Dienstag, 31. Mai 2016

Grenzen

Es gibt Momente
in denen ich zu anderen Menschen
nicht kompatibel bin

Ihre und meine
Emotionen
verwirren und mischen sich dann
in einem für mich
zu unübersichtlichem
Knoten
ohne Anfang
und ohne Ende

Es macht mir Angst
wenn ich meine Begrenzung
zu verlieren drohe
denn ohne Grenzen
finde ich mich nicht

Und gerade habe ich
mich wiedergefunden
neu und Neues entdeckt


Und das ist gut so
denn ich kann mich doch
daran festhalten


Montag, 30. Mai 2016

Herz und Verstand

Ich bin manchmal zu intelektuell. Das rührt daher, dass es um ein Vielfaches leichter ist für mich, Situationen, Erinnerungen - also Dinge die mich beschäftigen - losgelöst von den mit ihnen verbundenen Emotionen zu betrachten und zu beschreiben. Wobei: so ganz stimmt das nicht, denn natürlich lassen sich auch bei mir die Gefühle nicht vollständig ausblenden. Sie sind und bleiben ein wesentlicher Bestandteil der Erlebten. Aber es ist leichter, statt mit ihnen über sie zu schreiben.

Es schafft eine angenehme und erleichternde Distanz, sich Schwierigem auf rein intelektueller Ebene zu nähern. Aber wer sich auf das so Entstandene wirklich einlässt, der spürt eben diese Distanz, und vermisst möglichweise das eigentlich so wichtige und bereichernde Zusammenspiel beider Erlebnisebenen. Dabei bin ich ein Mensch mit einem sehr ausgeprägten und differenzierten Gefühlsleben. Und interessanter Weise gelingt es mir, dies in meinen Gedichten auch unmittelbar und authentisch zum Ausdruck zu bringen. Das mag daran liegen, dass sie in ihrer Form völlig frei sind von dem Korsett korrekter Grammatik und den Regeln eines festgefügten Satzbaus. Oft reicht ein einzelnes Wort, um einen ganzen Kosmos auszudrücken. Sie sind unmittelbar, und manchmal heftig. Aber genau das macht sie im Gegensatz zur Prosa auch unberechenbar in ihrer Wirkung.

Wenn ich mir Zeit nehmen muss, um einen Satz vollständig und zu meiner Zufriedenheit auszuformulieren, dann gibt mir das gleichzeitig die Gelegenheit, abzuwägen und zu relativieren, zu entschärfen - wenn auch oft unbewusst. Bei Gedichten funktioniert das nicht.

Als ich "Grenzgänger" geschrieben habe, war mein Verstand gleichzeitig auch mein Schutz. Und diesen Schutz zu haben, war überlebenswichtig. Nur mit seiner Hilfe konnte ich mich meinen Erinnerungen und Traumata überhaupt stellen - allerdings um den Preis der Unvollständigkeit und der offensichtlichen Distanziertheit zu meiner eigenen Biografie. Und damit fehlt ein wesentliches Element, um aus meinem Buch tatsächlich Literatur werden zu lassen. Für einen Erstling ist das in Ordnung, wenn es auch ein wenig an meinem Hang zum Perfektionismus kratzt.

Für mich ist es eine wichtige Aufgabe daran zu arbeiten, Verstand und Herz beim Schreiben ins Gleichgewicht zu bringen. Wie, und ob es mir überhaupt gelingt, weiß ich noch nicht. Aber es ist mein Weg!






Sonntag, 29. Mai 2016

Impulsivität

Manchmal
verletze ich Menschen
ohne es zu wollen
stoße sie
von mir und
vor ihren Kopf

Dabei sind es
nicht einmal sie
die gemeint sind
sondern
ich lasse sie büßen
für die Handlungen
anderer
die ich nicht mehr
erreichen kann

Und tue damit
nicht nur ihnen weh
sondern auch mir
reiße Wunden wieder auf
so als ob
ich es nicht ertragen könnte
andere Menschen
tatsächlich
in mein Leben zu lassen

Manchmal glaube ich
meine unkontrollierbare
Impulsivität
meine Wut
sind noch immer
die
nach Innen geweinten Tränen
des vernachlässigten
kleinen Jungen
der ich war
und lasse es nicht zu
dass sie getrocknet werden

Manchmal

Manchmal
passe ich einfach nicht zusammen
und es fehlen
die elementarsten Puzzleteilchen

Kann mich nicht zusammensetzen
und Kopf und Herz

wollen und
finden
nicht zueinander

Bin noch immer
unvollständig
und fühle
es klafft
noch immer eine Wunde




Irritationen

Gestern habe ich unversehens eine ehemalige, und damals wirklich gute Freundin wiedergetroffen. Und vom Gefühl her war das so ähnlich, als ob man plötzlich einer ehemaligen Geliebten gegenübersteht, die einen schmählich im Stich gelassen hat. Dabei hatten wir nie etwas miteinander - und zumindest von meiner Seite aus war das auch nie wirklich eine Option. Dafür waren wir viel zu unterschiedlich, und sie war mir immer eine Spur zu exzentrisch und selbstbezogen. Aber sie war eine gute Freundin, mir sehr wohlgesonnen und zugewandt - auch in schlechten Zeiten, was nicht selbstverständlich ist.

Auch ich bin immer für sie dagewesen - hatte immer und zu wirklich jeder Zeit ein offenes Ohr für ihre Probleme und ihre Anliegen, und habe dabei über Vieles hinweggesehen: auch über die Verächtlichkeit und den Zynismus, mit denen sie über ehemalige Freunde und Partner gesprochen hat - und dabei nie über die eigene, und niemals selbstverschuldete Opferrolle hinauskam. Aber ich kannte ihre Geschichte - zutiefst verstörend und vieles an ihrem Verhalten erklärend. Sie hatte mein Mitgefühl, das mich für lange Zeit unkritisch werden, und mein immer wieder aufkeimendes Unwohlsein sowohl verdrängen, als auch mich immer wieder schützend vor sie stellen ließ.

Und dann war es ohne Vorwarnung plötzlich vorbei. Ohne Erklärung, und ohne die Chance auf ein bereinigendes Gespräch. Und ohne Ergebnis habe ich mich in einer Endlosschleife gefragt, ob es an mir gelegen haben könnte - an etwas, was ich gesagt oder getan habe, das sie so sehr verletzt hat, und sie dazu bewogen haben könnte mich "abzuschießen".

Ohne Erfolg und über Monate habe ich versucht, eine Antwort zu bekommen. Dabei ist mir sehr schmerzlich bewusst geworden, wie sehr ich ungeklärte Situationen hasse, und wie wichtig es für mein Seelenheil ist, Antworten zu bekommen und ernst genommen zu werden. Keiner Antwort gewürdigt zu werden, ist verletzend und äußerst respektlos. Und das habe ich sie unmissverständlich wissen lassen. Möglichweise habe ich sie damit zusätzlich in ihrem Entschluss bestärkt, aber manchmal ist es richtig, das augenscheinlich Falsche zu tun. Für den eigenen Seelenfrieden.

Und gestern? Lediglich ein kurzes "Wie geht's dir?" und "wir müssen weiter!" Höflich und nichtssagend, als sei nichts von Bedeutung vorgefallen. Manchmal ist es eben besser, einen Menschen einfach gehen zu lassen.




Donnerstag, 26. Mai 2016

Therapieerfolge und auf der Suche

Seit ziemlich genau einem Jahr mache ich (mal wieder) eine Psychotherapie - und das erste Mal in einer Gruppe. Ich hatte mich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem es mir im Frühjahr des letzten Jahren derart beschissen ging, dass ich so beklemmende und angsteinflößende, wie reale  Selbstmordgedanken hatte.
Eigentlich wollte ich wieder eine Einzeltherapie, denn der Gedanke, in einer Gruppe von Menschen über meine innersten Gefühle und Gedanken zu sprechen, bereitete mir großes Unbehagen. Aber schließlich willigte ich ein, nachdem mir die Therapeutin Mut machte, und ich von der Richtigkeit ihrer Einschätzung überzeugt war.
Anfangs tat ich mich schwer. Ich fühlte mich gehemmt, und es kostete mich jedes Mal große Überwindung, Persönliches preiszugeben. Mit der Zeit wurde es leichter, denn ich erfuhr großen Rückhalt und Verständnis in der Gruppe, und es entwickelte sich ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Die wöchentlichen Sitzungen wurden zu einem Fixpunkt in meiner Woche, auf den ich mich jedes Mal beinahe schon freute. Aber es gab auch Zeiten, in denen ich mich innerhalb der Gruppe isoliert und unverstanden fühlte - ohne eigenes, ausgefülltes Leben, um das ich die Anderen beneidete. Und ohne es selber zu bemerken, begann die Veränderung: ich fing an, mich erstmals wirklich ernsthaft und kritisch mit mir und meinem Leben auseinanderzusetzen. Dabei herausgekommen ist mein Buch "Grenzgänger" - mein persönlicher Befreiungsschlag.
Ich bin seit etwa zehn Jahren allein. Und ich glaube, bis jetzt hätte eine Partnerschaft auch nicht funktioniert, weil ich viel zu sehr mit meiner Vergangenheit verstrickt war, und ein sehr unvorteilhaftes Selbstbild hatte. Es hätte mich, und es hätte die Frau an meiner Seite überfordert, gemeinsam mit mir und dem Paket leben zu müssen, das ich seit meiner Kindheit mit mir herumgeschleppt habe. Und außerdem: ich wäre viel zu verängstigt gewesen, um einen anderen Menschen überhaupt an mich heranzulassen - eine Grundvoraussetzung für eine wirkliche Beziehung.
Jetzt habe ich ein neues "Projekt": Ich suche eine Lebenspartnerin! Vor ein paar Tagen habe ich eine Kontaktanzeige geschaltet und mich beim Onlinedating angemeldet. Und bevor jetzt spöttische Kommentare kommen: Es liegt mir nicht sonderlich, fremde Frauen anzusprechen, und ich bin kein Kneipen- oder Clubgänger. Das schränkt meine Möglichkeiten etwas ein, eine Frau kennenzulernen. Außerdem fällt es mir schwer, Frauen einfach anzusprechen, und die Resultate, die ich früher in betrunkenem Zustand erzielt habe, waren nicht sehr überzeugend, geschweige denn von Dauer.
Es ist also ein längerfristigeres Unterfangen, das ich begonnen habe. Aber es ist eine bewusste Entscheidung. Denn ich habe in den letzten Monaten bemerkt, dass Frauen mich wieder interessieren, und ich wieder empfänglich für Flirts und weibliche Reize bin. Das war lange Zeit anders. Also Mädels: da bin ich!

Mittwoch, 25. Mai 2016

Kritikfähigkeit

Vor nicht allzu langer Zeit hat Kritik - und war sie noch so positiv formuliert - mich immer zutiefst verunsichert. Sie brachte mich dazu, mich und meine Lebensführung, und mein Selbstverständnis grundsätzlich infrage zu stellen, und ließ mich an allem zweifeln, was ich meinte erreicht zu haben. Und aus diesen Gründen war Kritik für mich immer vor allem Eines: Übergriffig!
Ich fühlte mich in meiner Gesamtheit unzulässig angegriffen und nicht ernstgenommen. Dabei spürte ich in meinem Inneren, dass die Kritik an mir nicht grundsätzlich falsch war, und dass meine Handlungsweisen nicht in jedem Fall für Alle nachvollziehbar, oder logisch waren. Im Gegenteil: ich selber konnte mich und mein Tun oftmals nur schwer verstehen, denn es war sprunghaft und impulsiv, und oft auch nur ein Akt blanker Verzweiflung.
Noch heute löst Kritik bei mir als allerersten Impuls Verunsicherung aus. Zwar begreife ich sie nicht länger als Generalangriff auf mich, aber es fällt mir noch immer schwer, sie als das zu begreifen, was sie (in den meisten Fällen) ist: wohlmeinende und differenzierte Auseinandersetzung mit mir, gepaart mit echtem Interesse.
Die Leser meines Buches wissen, dass Aufmerksamkeit für mich früher immer eine äußerst negative und angstbesetze Angelegenheit war, die zu häufig mit Demütigungen und Vorwürfen einherging. Dass sie auch wohlwollend, oder gar liebevoll gemeint sein könnte, war in meinen Erwartungen überhaupt nicht vorgesehen. Für Viele mag das unvorstellbar sein - für mich war es bittere Realität.
Allmählich lerne ich, dass Kritik, wie so vieles im Leben, zwei Seiten hat, oder haben kann. Sie kann bösartig sein und darauf abzielen, den anderen zu verletzen. Aber in vielen Fällen - und das beziehe ich ausdrücklich auch auf mich und die Menschen in meinem Umfeld - ist sie konstruktiv und ermutigend gemeint. Sie bietet mir die Chance zu wachsen und zu lernen. Und es liegt an mir, sie ergreifen.

Montag, 23. Mai 2016

Eine erste Rezension zu "Grenzgänger"

Der Dichter, Autor und Blogger Hermann Borgerding ( "Extraball", "Ausgehöhlt") hat eine wirklich schöne und sehr ehrliche Rezension zu "Grenzgänger" verfasst, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

"Über “Grenzgänger” von Eckhard Neuhoff

Es gehört viel Mut dazu, sich öffentlich zu seiner psychischen Erkrankung zu bekennen. Es gehört noch mehr Mut dazu, dies offensiv in der Öffentlichkeit zu teilen und zu publizieren. Eckhard Neuhoff macht dies in seinem Blog „Gedankenwelt eines Psychos“ (https://eckhardneuhoff.blogspot.de/) hervorragend. Nun hat er mit „Grenzgänger“ sein erstes Buch veröffentlicht ( BoD, ISBN: 9783839167373). Und er reflektiert offen und ehrlich sein bisheriges Leben und seine Erkrankung, lässt uns an seinen autotherapeutischen Gedanken teilhaben und lädt uns ein, „ihn ein Stück des Weges zu begleiten, sich selber und sein Leben in seinen Zusammenhängen und Widersprüchen besser zu verstehen“. Keine Unterhaltungsliteratur, eben „autobiografische Fragmente“ und ein Text, der manchmal weh tut, aber oft hilft, psychisch kranke Menschen zu verstehen, ohne allzu belehrend rüber zu kommen. Und damit ein wichtiger Text. Eckhard Neuhoff bleibt im „Grenzgänger“ trotz seiner Offenheit merkwürdig distanziert, bis auf eine Szene werden autobiografische Erlebnisse nur vage angerissen und in einem eher allgemeinen Kontext gesetzt. Schade: Ich hätte mir gerne mehr Szenen, wie sein Eigenzitat aus einem älteren Text gewünscht. Da schreibt Neuhoff eindringlich und äußerst stark von seinem Leben in einer depressiven Phase. „Ich werde müde und gehe ins Bett. Wieder ein Tag geschafft. Aber morgen geht die Scheiße wieder von vorne los…“ Aber Neuhoff schreibt auch, dass es ihn darum ging, „bestimmte Entwicklungen und Verhaltensweisen in einen für mich schlüssigen und erklärenden Zusammenhang zu bringen, und andere Menschen an diesem oft mühsamen Weg teilhaben zu lassen.“ Und das ist ihm gelungen. Einen großen Teil nimmt die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zu seiner Mutter ein. Und das zu lesen ist schmerzhaft. Ich frage mich, ob es ein Problem unserer Generation (zwischen 1960 und 1979 geboren) sein kann, da ich in vielen Gesprächen ähnliche Erlebnisse gehört habe. Aber bevor ich jetzt ausschweifend werde, mein kurzes Schlußfazit:
Lesen! Und sei es „nur“, um sich mal Gedanken zu seiner eigenen Sozialisation zu machen. Und: Danke, Eckhard! Für deinen Mut! Go on!"

"Wachstumsschmerzen"

Den Begriff "Wachstumsschmerzen" gibt es tatsächlich. Und eigentlich beschreibt er eine ebenso unklare, wie schmerzhafte Symptomatik bei Kindern in der Wachstumsphase. Als ich aber neulich mit einer lieben Freundin telefonierte, gebrauchte sie diesen Begriff in Verbindung mit meiner momentanen Situation. Und sie hatte womöglich recht: Ich versuche zur Zeit, mich in meinem neuen Leben zurechtzufinden, und bin immer wieder mit Situationen konfrontiert, die mich zwar nicht direkt überfordern, mir aber trotzdem sehr deutlich machen, wie ungeübt ich in Vielem noch bin. Und gleichzeitig meldet sich das altbekannte Gefühl Angst nebst Fluchttendenzen, und führt mich in Versuchung, nach ihrem Schema auf die Herausforderungen zu reagieren, die mir in meinem neuen Leben begegnen.

Es ist tatsächlich ein neues Leben, mit dem ich begonnen habe. Und es ist etwas geschehen, das ich nie wirklich für möglich gehalten habe: ich habe meine Traumata überwunden! Nun bin ich kein anderer Mensch geworden - quasi ohne jede Vergangenheit und ohne präsente Erinnerungen an das Geschehene. Aber es ist mir gelungen, das Vergangene tatsächlich zu reintegrieren und ihm den Platz zuzuweisen, der ihm gebührt. Und damit ist der Weg frei, mich auf Gegenwart und Zukunft zu konzentrieren, ohne ständig zurück zu blicken und mich mit meinen Fähigkeiten aufgrund der Vergangenheit infrage zu stellen. Ich kann mich ausprobieren, muss aber dabei meine natürlichen Grenzen beachten, denn sie resultieren aus der Vergangenheit. Zwar sind sie nicht statisch, und lassen sich möglicherweise noch ein wenig nach Außen versetzen, aber sie sind vorhanden.

Zur Zeit erlebe ich eine Fülle von Neuem: Ich agiere mit anderen Menschen tatsächlich auf Augenhöhe und in dem Bewusstsein, ihnen ebenbürtig zu sein. Ich bin mutiger geworden und traue mir deutlich mehr zu als zuvor. Das ist unfassbar schön, aber eben auch ungewohnt und geht mit einer Art von "seelischem Muskelkater" einher. Und ich muss aufpassen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Das fordert mich und wird einige Zeit brauchen, bis es "normal" ist. Aber zum ersten Mal kann ich aus voller Überzeugung sagen: "ich habe ein schönes Leben!"




Sonntag, 22. Mai 2016

Beschränkte Sicht

Ich bekenne mich dazu, politisch links zu stehen, und zwar deutlich links von der ehemals sozialdemokratischen SPD. Aber im Gegensatz zu parteiideologisch, oder durch hasserfüllte Weltanschauungen in ihrer Sichtweise eingeschränkte Polemiker vom Schlage eines Thilo Sarrazin, einer Frauke Petry, oder einer Alice Schwarzer, bemühe ich mich dennoch um eine möglichst weite und unideologische Betrachtung des aktuellen Geschehens. Dabei ist das gerade in den Momenten, wo gegen Muslime und Flüchtlinge gehetzt wird, und die Menschen, die sich deutlich gegen Fremdenhass positionieren, massiv angefeindet werden, garnicht so leicht. Denn anscheinend gibt es zur Zeit nur zwei zulässige, diametral entgegengesetzte Positionen: Auf der einen Seite die völlig kritiklose Willkommenskultur, und auf der anderen Seite die völlige Abschottung und die rigorose Ausweisung aller Flüchtenden. Dabei sind sich die Flüchtlingsgegner nicht einmal zu schade, mit oft erfundenen, oder gefälschten Skandal-Nachrichten (angebliche Übergriffe, weggeworfene Nahrung, etc.) in bester Stürmer-Manier Stimmung zu machen. Oder sie greifen sofort zum ultimativen Mittel, und setzen Flüchtlingsunterkünfte in Brand, und nehmen dabei völlig amoralisch und unbewegt zum Teil auch Tote und Verletzte billigend in Kauf.

Ich gestehe: es wird zunehmend unübersichtlich für mich, was genau wo aus welchen Gründen passiert, und wenn unsere Bundeskanzlerin gegen mein moralisches Empfinden dreckige Deals mit dem neuen, selbsternannten türkischen Sultan eingeht, dann wird mir schlecht. Das gilt aber gleichermaßen auch für den aus meiner Sicht zu milden, und inkonsequenten Umgang mit straffällig gewordenen Flüchtlingen, die dem deutschen Rechtsstaat grinsend den Mittelfinger zeigen. Und in ganz besonderem Maße gilt das für die Intelligenzallergiker von der AfD (Ach fick Dich), die sich bemühen, ihren ungefilterten Hass in ein perfides, bürgerliches Gewand zu kleiden.

Für mich galt, und gilt noch immer: Es gibt kein Schwarz- Weiß im Leben, und jede Sichtweise ist eingeschränkt, und durch persönliche Erfahrungen geprägt. Man sollte nur so ehrlich sein, sich dazu zu bekennen, und nicht versuchen, sie als allgemein gültige Wahrheit zu verkaufen. Das ist unethisch! 








Samstag, 21. Mai 2016

Erwägungen

Böse Zungen könnten behaupten, ich sei wankelmütig und nicht imstande, konsistente Entscheidungen zu treffen. Und in der Tat gleicht die letzte Woche eher einer Achterbahnfahrt widerstreitender Gefühle, als einem ruhigen und überlegten Abwägen.

Insgesamt waren die letzten drei Wochen recht schwierig für mich. Ich habe begonnen zu arbeiten, fühlte mich erschlagen von der Fülle an Informationen und den zu bewältigenden Aufgaben, und ich hatte Angst um mein seelisches Gleichgewicht. Gleichzeitig habe ich darum gekämpft, den Überblick zu behalten, um keine voreilige und überstürzte Entscheidung zu treffen, so wie ich es früher getan hätte.

Tatsache ist, der neue Job ist schwierig für mich. Er stellt mich vor ungewohnte Herausforderungen, was die Arbeitsmenge und das notwendige Arbeitstempo betrifft. Zusätzlich habe ich Sorge, die Anforderungen der Tätigkeit auf Dauer nicht erfüllen zu können - auch wenn ich den Eindruck habe, dass meine Vorgesetzten alles dafür tun, um mir den vor allem selbstgemachten Erfolgsdruck zu nehmen. Das ist einerseits eine sehr schöne Erfahrung. Aber andererseits stellt sich mir die Frage, wie lange das so funktionieren kann. Denn schließlich arbeite ich nicht in einer Behinderteneinrichtung, sondern in einem Unternehmen, wo die Abläufe auf Dauer einfach funktionieren müssen, und die Aufgaben innerhalb bestimmter Fristen erledigt sein müssen.

Ich habe mich entschieden, diese wirklich große Herausforderung einstweilen anzunehmen. Es hat einen gewissen Reiz für mich auszuprobieren, in wieweit die "normale" Arbeitswelt und ich tatsächlich zueinander passen und es miteinander aushalten können. Und es ist eine wirklich schöne Erfahrung zu beobachten, dass meine Grenzen offensichtlich weiter gesteckt sind, als ich es bisher angenommen habe. Es bleibt also abzuwarten (und das mit ein wenig mehr innerer Gelassenheit).

Freitag, 20. Mai 2016

Durchhalten

Mein Leben ist deutlich komplizierter geworden, seitdem ich den Ballast der Vergangenheit weitestgehend abgeworfen habe. Das mag unter anderem daran liegen, dass ich mehr Mut zum Risiko entwickelt habe, mir mehr zutraue, und es zunehmend spannend finde, mich auszuprobieren.

Ich stoße jetzt deutlich öfter als vorher an meine Grenzen, und das ist anstrengend und fordert mich. Und manchmal sehne ich mich sehr kurzzeitig zurück in die Zeit, wo ich von alldem noch nichts wusste - zwar irgendwie unzufrieden war mit meinem Leben, aber auch keine konkreten Lösungen parat hatte. Das war deutlich einfacher, aber auch langweiliger. Aber in Wirklichkeit ist die Rückkehr in die Vergangenheit keine wirkliche Option. Ich würde freiwillig wieder in Resignation verfallen, hinter meinen Möglichkeiten bleiben, und das könnte ich mir nicht verzeihen.

 Es heißt: "Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben." Vielleicht bedeutet das in meiner Situation, dass ich mir einfach die nötige Zeit einräumen muss, um mich an das Neue, Unbekannte, und mich ein wenig Ängstigende zu gewöhnen. Aber das ist meine Archillesferse. Ich bin zu ungeduldig mit mir selber, und kann mir eigene Fehler nur sehr schwer verzeihen. Dabei gehören Fehler zum Leben dazu. Auch zu meinem. Und aus ihnen soll man bekanntlich lernen können - habe ich mal gehört. Was die Geduld betrifft: sie sollte mir dabei helfen können, alles ein wenig zu entschleunigen und einfach auf mich zukommen zu lassen. Denn passieren kann höchstens, dass mein Bauchgefühl sich bestätigt. Das ist dann keine Schande, sondern gesunde Selbsteinschätzung. Und auch daraus kann ich lernen.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Vorsicht: Vorstellungsgespräch

Ich habe heute ein Vorstellungsgespräch. Dieses Ereignis fügt sich gut in das ein, was Freunde von mir "meinen Lauf" nennen. Denn ich habe zur Zeit "einen Lauf": Vieles geht mir leichter von der Hand, und was noch vor Kurzem völlig unmöglich erschien, passiert einfach.

Das alles ist wunderbar, und ich weiß es zu genießen. Aber ich muss aufpassen, denn ungewohnte Erfolge lassen mich auch gerne unaufmerksam werden. Zeitweise bin ich so beflügelt und fühle mich derart im Erfolgsrausch, dass ich mögliche Gefahren und Stolpersteine ausblende, oder ignoriere. Ich denke dann, dass ich es schon schaffen werde, und dass es eine positive Herausforderung sei, der zu stellen mich nur weiterbringen kann. Und genau das hat mich in die jetzige, eher belastende als befriedigende Situation manövriert, aus der ich mich jetzt möglichst planvoll zu retten versuche. Da kommt ein Vorstellungsgespräch natürlich gerade recht. Aber es birgt eben auch die Gefahr, mich erneut in eine nur unzureichend durchdachte Situation zu begeben - ohne das Für und Wider sorgfältig abzuwägen, und kritische Punkte im Vorfeld zu hinterfragen.

Für heute habe ich mir deshalb vorgenommen, genau das zu tun: Einerseits werde ich natürlich versuchen, mich so gut wie möglich darzustellen, und auf alles souverän zu reagieren. Aber andererseits werde ich auch kritische Fragen stellen, um genau abschätzen zu können, ob die angebotene Stelle auch tatsächlich das ist, was ich längerfristig tun kann und möchte, ohne meine seelische Balance aufs Spiel zu setzen. Für dieses Mal gilt: Wenn ich nicht zu einhundert Prozent überzeugt bin, werde ich nicht zusagen!

Es wird mir schwerfallen so konsequent zu sein, denn ich möchte lieber heute als morgen aus der jetzigen Situation entkommen. Aber mich vom Regen in die Traufe begeben? Nein danke! Manchmal ist der Preis eben zu hoch, als dass ich ihn erneut zu zahlen bereit bin. Und ich billige auch mir  Lernfähigkeit zu - auch wenn es manchmal länger dauert.

Mittwoch, 18. Mai 2016

Rezensenten gesucht

Inzwischen haben einige liebe Mitmenschen mein Buch gelesen, oder haben es zumindest vor. Das freut mich sehr, denn ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, selbst mir unbekannte Menschen mit "Grenzgänger" erreichen zu können.

Noch viel schöner wäre es allerdings, wenn sich Menschen finden ließen, die Interesse daran haben, auch andere an ihren Gedanken und ihrer Einschätzung zu meinem Buch teilhaben zu lassen. Aus diesem Grund starte ich diesen Aufruf: Wer eine Rezension schreiben und veröffentlichen möchte, bekommt von mir auf Nachfrage ein kostenloses Exemplar - unter der Voraussetzung, dass ich im Gegenzug eine Kopie der Rezension bekomme und den Link, unter dem ich die Veröffentlichung nachverfolgen kann. Ich denke, das ist ein fairer Deal! Und noch etwas: ich erwarte keine Schmeicheleien, sondern ehrliche und gerne auch kritische Anmerkungen. Denn nur durch konstruktive Kritik kann ich lernen und auch mein Schreiben verbessern.

Anfragen dazu bitte über meine E-Mail-Adresse eckhardneuhoff@mail.de, oder über meine Facebookseite: https://www.facebook.com/neuhoffeckhard


Auf dem Weg

Manchmal erweist sich vermeintliche Sicherheit als äußerst trügerisch, und tiefsitzende Ängste kehren - wenn auch  in deutlich abgemilderter Form - unversehens zurück.

Meine momentane Jobsituation ist ein solcher Anlaß. Eigentlich habe ich alles im Griff: Ich erkenne rechtzeitig meine Überforderung, ziehe aus ihr die richtigen Schlüsse und bin bereit zum Handeln, indem ich mich nach Alternativen umschaue. Also alles richtig gemacht. Und trotzdem hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, wieder in Schockstarre zu verfallen - nebst der dazugehörigen Depression.

Dabei wäre eine vergleichbare Situation vor nicht allzu langer Zeit völlig anders verlaufen: Anstatt überlegt und planvoll zu handeln, hätte ich überstürzt das Handtuch geworfen - mit schlechtem Gewissen und der erneuten Bestätigung meines Versagertums. Ich hätte mich verschämt zurückgezogen, meine Depression und meine Verzweiflung gepflegt, und hätte panisch nach Auswegen gesucht. Fast zwanghaft hätte ich mich auf die Suche nach einer neuen Tätigkeit begeben, mich ausschließlich darauf fokussiert (wie beim letzten Mal) und mich nebst meiner Umgebung völlig vernachlässigt.

Neue Wege kosten viel Kraft. Das bemerke ich gerade sehr eindrücklich, und ich habe damit zu kämpfen, mich eben nicht von den altbekannten Gefühlen fremdbestimmen zu lassen und mich ihnen auszuliefern. Und ich weiß, dass depressive Strukturen sich nicht einfach in Wohlgefallen auflösen, nur weil ich es mir wünsche. Ich werde mich mit ihnen für den Rest meines Lebens arrangieren müssen - ob es mir gefällt, oder nicht. Aber ich werde lernen, sie zu beherrschen und konstruktiv mit ihnen umzugehen - so wie jetzt. Das gibt mir Hoffnung und die Gewissheit, auf dem Weg zu sein.


Dienstag, 17. Mai 2016

Zwischenstand mit leichten Bauchschmerzen

Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen. Obwohl ich erst am Freitag wieder arbeiten muss, konnte ich in den letzten Tagen nicht wirklich abschalten, geschweige denn, die freien Tage unbeschwert genießen und ausspannen. Selbst bis in meine Träume hat mich die Arbeit verfolgt. Und das ist nicht gut! Gerade in meinem Fall sollte die Arbeit ein "Goodie" sein, das mir zusätzliche Einnahmen und sinnvolle Beschäftigung beschert, ohne mich über Gebühr zu beanspruchen, oder mich gar aus dem Gleichgewicht zu bringen. Und beides droht mir sehr real im Moment.

Noch vor einiger Zeit hätte mir diese Situation eine veritable Depression verursacht, und das mit allen üblen und altbekannten Konsequenzen. Darauf habe ich keine Lust mehr! Ich habe den Anspruch an und für mich, dass es mir gut geht, und dass ich dafür alles Notwendige unternehme.

Am Donnerstag habe ich ein Vorstellungsgespräch, auf das ich sehr gespannt bin und bei dem mein Bauchgefühl stimmig ist. Das ist ein gutes Zeichen und ich bin mir sicher, dass ich gute Chancen habe, zu überzeugen. Dort wären wesentlich angenehmere Rahmenbedingungen für mich, und eine Tätigkeit, die mir und meinen Interessen weit mehr entspricht als das, was ich zur Zeit tue.

Die einzige etwas kritische Frage die ich mir zur Zeit stelle, lautet: warum ich nicht von Vornherein auf mich gehört -, und das leise Unbehagen ignoriert habe. Manchmal neige ich dazu, etwas übereilt und zu euphorisch an Neues heranzugehen. Mögliche Unstimmigkeiten blende ich dann aus, und lasse mich statt dessen von den potentiellen Möglichkeiten und dem Gefühl verführen, dass ich es schon schaffen werde und, dass ich nach einer sehr langen Durststrecke als Arbeitnehmer endlich wieder gefragt bin. Vermutlich würde das nicht geschehen, hätte ich in diesen Bereichen mehr Routine.

Gerade in Bezug auf "das Leben da draussen" fehlt es mir an Übung und an fundierter Erfahrung. Ich war zu lange von allen Herausforderungen des normalen Alltags abgeschnitten, und statt dessen darauf fokussiert, mein Leben mit meiner Erkrankung irgendwie auszutarieren. Das hat so lange gedauert, wie es eben gedauert hat. Und jetzt stehe ich am Anfang eines neuen Lebensabschnittes, in dem ich mich erst einmal zurechtfinden und orientieren muss. Das ist ungewohnt und verursacht manchmal gewisse Irritationen und die in der Überschrift angesprochenen Bauchschmerzen. Und manchmal muss man einen Weg erst gehen um zu erkennen, dass er in eine Sackgasse führt. Das ist in Ordnung und gehört dazu. Und es bringt mich nicht davon ab, es einfach weiter zu versuchen, bis ich meinen Weg gefunden habe.

Samstag, 14. Mai 2016

Lebensqualität

In "Grenzgänger" habe ich zum Thema Freundschaften folgenden Satz geschrieben: "Ich habe nicht viele Freunde." Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur einen wirklichen Freund, über den ich ja auch bereits geschrieben habe. Inzwischen sieht das anders aus: Ich habe neue Freunde gefunden, und zu einer Handvoll alten wieder eine allererste Verbindung aufgenommen. Vor Kurzem wäre das noch undenkbar gewesen - ich hätte mich schlichtweg nicht getraut, oder hätte wahlweise angenommen, von ihrer Seite bestünde ohnehin keinerlei Interesse mehr daran.

Ich habe falsch gelegen, und das ist schön! Ich habe es geschafft, die unsichtbare Wand zwischen mir und der Welt zu durchbrechen; und das ohne zu zögern, oder gar Angst zu empfinden. Es ist einfach passiert - so wie Dinge im Leben eben passieren - ohne vorab allzu komplexe und absurd schwierige Gedankengänge zu absolvieren - inklusive düsterer Vorahnungen, dass mein Unterfangen ohnehin zum Scheitern verurteilt sein würde.

Ich habe ebenfalls geschrieben, dass das Schließen von Freundschaften bei mir eine Frage des Vertrauens ist, welches bei mir aufgrund meiner Vorgeschichte nachhaltig und grundsätzlich schwer beschädigt ist. Das hat nach wie vor Gültigkeit, aber anscheinend verfügt die menschliche Seele auch über starke Selbstheilungskräfte, von deren Existenz ich nichts geahnt habe, und möglicherweise aus Selbstschutz auch nichts hören wollte. Denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und über die Jahrzehnte verfestigen sich gerade negative Erfahrungen besonders gerne.

Ich hatte von mir immer das Selbstbild des zunehmend verschrobenen und etwas menschenscheuen Einzelgängers. Das werde ich nun wohl revidieren müssen - nicht, dass Gefahr bestünde, zum Partylöwen zu mutieren, aber in jedem Fall bin ich aufgeschlossener und furchtloser bei neuen (und bei alten) Bekanntschaften. Das macht das Leben wieder deutlich lebenswerter und schöner - und unvorhersehbarer! 

Freitag, 13. Mai 2016

Nach der Einarbeitung - ein Resumee

Die ersten zwei Wochen im neuen Job sind geschafft und ich auch. Gerade die letzten Tage waren der pure Stress für mich und die Arbeitsbelastung hoch - so hoch, dass ich zeitweise den Überblick verloren habe.

Ich werde mich umorientieren müssen, denn wenn meine seelische Gesundheit gefährdet ist, hört der Spaß auf. Nicht, dass ich mich intelektuell überfordert fühle; nein, es ist das Pensum, das zu bewältigen mir schwer fallen wird. Denn selbst zu zweit waren die anfallenden Aufgaben kaum in der vorgesehenen Zeit zu schaffen, was durchaus Rückschlüsse darauf zulässt, wie es sein wird, wenn ich allein, wie vorgesehen, an meinem Arbeitstag versuchen werde, mein Pensum abzuarbeiten.

Das Gute an dieser Situation ist, dass ich es rechtzeitig erkannt habe, und mir mein Wohlbefinden inzwischen um einiges wichtiger ist, als die Bestätigung durch eine Erwerbstätigkeit. Denn darauf angewiesen bin ich nicht. Und das nimmt mir den Druck, um jeden Preis arbeiten zu müssen, und damit Kompromisse einzugehen, die meiner seelischen Gesundheit und meinem mühsam austarierten Gleichgewicht zuwider laufen.

In jedem Fall sind es interessante Einblicke in die "normale" Arbeitswelt, die ich gewinnen konnte, und die Bekanntschaft von sehr aufgeschlossenen und hilfsbereiten Menschen, die trotz aller Hektik manches aufgefangen haben.

Um Missverständnissen vorzubeugen: ich schmeiße die Brocken nicht einfach hin, sondern schaue mich in Ruhe und sehr sorgfältig nach Alternativen um, bevor ich dieses durchaus spannende Abenteuer beende, um möglichst nahtlos etwas Neues zu beginnen. Das bin ich mir und meinem neuerworbenen Selbstwertgefühl schuldig - und ein wenig habe ich auch Blut geleckt, was das regelmäßige Arbeiten betrifft. Denn ich habe mit Erstaunen festgestellt, über wieviel innere Disziplin ich verfüge und, dass es trotz aller Belastung auch Spaß macht, am Morgen zur Arbeit zu fahren. Und das gebe ich nicht so ohne Weiteres auf.



Dienstag, 10. Mai 2016

Mitgefühl

Viele Dinge verändern sich. Und ich offensichtlich auch. Seit einiger Zeit beobachte ich an mir, dass ich mich innerlich viel freier und souveräner fühle, als noch vor einigen wenigen Monaten. Ich erlebe Gefühle wie Freude, Zufriedenheit, Dankbarkeit und Mitgefühl um ein Vielfaches intensiver und unbeschwerter - und das nicht nur auf mich bezogen, sondern auch und vor allem in Bezug auf andere Menschen. Ich bekomme viel unmittelbarer mit, wie es meinen Mitmenschen geht, und fühle mich dadurch nicht länger verunsichert und hilflos.

Früher bin ich immer wieder in Situationen geraten, deren unmittelbares Leiden mich komplett überfordert haben, und auf die ich folglich innerlich vollkommen panisch und wie erstarrt reagiert habe - ja sogar reagieren musste. Ich hatte immer irgendwelche Floskeln parat, deren Bedeutungslosigkeit und Hohlheit mir im Moment des Aussprechens schamhaft bewusst waren, und die ich am liebsten sofort zurückgenommen hätte. Ich habe dann immer verzweifelt gehofft, es möge meinem Gegenüber nicht auffallen, wie phrasenhaft meine Worte klingen - selbst, wenn das Gesagte durchaus ehrlich gemeint war.

Meine Mutter pflegte zu sagen: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es". Vermutlich ist ihr durch die eigene Doppelmoral die Phrasenhaftigkeit ihrer Aussage nicht einmal aufgefallen. Ich jedenfalls dachte immer: "Red du nur", und fühlte mich im gleichen Moment trotzdem ertappt und unsanft auf mein Unvermögen hingewiesen. Und es bestärkte mich darin, über Mitgefühl, oder über das Helfen-Wollen lieber zu schweigen, um nicht nicht wieder ihren Weisheiten ausgesetzt - und auf meine Hilflosigkeit hingewiesen zu werden.

Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl, selbst durch kleine Gesten einem anderen Menschen helfen zu können, und seine Dankbarkeit und Überraschung zu spüren, weil er damit nicht gerechnet hat. Und ich wundere mich über mich selber, zu solchen Gesten plötzlich imstande zu sein, ohne lange überlegen zu müssen, und ohne in Schockstarre zu verfallen - wie früher. Das macht mich dankbar und unsagbar froh, denn ich erlebe, dass ich zu mehr imstande bin, als nur wohlgestaltete Worte und Sätze zu bilden - auch wenn sie absolut ehrlich gemeint, und authentisch sind. 





Sonntag, 8. Mai 2016

Innerer Widerstand

Entschuldigt bitte, wenn ich euch hier mit meinem privaten Kram nerve, aber manchmal tut es einfach gut, wenn ich meine Gedanken schriftlich sortieren kann.

Seit einer Woche habe ich nun einen neuen Job, und eigentlich sollte ich damit zufrieden sein - denn schließlich habe ich mir ihn ausgesucht, und prinzipiell habe ich auch nichts daran auszusetzten: Das, was ich dort tue, ist ziemlich komplex und anspruchsvoll (gut fürs Ego und die grauen Zellen) und, ich trage nach der Einarbeitungsphase richtig Verantwortung ( nicht schlecht für einen abgebrochenen beruflichen Mehrfachversager).

Also was stört mich? Die Tätigkeit ist sehr technisch, und ich verbringe fast die ganze Zeit am Rechner, oder am Scanner, den ich mit einer wahren Papierflut füttern muss. Bei der Weiterverarbeitung gibt es eine Menge zu beachten, und Fehler können verheerende Folgen haben - sofern sie nicht rechtzeitig bemerkt werden. Und nein: ich fühle mich nicht intelektuell überfordert! Nur hat das, was ich tue, so gut wie nichts mit Menschen zu tun, und das ist extrem ungewohnt, beziehungsweise gewöhnungsbedürftig.

Ein weiterer Faktor ist der momentane Stresslevel. Natürlich habe ich geahnt, dass die ersten zwei Wochen, in denen ich an drei, bzw. vier Tagen pro Woche über mehrere Stunden eingearbeitet werde, sehr anstrengend sein würden, und mich an meine Belastungsgrenze brächten. Aber die Frage, die sich mir immer drängender stellt, lautet: Ist es dieser Stress überhaupt wert, von mir ausgehalten zu werden?

Die letzten drei Monate habe ich sehr zufrieden und ausgelastet verbracht; ohne Druck von außen und völlig selbstbestimmt. Auch das Schreiben hat mich Kraft gekostet, aber ich hatte ein selbstdefiniertes Ziel vor Augen, das mich angetrieben hat. Jetzt kommt der Druck von außen (zumindest zum Teil), denn ich habe einen Arbeitsvertrag unterschrieben, und bin damit klare Verpflichtungen eingegangen, die ich erfüllen muss - ohne Rücksicht auf persönliche Empfindungen und Präferenzen. Und ich bin im Hinblick auf den neuen Job auch finanzielle Verpflichtungen eingegangen, die ich nicht einfach unbeachtet lassen kann, wenn es mir gerade in den Kram passt.

Ich glaube, diese ganzen Verflechtungen von Arbeit, Verantwortung und Verpflichtungen sind mir vorher nie so klar gewesen, wie jetzt. Und ich habe Zweifel daran, ob ich ihnen auf Dauer tatsächlich gewachsen bin; denn vorher war alles viel einfacher und eben komplett selbstbestimmt! Das ist jetzt anders und ungewohnt und macht mir ein wenig Angst. Nun sollte ich mich gerade mit Ängsten ja wirklich gut auskennen, denn schließlich waren sie über Jahrzehnte integraler Bestandteil meiner Existenz. Und so stehe ich vor der Frage: Beherrsche ich die Angst, oder beherrscht sie mich, so wie früher?

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber die Wege, die Angst zu besiegen, sind mir noch nicht wirklich vertraut und ich werde vermutlich gelegentlich stolpern. So wie jetzt gerade. Aber ich weiß ja mittlerweile, wie man wieder aufsteht.

Samstag, 7. Mai 2016

Erstes Feedback zu Grenzgänger

Meine Schwester hat angerufen. Sie hat das Buch gelesen... und ist begeistert, was nicht selbstverständlich ist. Im Vorfeld war ich ein wenig in Sorge, denn auch sie spielt ja in "Grenzgänger" eine nicht unbedeutende Rolle, die zumindest teilweise nicht schmeichelhaft ist für sie. Aber sie sagt, es sei mein Buch, und damit sind es auch meine Erlebnisse und Sichtweisen, die sie so stehen lassen kann. Das finde ich großartig, denn es zeugt von menschlicher Größe.

Meinen Schreibstil findet sie "brilliant", was ich mit ein wenig Stolz und sehr verlegen zur Kenntnis nehme, weil ich weiß, dass sie mit Lob sehr sparsam ist - auch gegenüber ihrem kleinen Bruder.

Mir fällt auf, dass unsere gemeinsamen Erlebnisse und ähnlichen Sichtweisen uns näher zusammenbringen - trotz aller Unterschiede, und, dass sie mich nach der Lektüre um ein Vielfaches besser versteht. Ohne das ich geahnt habe, hat sie sich immer Gedanken um mich gemacht und sich gesorgt: Das macht ein warmes Gefühl!




Freitag, 6. Mai 2016

Gedanken zu "Grenzgänger"

Seit gut zwei Wochen ist mein Buch "Grenzgänger" nun veröffentlicht, und seit gestern auch als E-Book erhältlich.

Mir war von Anfang an bewusst, dass ich keinen potentiellen Bestseller geschrieben habe, sondern ein sehr persönliches, und vielleicht auch schwieriges Buch - für Menschen, die sich für diese sehr eigene Thematik interessieren und die bereit sind, sich wirklich einzulassen.

Für mich war das Schreiben von "Grenzgänger", dessen Titel ich im Übrigen mit Bedacht gewählt habe, ein gleichermaßen befreiender wie schwieriger Prozess, der es mir ermöglicht hat, mich und mein manchmal verwirrendes und nur schwer zu akzeptierendes Leben völlig neu und in nie geahnten Zusammenhängen zu sehen. Das macht vieles leichter, stellt mich aber auch vor neue Herausforderungen; denn wenn die Vergangenheit ruht, gibt es mehr Platz für Neues, an das ich mich erst gewöhnen muss.

Ich habe mich sehr bewusst dafür entschieden, meine sehr intimen Gedanken, Erlebnisse, und die damit verknüpften Gefühle öffentlich zu machen - nicht aus Geltungssucht, sondern, weil ich fest daran glaube, dass es Menschen da draußen gibt, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber sich im Gegensatz zu mir  nicht trauen, sie zu äußern - sei es aus Scham, oder weil ihnen schlichtweg die Worte fehlen, teilweise Unfassbares zu äußern. Ich dagegen habe es gut, denn ich kann mit Worten umgehen, kann mich verständlich machen, und hatte genügend Kraft in mir, mich meinen Dämonen zu stellen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass insbesondere Menschen in helfenden Berufen davon profitieren können, wenn sie die biografischen Ursachen und die unmittelbaren Auswirkungen einer psychischen Erkrankung aus der Perspektive eines Betroffenen kennenlernen können, der sich auch nicht davor scheut, Unbequemes auszusprechen.

Ich glaube, jeder Schriftsteller sehnt sich danach, für das Geschriebene auch Rückmeldung von seinen Lesern zu bekommen. Ich bin da keine Ausnahme und möchte daher alle meine Leser darum bitten, mit mir über das Gelesene in einen offenen Dialog zu treten. Extra dafür habe ich eine eigene Facebook-Seite eingerichtet (https://www.facebook.com/neuhoffeckhard), und auch mein Blog bietet eine Kommentarfunktion. Auch wenn es einigen vielleicht schwerfällt, sich über das Gelesene zu äußern: Versuchen Sie es, denn erst durch einen Dialog wird das Bild vollständig! Auch würde es mich freuen, mit dem Einen oder Anderen in persönlichen Kontakt zu kommen. Aber auch das ist nur möglich, wenn Sie den ersten Schritt machen! Also seien Sie bitte ruhig mutig: Sie werden es nicht bereuen.

Donnerstag, 5. Mai 2016

Erstes Resumee

Die erste Arbeitstage sind geschafft, und ein verlängertes Wochenende liegt vor mir. Beides ist gut, denn die ersten Tage habe ich in einem Wechselbad der Gefühle verbracht.

Meine Kollegin und ich sind sehr freundlich und offen von den Mitarbeitern empfangen worden. Wirklich alle waren sehr hilfsbereit - das hatte ich nicht erwartet; ebenso wenig, dass ich mich mit meiner Kollegin so gut verstehen würde.

Die Arbeit selber ist ziemlich komplex - es müssen sehr viele Dinge gleichzeitig beachtet werden, und ich muss mich in eine für mich komplett unbekannte Software einarbeiten. Das alles ist eine große Herausforderung an meine Konzentrationsfähigkeit und meinen Durchhaltewillen - zumal ich mich auch überhaupt erst wieder daran gewöhnen muss, mich mehrere Stunden am Tag am Stück einer Sache zu widmen, und ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Es ist anstrengend! Auch wenn es "nur" fünf Stunden am Tag sind - ich bin es nicht mehr gewohnt, und merke, dass meine Belastbarkeit begrenzt ist. Für mich heißt das, nach der Arbeit passiert nicht mehr viel, weil ich völlig erschöpft bin, und einfach nur meine Ruhe brauche. Natürlich weiß ich, dass nach den zwei Wochen Einarbeitung (die übrigens auch dringend notwendig ist) sich alles normalisieren wird, und ich nur jeweils einen Tag pro Woche dort arbeiten werde. Aber schaffe ich das wirklich auf Dauer? Vielleicht ist es gut, wenn ich mir ein "Hintertürchen" offen halte, und ein mögliches Scheitern von vornherein mit einkalkuliere. Ich habe nichts zu verlieren, und wenn es nicht klappen sollte, kehre ich einfach zum vorherigen Status quo zurück. Das hat etwas Beruhigendes, denn ich muss nicht arbeiten! Und mir bleibt immer noch das Schreiben.

Ich glaube, es ist immer gut, einen "Plan B" zu haben. Das hilft, wenn "Plan A" sich als Fehler entpuppt, und man kann alles mit einer gewissen Gelassenheit angehen. Und Gelassenheit ist etwas, das in meinem bisherigen Leben immer Mangelware war. Ich hatte immer nur ein Ziel im Blick, und wenn sich dieses Ziel als unrealistisch entpuppte, dann lag meine ganze Welt in Trümmern. Aber andererseits ist das, was ich jetzt ausprobiere, eine echte Herausforderung für mich, die ich freiwillig angenommen habe, und der ich mich auch - solange es mir tatsächlich gut damit geht - auch gerne stelle. Und genau das ist eigentlich der wichtigste Punkt überhaupt: Es muss mir mit dem, was ich tue, auch tatsächlich gut gehen! Da gibt es keine faulen Kompromisse mehr, auf die ich mich aus der Not heraus einlasse. Es ist ausschließlich meine Wahl, worauf ich mich einlasse, und nicht die anderer Menschen!

Das ist eine deutliche und spürbare Veränderung: ich habe die Wahl, was ich tue, und unterliege keinem inneren Zwang mehr, mich in den Augen anderer beweisen zu müssen. Statt dessen gehe ich meinen Weg unbeirrt und unbehindert von irgendwelchen Meinungen und Ratschlägen, denn "Rat-Schläge" können eben auch Schläge sein, und davon habe ich in meinem Leben genug bekommen. 


Sonntag, 1. Mai 2016

Facebook Autorenseite

Seit heute ist meine Autorenseite auf Facebook online. Mit ihrer Hilfe möchte ich mit Euch in einen offenen, interessanten und fairen Dialog über meine Projekte treten, und zeitnah über eventuelle Lesungen informieren.

Noch ist auf ihr - außer ein paar Infos über mich -  nicht viel vorhanden, aber vielleicht findet sich ja der oder die eine oder andere, der/die mutig genug ist, einen ersten Gruß oder Kommentar zu hinterlassen?

Bitteschön: https://www.facebook.com/neuhoffeckhard