auszuhalten - soweit und so lange es die eigenen Kräfte zulassen. Auch scheinbare Niederlagen können in Wirklichkeit ein Gewinn sein - zumindest in dem Sinne, gut auf sich Acht gegeben zu haben, und Gefahren für das eigene Wohl rechtzeitig erkannt und beseitigt zu haben. Früher war mein Leben wie eine Achterbahn, aus der es keinen Ausstieg gab. Heute hingegen steige ich rechtzeitig aus - bevor ich kotzen muss.





Donnerstag, 23. Juni 2016

Durchatmen

Die Woche ist fast geschafft... und ich auch! Die letzten Tage waren immens turbulent und kräftezehrend, aber sie sind auch der lebende Beweis für meine neugewonnene Stärke. Wäer mir das alles vor einem Jahr widerfahren, so hätte ich mich höchstwahrscheinlich postwendend in die nächste langanhaltende Depression verabschiedet - inklusive einer ordentlichen Portion Selbsthass und Vorwürfe über mein schmähliches Versagen.

Jetzt habe ich mir eine Ruhepause verdient: Schlafen, Musik hören, Wohnung entrümpeln, rumgammeln und mich neuen literarischen Projekten zuwenden - wenn der Kopf wieder frei ist, und der ganze Krempel, der mit einer Kündigung so einhergeht, komplett abgearbeitet ist.

Seelischer Stress lässt mich immer - sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinn - kurzatmig werden. Ich merke das an meiner Sprache, die zunehmend gehetzter und verwaschener klingt. Jetzt kann ich wieder durchatmen, und das ist eine wahre Wohltat! Mit mir und meiner Entscheidung bin ich im Reinen und kann das Geschehene als durchaus wertvolle Erfahrung verbuchen. Und ich weiß: in Zukunft werde ich mehr auf mein Bauchgefühl achten, und Arschlöchern viel konsequenter aus dem Weg gehen.

Wie heißt es so schön? Locker durch die Hose atmen und den Tag genießen!

Mittwoch, 22. Juni 2016

Erschöpfungszustand

Wenn meine Gedanken
mitten im Enstehen
schon wieder einschlafen
und sich auf diese Weise
meiner Kontrolle entziehen

Wenn mein gesprochenes Wort stockt
und ich um fast jedes
mal wieder ringen muss
um hörbar zu bleiben

Wenn meine Gedanken und
meine Sprache gemeinsam
ihren Dienst verweigern
dann ist das völlige Erschöpfung

Und diesen Zustand
hasse ich von Herzen
denn er macht mich reizbar
und zum willfährigen Ziel

Und es kostet mich
unendlich viel Kraft
ihn vor Unbefugten
zu verbergen

Dienstag, 21. Juni 2016

Bauchgefühl und Befreiungsschlag

Ich hätte eher auf mein Bauchgefühl hören müssen. Oder zumindest können. Oder auch beides. Aber manchmal ist der Wunsch nach "Normalität" eben stärker als die eher leisen Bedenken, die von Beginn an präsent waren, als ich mich auf den Arbeitsvertrag eingelassen habe. Dabei habe ich gespürt, dass Unzuverlässigkeit und Wankelmut keine Eigenschaften sind, auf denen man ein Arbeitsverhältnis gründen sollte - ebenso wenig wie auf das von Anfang an sehr deutlichen Gefühl, am falschen Platz zu sein, und etwas zu tun, das einem völlig fremd ist. Aber ich habe gezögert und die Bedenken ignoriert - denn ich wollte es nochmal wissen - um (fast) jeden Preis. Aber am Arbeitstag regelmäßig mit Beklemmungen aufzuwachen, diese mehr oder minder erfolgreich mit einem sehr auto-suggestiven "Du schaffst das schon!" runterzuschlucken, um dann mit großer Erleichterung und ebenso großer seelischer Erschöpfung den Arbeitsplatz nach getaner Arbeit zu verlassen - lässt sich nicht lange durchhalten. Genauer gesagt: bis gestern.

Es war in jedem Fall naiv von mir anzunehmen, ich könne von meinen Mitmenschen - insbesondere vom Arbeitgeber - Verständnis, oder gar Mitgefühl für meine doch sehr komplexen seelischen Befindlichkeiten erwarten. Und ich bin auch in diesem Punkt sehr deutlich eines Besseren belehrt worden. Das war schmerzhaft, hat mich für einen Moment in meinem Selbstverständnis, meinem Selbstwertgefühl wanken lassen, aber es hat mich auch letztendlich sehr deutlich in meiner Entscheidung bestärkt.

Mir selber einzugestehen, dass ich einen Fehler begangen habe, ist mir noch nie leicht gefallen. Ebenso wenig, wie die Stimmen in meinem Kopf zu besänftigen, die mir einzuflüstern versuchen, ich hätte mal wieder versagt, hätte mich nur zusammenreißen und mehr anstrengen müssen - dann wäre schon alles gut gegangen. Vielleicht wäre es das. Aber zu welchem Preis? Schließlich kenne ich meine Grenzen und weiß, was geschieht, wenn ich diese mutwillig überschreite - beseelt von dem Wunsch nach Anerkennung, nach "Normalität" und Unauffälligkeit im Reich der "Gesunden". Aber bin ich im Umkehrschluss auch tatsächlich "krank", wenn ich diesem Reich nicht angehöre? Für mich setzt Krankeit Leiden voraus. Aber ich leide nicht, sondern lebe mit Einschränkungen, oder Begrenzungen, innerhalb derer ich mich relativ ungezwungen und vor allem frei bewgen kann. Es wird also darum gehen, etwas zu finden, das zu meiner Begrenztheit kompatibel ist. Das ist keine leichte Aufgabe, aber ich verfüge über alle Mittel, sie zu lösen. Und über Bauchgefühl.