Donnerstag, 30. Juni 2016

Ein neuer Job oder die Sache mit dem Löwenbändigerhut

In einem Sketch der legendären Monty Pythons Truppe kommt ein Mann zum Berufsberater und erklärt ihm, er wolle aus seinem Job als Buchhalter aussteigen und Löwenbändiger werden. Zur Vorbereitung habe er sich außerdem bereits einen Löwenbändigerhut gekauft. Während des Gesprächs stellt sich dann aber heraus, dass er irrtümlich Ameisenbären für Löwen gehalten hat, und somit hat sich sein Wunsch nach einem Jobwechsel fürs Erste erledigt.
Warum erwähne ich diese Episode? Mitte der Neunzigerjahre hatte ich eine Umschulung zum Bürokaufmann begonnen, und mich im diesem Rahmen mit dem Thema Buchhaltung befasst, was mich zunehmend faszinierte. Ein guter Freund, dem ich von meiner Begeisterung für diesen Bereich erzählte, hat mich damals im Scherz gefragt, ob ich denn bereits einen Löwenbändigerhut besäße.
An diese Begebenheit musste ich denken, als ich die Zusage für meinen neuen Job bei der Hausverwaltung bekam, bei dem es schwerpunktmäßig um Buchhaltung geht - worauf ich mich sehr freue. Und in den nächsten Wochen werde ich mich ein wenig darauf vorbereiten, indem ich mich mal wieder mit Buchhaltung befasse. Und dabei meinen Löwenbändigerhut tragen werde.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Gedanken zur Partnersuche

Jeder Mensch macht sich seine Gedanken darüber, wie sein potentieller Partner fürs Leben "gestrickt" sein sollte, damit eine Beziehung möglichst harmonisch und dauerhaft sein kann. Und er macht sich mit Sicherheit auch Gedanken darüber, welche Eigenheiten, oder Charakterzüge, oder Vorlieben er zumindest bereit ist zu tolerieren, und welche mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Und ich glaube, die Kunst besteht darin, für beide tragfähige Kompromisse zu finden, mit denen man (oder Frau) gut leben kann.
Kompromissfähigkeit setzt voraus, die eigenen Grenzen gut zu kennen, und sich seiner selbst sicher genug zu sein, um diese im Notfall auch deutlich machen zu können. Das ist wichtig, um sich nicht über das gesunde Maß hinaus zu verbiegen und einen Teil seiner Persönlichkeit aufzugeben, oder gar zu verlieren.
Ich bin seit über zehn Jahren allein, und in den Phasen hilfloser Bedürftigkeit hätte ich mich vermutlich auf Vieles eingelassen, nur um das Alleinsein beenden zu können. Heute weiß ich, dass ich mit dieser Einstellung weder dauerhaft glücklich geworden wäre, noch eine Frau gefunden hätte, die mit diesem Häufchen Elend längerfristig zufrieden gewesen wäre. Im Nachhinein ist es also gut, dass ich in dieser Zeit allein geblieben bin, und sich bietende Möglichkeiten ausgeschlagen, oder auch garnicht bemerkt habe.
Auch ich habe meine Präferenzen und Vorstellungen dazu, wie eine für mich harmonische und erfüllende Beziehung aussehen soll, und was für ein Mensch dafür vonnöten ist, um meinem Wunsch Gestalt zu verleihen. Aber ich bin auch Realist genug um zu wissen, dass eine Partnerschaft nicht nur aus rosa Wölkchen besteht, sonder ihre Konsistenz und ihre Substanz erst zeigt, wenn sie sich im Alltag beweisen kann. Und ich kenne mich inzwischen gut genug um erkannt zu haben, wo ich bereit bin, Kompromisse einzugehen, und wo definitiv nicht. Das macht es einerseits leichter, mich für oder gegen einen Menschen zu entscheiden, aber andererseits auch deutlich schwerer, einen zu mir passenden Menschen überhaupt zu finden.
In den letzten Wochen habe ich ein paar Bekanntschaften gemacht, die großenteils zumindest anfänglich vielversprechend, oder interessant waren, aber letztendlich mit zu vielen Unwägbarkeiten und fehlender Kompromissbereitschaft behaftet waren, als dass ein persönliches Kennenlernen für mich überhaupt sinnvoll gewesen wäre. Aber je mehr ich über andere Menschen im Kontakt erfahre, umso mehr erfahre ich auch über mich selber, lerne mich besser kennen. Und das finde ich sehr spannend und hilfreich.
Ich bin zur Zeit offensichtlich in einer Lebensphase, die meiner Erfahrung permanent neue Nuancen und Wendungen hinzufügt, die ich nicht vorherahnen konnte, und die mich in Bewegung hält. Das ist gut so, und ich lerne mit der Zeit, auch hiermit entspannt umzugehen.

Dienstag, 28. Juni 2016

Zwischenstand

Mir könnte es deutlich schlechter gehen nach all den turbulenten Ereignissen der letzten Wochen. Und ein wenig erstaunt es mich noch immer, dass dem nicht so ist. Tatsächlich: ich bin mit mir und meinen Entscheidungen im Reinen und es geht mir gut! Das mag auch daran liegen, dass ich sehr viel Unterstützung und Rückhalt erfahren habe, sowohl von Freunden, als auch von den Menschen in meiner Therapiegruppe. Durch ihre Rückmeldungen weiß ich, dass ich richtig, und nicht voreilig gehandelt habe - ein wenig Bestätigung muss schon gelegentlich noch sein.
Eigentlich bin ich in den letzten Monaten viel sicherer und unabhängiger geworden, was das Treffen von Entscheidungen betrifft, denn mein "Bauchgefühl" ist recht treffsicher und hat mich in der jüngsten Zeit nur sehr selten getäuscht. Aber ein Restbestand alter Ambivalenz und Unsicherheit in Bezug auf mich ist dann eben doch geblieben, und wird mich voraussichtlich auch für den Rest meines Lebens begleiten. Das ist in Ordnung so und ich kan damit gut leben.
Dass ich zur Zeit keinen Job habe, haut mich auch nicht aus den Schuhen, und ich lasse mir Zeit damit, den richtigen zu finden. Denn irgendwann möchte ich mit der Gewissheit leben, etwas dauerhaftes gefunden zu haben, das mich nicht schon nach wenigen Wochen auf allen Ebenen überfordert und an meine Grenzen bringt. Kontinuität heißt das Zauberwort, das ich mir für alle Bereiche meine Lebens wünsche, und für das ich bereit bin, alles notwendige zu tun. In diesem Sinne: ich halte euch auf dem Laufenden!

Montag, 27. Juni 2016

Freundschaft (Für Corinna)

Freundschaft ist
der göttliche Funke zwischen Menschen
die einander verstehen
ohne sich erklären zu müssen
und die sich mögen
ohne Gegenleistung zu erwarten

Sie entsteht
wenn wir uns gegenseitig
als unschätzbare Bereicherung betrachten
voneinander lernen
ohne Angst nicht zu genügen

Freundschaft kennt
keine Vorbedingungen
nur gegenseitiges
sich erkennen
und die Gewissheit
richtig zu sein

Sie bemisst sich nicht
nach festgelegten Zeitspannen
sondern an der Intensität
und an der Gelöstheit der Begegnung
und sie bemisst sich
nach dem Vertrauen
das wir uns gegenseitig
zu schenken vermögen

Für mich ist sie
das größte Geschenk
das Menschen einander
machen können

Begegnungen

Das Thema "Begegnungen" und mit ihm untrennbar verbunden mein Verhältnis zu mir selber, hat in jüngster Zeit für mich wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es in erster Linie um die Wechselwirkungen zwischen der "Substanz", oder Qualität einer solchen Begegnung, und der Ausprägung meines Selbstwert-Gefühls, meiner Selbstsicherheit in diesem Moment. Und Letzteres hängt natürlich immer auch davon ab, wie es mir aktuell geht, und welcher Art meine Erfahrungen und Erlebnisse in den Tagen und Wochen zuvor waren.
Gerade Selbstzweifel begleiten mich schon mein Leben lang, und wenn ich in jüngster Zeit Erfahrungen gemacht habe, die ihnen ausreichend Nahrung bieten, dann hat das unmittelbare Auswirkungen darauf, wie eine Begegnung, ein Gespräch - insbesondere mit Fremden - sich aus meiner Perspektive entwickelt, und natürlich ebenso auf meine "Außenwirkung". Gerade gegenüber Fremden ist Mensch automatisch immer darauf bedacht, einen möglichst guten Eindruck von sich zu vermitteln - umso mehr, wenn es tatsächlich um etwas Wichtiges geht, wie beispielsweise einen neuen Job, oder auch bei einem ersten Date. Und hier kommt ein weiterer Gesichtspunkt ins Spiel: Authentizität.
Bis vor einigen Jahren habe ich gerade diesem Aspekt nur wenig Bedeutung beigemessen. Unsicher und gehemmt wie ich war, wollte ich um jeden Preis einfach nur ein optimales Bild von mir vermitteln, und meine Schwächen und Unsicherheiten möglichst vollständig "unter den Tisch fallen lassen" - aus Angst vor Unverständnis und Zurückweisung. Das ist mittlerweile anders: Authentizität ist zu einem wichtigen, ja unverzichtbaren Bestandteil meiner Lebensführung geworden. Und das nicht zuletzt aus der Erkenntnis heraus, dass ich es ohnehin nie allen Menschen werde recht machen können, und, weil ich gelernt habe, dass erst alle Facetten eines Menschen das Bild vollständig werden lassen.
Noch immer erfahre ich gelegentlich Ablehnung und Zurückweisung, und noch immer fühle ich mich dadurch verletzt und traurig. Aber es bestärkt mich auch in meinem Weg. Denn die Sympathien, die ich für meine Offenheit ernte, wiegen die Ablehnungen reichlich auf. Und ich erfahre im Gegenzug viel mehr Offenheit und Vertrauen als früher. Und ich fühle mich von Mal zu Mal sicherer, wenn ich Menschen begegne - auch an schlechten Tagen.

Sonntag, 26. Juni 2016

Unwägbarkeiten

Nicht alles im Leben ist planbar
und auch nicht voraussehbar
Und das ist
auch gut so
selbst wenn es manchmal
Manches vereinfachen würde

Hätte ich mein Leben
minutiös planen können
was wäre aus mir geworden?
Jedenfalls nicht der Mensch
der ich heute bin
und den ich eigentlich
ganz gut leiden kann

Aber manchmal
wäre es einfach schön
den Ausgang bestimmter Situationen
voraussagen zu können
für den Seelenfrieden
und für die Gewissheit
keinen Fehler gemacht zu haben

Ich mag meine Fehler nicht
weil sie zu oft vermeidbar wären
ginge ich die Dinge
mit mehr innerer Ruhe
und Gelassenheit an
anstatt sie übers Knie zu brechen

Aber es liegt nicht
an den Dingen
denn sie sind so wie sie sind
sondern es ist an mir
mich zu ändern
und den Unwägbarkeiten
gelassener gegenüberzutreten

Samstag, 25. Juni 2016

Angst und Ethik

Intensive und wirklich authentische Begegnungen mit mir noch unbekannten Menschen sind Neuland für mich, und damit ungewohnt und auch bisweilen ein wenig beängstigend.
Es ist einerseits eine ungewöhnlich schöne Erfahrung, sich auf Augenhöhe und ohne falsche Scham zu begegnen - und dabei zu beobachten, wie man sich zunehmend öffnet und bereit ist, mehr von sich preiszugeben. Aber gerade dann haut mich die Wucht der plötzlichen Intensität und Verbindlichkeit dieser Begegnung vorübergehend aus den Schuhen.
In der Vergangenheit musste ich immer wieder die Erfahrung machen, dass meine Offenheit und Ehrlichkeit nicht honoriert wurden - und wenn, dann nur in der Hinsicht, dass das so über mich Erfahrene unversehens und auf äußerst perfide Weise als "Waffe" gegen mich eingesetzt wurde. Das hatte für viele Jahre zur Folge, dass ich mich gegenüber allen Menschen nicht mehr vollständig öffnen konnte und wollte. Zu groß war die Angst vor neuen Verletzungen und Zurückweisungen. Und diese Angst ist bis heute (wenn auch in deutlich abgeschwächter Form) geblieben. Das macht es mir nicht leicht, mich auf neue Begegnungen tatsächlich einzulassen, auch wenn inzwischen die positiven Erfahrungen überwiegen und ich eigentlich weiß, dass mir nichts passieren kann und es ausschließlich in meiner Entscheidung liegt, was ich zulasse und was nicht.
Diese alten und tiefsitzenden Ängste bringen mich aber leider immer wieder dazu, überstürzt, und aus einem unwillkürlichen Fluchtreflex heraus, Situationen zu beenden, die ich eigentlich genieße, und deren Einzigartigkeit mir vollendes bewusst ist. Und dieser Fluchtreflex betrifft leider nicht nur mich, sondern auch mein Gegenüber, indem er oder sie durch mein Verhalten, ohne eigenes Zutun und unverschuldet verletzt und enttäuscht werden. Das ist eine bittere Erkenntnis, die so garnicht zu meinem neuerworbenen Selbstbewusstsein und zu meinem Selbstbild als reflektiertem und bewusst ethisch denkendem und handelndem Menschen passen will. Außerdem verursacht sie bei mir Schuldgefühle und Ratlosigkeit, mit denen ich erst recht nicht umgehen kann. Denn wie soll ich einem Menschen gegenübertreten (sofern er oder sie mir überhaupt noch einmal die Chance dazu bietet), den ich bewusst handelnd vor den Kopf gestoßen und möglicherweise enttäuscht habe?
Die Worte "es tut mir leid", oder "bitte entschuldige" klingen für mich in diesem Kontext hohl und abgenutzt, denn sie werden zu oft als bedeutungslose Floskel missbraucht - ohne wirklich ernsthaft gemeint zu sein.
Der Begriff "um Verzeihung bitten" beeinhaltet den Wunsch nach einem Neuanfang, bei dem das Geschehene zwar nicht vergessen ist, aber zumindest vorübergehend und quasi "auf Bewährung" außer Kraft gesetzt werden möge - verbunden mit der Erkenntnis des Verursachers, an seinen Fehlern mit aller Konsequenz zu arbeiten, und sie zukünftig rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Vielleicht ist das ein möglicher Weg.

Freitag, 24. Juni 2016

...und der Zukunft zugewandt

Ich habe sehr viel Lebenszeit damit verbracht, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, und sie damit quasi immer wieder aufs Neue - mich selber damit quälend - heraufzubeschworen. Es hatte einen gewissen perversen Reiz für mich, in der Vergangenheit zu leben, denn die Gegenwart, und mit ihr auch die Zukunft, sahen trostlos und wenig ermutigend für mich aus. Aber die Vergangenheit war ja auch nicht besser - und meine Erwartungen, meine Visionen basierten ausschließlich auf ihr - nebst meinen düsteren und pessimistischen Gedanken.

Nicht immer lässt es sich vermeiden, zurück zu blicken, denn Erinnerungen sind nur begrenzt kontrollierbar. Aber in der Depression bekommt das Ganze eine eindeutig zwanghafte Nuance, die es einem unendlich schwer macht, sich vom Vergangenen zu lösen, und sich beim Blick nach Vorn auf die eigenen Stärken und die (wenn auch nur verdeckt) vorhandenen positiven Erinnerungen zu beschränken. Das macht es zu einem äußerst kräftezehrenden Kampf mit sich selber um die Deutungshoheit der eigenen Biografie. Und man sollte sich dabei nie zu sicher sein, den endgültigen Sieg davongetragen zu haben, denn die eigene negative Prägung ist ein tückisches Miststück, das auch nach längerem Wohlbefinden noch immer in einer dunklen Ecke lauert, und hämisch grinsend auf seine Chance wartet. Ich habe das alles gerade in den letzten Wochen wieder erleben dürfen. Und es passiert bevorzugt in solchen Situationen, die mit einer großen inneren Anspannung verbunden sind, wie beispielsweise Stress auf der Arbeit, oder emotionale Begegnungen mit anderen Menschen, die zwangsläufig die Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter beflügeln.

Der Kampf ist also niemals endgültig vorbei. Aber die "Ruhephasen" werden mit der Zeit länger, und sie gewinnen an Stärke und an Bedeutung für die nächste Herausforderung. Das Vertrauen in das eigene Vermögen, die eigenen Stärken, nimmt dabei ständig zu und erleichtert den Umgang mit den Schatten der Vergangenheit. Und es ist eine gute Übung, diesen Situationen nicht auszuweichen, sondern sich ihnen ganz bewusst zu stellen, sie auszuhalten - soweit und so lange es die eigenen Kräfte zulassen. Auch scheinbare Niederlagen können in Wirklichkeit ein Gewinn sein - zumindest in dem Sinne, gut auf sich Acht gegeben zu haben, und Gefahren für das eigene Wohl rechtzeitig erkannt und beseitigt zu haben. Früher war mein Leben wie eine Achterbahn, aus der es keinen Ausstieg gab. Heute hingegen steige ich rechtzeitig aus - bevor ich kotzen muss.





Donnerstag, 23. Juni 2016

Durchatmen

Die Woche ist fast geschafft... und ich auch! Die letzten Tage waren immens turbulent und kräftezehrend, aber sie sind auch der lebende Beweis für meine neugewonnene Stärke. Wäer mir das alles vor einem Jahr widerfahren, so hätte ich mich höchstwahrscheinlich postwendend in die nächste langanhaltende Depression verabschiedet - inklusive einer ordentlichen Portion Selbsthass und Vorwürfe über mein schmähliches Versagen.

Jetzt habe ich mir eine Ruhepause verdient: Schlafen, Musik hören, Wohnung entrümpeln, rumgammeln und mich neuen literarischen Projekten zuwenden - wenn der Kopf wieder frei ist, und der ganze Krempel, der mit einer Kündigung so einhergeht, komplett abgearbeitet ist.

Seelischer Stress lässt mich immer - sowohl im wörtlichen, als auch im übertragenen Sinn - kurzatmig werden. Ich merke das an meiner Sprache, die zunehmend gehetzter und verwaschener klingt. Jetzt kann ich wieder durchatmen, und das ist eine wahre Wohltat! Mit mir und meiner Entscheidung bin ich im Reinen und kann das Geschehene als durchaus wertvolle Erfahrung verbuchen. Und ich weiß: in Zukunft werde ich mehr auf mein Bauchgefühl achten, und Arschlöchern viel konsequenter aus dem Weg gehen.

Wie heißt es so schön? Locker durch die Hose atmen und den Tag genießen!

Mittwoch, 22. Juni 2016

Erschöpfungszustand

Wenn meine Gedanken
mitten im Enstehen
schon wieder einschlafen
und sich auf diese Weise
meiner Kontrolle entziehen

Wenn mein gesprochenes Wort stockt
und ich um fast jedes
mal wieder ringen muss
um hörbar zu bleiben

Wenn meine Gedanken und
meine Sprache gemeinsam
ihren Dienst verweigern
dann ist das völlige Erschöpfung

Und diesen Zustand
hasse ich von Herzen
denn er macht mich reizbar
und zum willfährigen Ziel

Und es kostet mich
unendlich viel Kraft
ihn vor Unbefugten
zu verbergen

Dienstag, 21. Juni 2016

Bauchgefühl und Befreiungsschlag

Ich hätte eher auf mein Bauchgefühl hören müssen. Oder zumindest können. Oder auch beides. Aber manchmal ist der Wunsch nach "Normalität" eben stärker als die eher leisen Bedenken, die von Beginn an präsent waren, als ich mich auf den Arbeitsvertrag eingelassen habe. Dabei habe ich gespürt, dass Unzuverlässigkeit und Wankelmut keine Eigenschaften sind, auf denen man ein Arbeitsverhältnis gründen sollte - ebenso wenig wie auf das von Anfang an sehr deutlichen Gefühl, am falschen Platz zu sein, und etwas zu tun, das einem völlig fremd ist. Aber ich habe gezögert und die Bedenken ignoriert - denn ich wollte es nochmal wissen - um (fast) jeden Preis. Aber am Arbeitstag regelmäßig mit Beklemmungen aufzuwachen, diese mehr oder minder erfolgreich mit einem sehr auto-suggestiven "Du schaffst das schon!" runterzuschlucken, um dann mit großer Erleichterung und ebenso großer seelischer Erschöpfung den Arbeitsplatz nach getaner Arbeit zu verlassen - lässt sich nicht lange durchhalten. Genauer gesagt: bis gestern.

Es war in jedem Fall naiv von mir anzunehmen, ich könne von meinen Mitmenschen - insbesondere vom Arbeitgeber - Verständnis, oder gar Mitgefühl für meine doch sehr komplexen seelischen Befindlichkeiten erwarten. Und ich bin auch in diesem Punkt sehr deutlich eines Besseren belehrt worden. Das war schmerzhaft, hat mich für einen Moment in meinem Selbstverständnis, meinem Selbstwertgefühl wanken lassen, aber es hat mich auch letztendlich sehr deutlich in meiner Entscheidung bestärkt.

Mir selber einzugestehen, dass ich einen Fehler begangen habe, ist mir noch nie leicht gefallen. Ebenso wenig, wie die Stimmen in meinem Kopf zu besänftigen, die mir einzuflüstern versuchen, ich hätte mal wieder versagt, hätte mich nur zusammenreißen und mehr anstrengen müssen - dann wäre schon alles gut gegangen. Vielleicht wäre es das. Aber zu welchem Preis? Schließlich kenne ich meine Grenzen und weiß, was geschieht, wenn ich diese mutwillig überschreite - beseelt von dem Wunsch nach Anerkennung, nach "Normalität" und Unauffälligkeit im Reich der "Gesunden". Aber bin ich im Umkehrschluss auch tatsächlich "krank", wenn ich diesem Reich nicht angehöre? Für mich setzt Krankeit Leiden voraus. Aber ich leide nicht, sondern lebe mit Einschränkungen, oder Begrenzungen, innerhalb derer ich mich relativ ungezwungen und vor allem frei bewgen kann. Es wird also darum gehen, etwas zu finden, das zu meiner Begrenztheit kompatibel ist. Das ist keine leichte Aufgabe, aber ich verfüge über alle Mittel, sie zu lösen. Und über Bauchgefühl.

Sonntag, 19. Juni 2016

Authentizität

Ich glaube jeder Mensch
hat von sich selber
ein Idealbild
so wie er gerne wäre
und sich wünscht
dass die Anderen ihn so sähen

Nur leider sieht die Wirklichkeit
nicht so freundlich
auf unser Selbstbild
und stößt uns manchmal
recht schmerzhaft
auf unsere unbequemen Seiten

So wird aus meiner Geradlinigkeit
in den Augen anderer Menschen
Unhöflichkeit oder Sturheit
aus meiner Empathie
wird Aufdringlichkeit
und mein Optimismus
wandelt sich in Naivität

Es liegt also
im Auge des Betrachters
ob unsere Eigenschaften
so zum Tragen kommen
wie wir es wünschen
oder ob sie
zum Ärgernis werden

Für mich ziehe ich
den Schluss daraus
mir die Menschen zu suchen
die meinen Eigenschaften
das abgewinnen können
was meiner Intention entspricht

Und um keinen Preis
werde ich mich verbiegen lassen
um Menschen zu gefallen
die mich vielleicht auch
mutwillig falsch interpretieren

Samstag, 18. Juni 2016

Farbenspiel

Für lange Zeit
erschien mir die Welt
nur in Schwarz Weiß

Für Farben und Nuancen
jenseits von Dunkel und Hell
hatte ich keinen Blick

Und Angst hatte ich
vor Neuem
vor Veränderung

Hatte meine eigene
kleine Welt
ganz nur für mich

Doch irgendwann
kamen die Farben wieder
und anfangs blendeten sie mich

Und wie ein Blinder
tastete ich mich voran
orientierungslos aber froh

Inzwischen genieße ich
das Farbenspiel des Lebens
und möchte es nicht missen

Nur manchmal
muss ich die Augen schließen
bin überfordert

Das wird sich ändern
denn schließlich
bin ich ein ganzer Mensch





Mittwoch, 15. Juni 2016

Brief an mich selber (ein Versuch)

Lieber Ecki,
wir kennen uns jetzt seit neunundvierzig Jahren. Das ist eine lange Zeit, in der ich dich mit all deinen Facetten kennen - und schätzen gelernt habe.
Du bist ein sehr komplexer Mensch, der es sich manchmal unnötig schwer macht. Du grübelst zu viel, hinterfragst dich und dein Denken und Handeln, und traust dir zu wenig zu. Das ist nicht schlimm, denn schließlich gibt es dafür gute Gründe. Aber du hast auch eine Menge erreicht - trotz deinem beschissenen Start ins Leben. Manchmal bis du zu unsicher im Umgang mit anderen Menschen - dabei hast du das echt nicht nötig! Denn du bist ein kluger und tiefgründiger Mensch; dazu warmherzig, voller Empathie und durchaus liebenswert - wenn du es sein möchtest.
Du möchtest in allen Lebenslagen perfekt sein. Entschuldige bitte, aber das ist Blödsinn! Denn kein Mensch ist perfekt - in keiner Lebenslage. Wir alle haben unsere Stärken und Schwächen, unsere guten Momente, und die, für die wir uns schämen und in den Arsch treten könnten. Das ist menschlich, Alter und nennt sich Erfahrung.
Und du hast wirklich tolle Freunde. Das hat nicht jeder Mensch, und dafür kannst du wirklich dankbar sein, denn sie bereichern dein Leben und geben dir Rückhalt und Trost, wenn du es brauchst. Auf sie kannst du dich verlassen. Also hör auf, sie in Frage zu stellen, wenn es dir mal beschissen geht. Ja, es hat Menschen gegeben, die dich verletzt und enttäuscht haben. Das wirkt nach, und hat dich misstrauisch gemacht. Ich verstehe das gut. Aber es ist Vergangenheit; du bist reifer und stärker geworden und du bist aus deinen Enttäuschungen und Niederlagen als Sieger hervorgegangen. Also benimm dich auch so. Aber Sieger zu sein bedeutet nicht, ein arrogantes Arschloch sein zu dürfen. Im Gegenteil: Sieger zu sein bedeutet, auch die weniger Glücklichen im Blick zu haben und für sie da zu sein, wenn es nötig ist. Denk immer daran!

Und dann die Frauen: Entspann dich und mach dich locker! Du bist ein toller Mensch, der viel zu bieten hat und du wirst schon noch die Frau treffen, die das alles zu schätzen weiß und die dich lieben wird als der Mensch, der du bist. Es gibt keinen Grund, das zu bezweifeln. Also hör auf damit, dich so verkrampft in diese Thema zu stürzen. Denn du hast Zeit, und niemand kann dich zwingen, dich auf die Erstbeste einzulassen - aus Angst, keine bessere zu finden. Du hast es dir redlich verdient, glücklich zu sein - nach der langen Durststrecke. Also gib dem Glück auch die Chance, für dich arbeiten zu können.
Und mal ehrlich: dein jetziges Leben ist doch garnicht so schlecht, oder? Du hast einen Job (ok: so toll ist er nicht, aber für den Anfang doch eigentlich auch nicht so schlecht), du hast Freude am Schreiben, bist kreativ, gebildet und hast einen großen Sprung nach Vorne gmacht in den letzten Monaten. Also lehn dich zurück und genieß es!
Dein alter Kumpel und alter ego Ecki

Dienstag, 14. Juni 2016

Sehnsucht

Manchmal packt sie mich
ziemlich unvermittelt
SEHNSUCHT
nach Nähe Zärtlichkeit Zweisamkeit
und so groß und heftig
dass es schmerzt

Große Gefühle
lassen sich nicht kontrollieren
und sich nicht vorschreiben
wann der richtige Zeitpunkt ist
sondern sie
wollen jetzt und vollständig
Erfüllung finden

Und ich schwanke
zwischen ihnen und
der Vernunft hin und her
versuche mit meinem Verstand
mich zu beruhigen
und zu zügeln
und muss doch kapitulieren
vor der Übermacht

Manchmal wünschte ich
es gäbe einen Schalter
mit dem ich alles
was mich aus der Bahn zu werfen droht
einfach abstellen könnte
um nicht zum Sklaven
meiner Gefühle zu werden

Zwischen Spannung und Enttäuschung - Gedanken zum Onlinedating

Seit ein paar Wochen bin ich im Onlinedating unterwegs, und bin mir nicht sicher, wie ich selber dazu stehe. Einerseits finde ich das sehr spannend - denn um mich möglichst natürlich und authentisch zu präsentieren, muss ich mir vor mir selber Rechenschaft darüber ablegen, wo meine Stärken liegen, welche Präferenzen ich in Bezug auf eine mögliche Partnerin habe, und was genau ich mir eigentlich wünsche. Das macht Spaß, und ich lerne eine Menge über mich. Aber manches finde ich auch eher abstoßend. Denn es gibt Frauen, deren Profil, und deren Antworten (wenn sie es denn überhaupt für Nötig erachten) so aggressiv wie nichtssagend sind - so als ob sie es vermeiden möchten, tatsächlich jemanden kennen zu lernen.

Und dann sind da noch die Kontaktanzeigen. Ich selber habe auch eine veröffentlicht und versucht, sie sich vom "Mainstream" abheben zu lassen - sie also prägnant und interessant zu gestalten, damit sie eben nur Frauen ins Auge springt, die ähnliche Interessen haben wie ich. Die Resonanz ist eher mäßig, aber das habe ich auch nicht anders erwartet. Trotzdem finde ich es schade, dass es bisher bei keinem Erstkontakt überhaupt zu einem Telefonat, geschweige denn zu einem Date gekommen ist. Und da stelle ich mir natürlich die Frage, ob ich etwas falsch mache. Bin ich zu eigen, sind meine Vorstellungen zu speziell, oder ist es mein angedeuteter biografischer Hintergrund, der abschreckt?

Ähnlich ergeht es mir, wenn ich auf Anzeigen, die mich wirklich interessieren, antworte. Dabei bin ich kein schlechter Briefeschreiber. Ich weiß mich auszudrücken, bin höflich und versuche auch hier, mich mit wenigen Worten authentisch zu präsentieren. Und ich nehme Bezug auf den Text der Anzeige. Also was läuft falsch?

Ich muss gestehen: die Sehnsucht nach einem Menschen an meiner Seite ist groß! Und ich wende für dieses Thema viel Zeit auf - vielleicht zu viel, und bin möglicherweise zu sehr darauf fokussiert. Jedes Mal wenn ich Kontakt aufnehme, setze ich sehr viel Hoffnung darauf, und wünsche mir, es möge dieses Mal klappen. Und vielleicht ist es genau das, was es scheitern lässt: meine Verbissenheit. Es fällt mir schwer, dieses Thema entspannt und gelassen anzugehen, nachdem ich mich einmal dazu entschlossen habe, mein Leben mit einer Frau an meiner Seite zu bereichern - es zu vervollkommnen. Und vermutlich werde ich so lange keinen Erfolg haben, bis ich auch hier gelernt habe, einfach loszulassen.

Montag, 13. Juni 2016

Wer ich bin

Vor längerer Zeit habe ich mich
immer wieder gefragt
wer ich eigentlich bin
ohne darauf
eine wirklich sinnstiftende
Antwort zu finden

Denn es reicht nicht aus
verschiedene Attribute
aneinanderzureihen
verbunden mit der Hoffnung
ihre Summe ergäbe
eine erfüllende Antwort

Inzwischen habe ich begriffen
wer sich diese Frage stellt
fühlt sich unvollkommen
und grundlegend falsch
in dieser Welt

Ist auf der Suche
ohne das Ziel zu kennen
und kann das eigene Mosaik
nicht zusammenfügen

Erst wenn die eigene Vergangenheit
sich mit dem Gegenwärtigen
zu einem sinnvollen Ganzen
zusammenfügen lässt
und der Blick nach Vorn
seinen Schrecken verloren hat
verschwindet diese Frage
in die Bedeutungslosigkeit

Heute stelle ich mir
diese Frage nicht mehr
sondern ich lebe
in dem Bewusstsein
dass sich alles fügen wird
und das was ich tue, fühle und denke
alles am richtigen Platz ist

Sonntag, 12. Juni 2016

Gruppenerfahrungen

Eigentlich verbinde ich mit Gesprächsgruppen - insbesondere, wenn es sich dabei um eine therapeutisch orientierte Ausprägung handelt - keine sehr angenehmen Erinnerungen. Zu häufig habe ich erleben müssen, dass meine Anliegen und Bedürfnisse dort nicht nur unzureichend Gehör fanden, sondern auch, dass sich ein Großteil der anderen Mitglieder ungehindert gegen mich zusammenschließen konnten, und so aus ihrer Ablehnung gegen mich keinen Hehl machten.

Das alles liegt schon lange zurück, aber die Erinnerungen an meine Hilflosigkeit und das Gefühl von der Situation Ausgeliefert-sein sind mir immer geblieben. Diese Erlebnisse hatten ihren Anteil daran, dass ich mich in größeren Gruppen immer unwohl und fehl am Platz gefühlt habe, und mein Selbstbild als missverstandener Außenseiter latent geprägt haben.

So hat es mich große Überwindung gekostet, der Empfehlung meiner Therapeutin zu folgen, und mich einer ihrer Therapiegruppen anzuschließen - anstelle einer von mir damals eigentlich bevorzugten Einzeltherapie. Und so fiel es mir anfangs tatsächlich schwer, mich gegenüber den anderen zu öffnen, etwas wirklich Persönliches von mir preiszugeben - obwohl ich von Beginn an sehr viel Verständnis und Anteilnahme erfuhr - sehr zu meiner Überraschung. Ich wurde tatsächlich verstanden und erlebte, dass ich mit meinen "schrägen" Empfindungen und Erfahrungen nicht allein war. Im Gegenteil: Vieles von dem, was andere erzählten, kam mir vertraut vor - sehr vertraut. Und allmählich begriff ich, dass ich nicht nur kein verschrobener Einzelgänger bin, sondern ein geschätztes und bisweilen sogar sehr gemochtes Mitgleid dieser Gruppe, das immer auf ein offenes Ohr rechnen kann, was auch immer ich zu berichten habe.

Es ist ein unbeschreiblich beglückendes Gefühl: Teil einer Gruppe von Gleichgesinnten zu sein, die füreinander da sind und einstehen - völlig egal, wie absurd und schräg einem selbst die eigenen Gedanken manchmal anmuten. Und so fällt es mir von Mal zu Mal leichter, die anderen an meinen privatesten Gedanken teilhaben zu lassen und mich sogar darauf zu freuen, wieder die Gelegenheit zu haben, "Ballast" abwerfen zu können, ohne belächelt, oder gar verspottet und angefeindet zu werden. Und es ist ausgesprochen schön zu merken, dass andere von meinen Erfahrungen und Gedanken ebenfalls profitieren können. Es ist ein wirklich harmonisches und ausgewogenes Geben und Nehmen - frei von Profilierungssucht und Egoismen. Das macht es tatsächlich leicht, und zu einer wirklichen Hilfe für den Alltag!

Samstag, 11. Juni 2016

Aggressivität

Ich komme nicht damit klar
wenn Menschen mir
ohne erkennbaren Grund
und anscheinend nur schon mal prophylaktisch
ihre Aggressivität entgegenbellen

Sie halten das dann
für Humor
und unterstellen mir
Humorlosigkeit
wenn ich das nicht erkenne
als sei es eine
stillschweigende Übereinkunft
beides miteinander gleichsetzen zu müssen

Grundlose Aggressivität
lässt mich zurückschrecken
und beim besten Willen
kann ich ihre komische Seite
nicht erkennen

Was stimmt nur nicht mit mir?

Freitag, 10. Juni 2016

Erfahrungswerte

Die starken Gefühle
immens verwirrend und bedrohlich
sind verschwunden
und es bleibt
die Erleichterung
noch einmal davongekommen zu sein

Bin wieder
ganz Herr meiner Sinne
innerlich sortiert
und um Erfahrungen reicher

Früher hätte ich mich
im Scheitern vergraben
mich bemitleidet
und mir geschworen
allein zu sterben

Jetzt aber bin ich dankbar
für die Erfahrung
die mich lehrt mit Bedacht
und gesunder Skepsis
dem Neuen zu begegnen

Und ich bin mir sicher
mein Leben hört nicht auf
wegen eines Fehlschlags
sondern da draußen
irgendwo
wartest du auf mich





Donnerstag, 9. Juni 2016

Bin ich beziehungsfähig?

Diese (bisweilen äußerst existentielle) Frage begleitet mich mit Unterbrechungen seit vielen Jahren - ohne dass ich jemals auf den Gedanken gekommen wäre, mit ihr die eigentlich noch wichtigere Frage zu verknüpfen, was Beziehungsfähigkeit für mich überhaupt bedeutet. Die jüngsten Ereignisse aber veranlassen mich, mir dieses Mal diese eigentlich viel bedeutsamere Frage zu stellen, nachdem meine Beziehungsfähigkeit von anderer Seite grundsätzlich mit großer Vehemenz und ebenso großer Unkenntnis meines biografischen, und vor allem ethischen Hintergrundes, pauschal angezweifelt worden ist.

Ich bin ein komplizierter und vielschichtiger Mensch - bisweilen unbequem, und für andere Menschen vielleicht manchmal auch eine Herausforderung, oder sogar Zumutung. Aber auch ich habe meine lichten Momente wenn es darum geht, anderen Menschen Achtung, Anerkennung und vor allem Respekt entgegenzubringen, und sie in ihrer Einzigartigkeit, oder auch Andersartigkeit keinesfalls zu hinterfragen, oder gar zu kritisieren. Im Gegenteil: Im Grunde wertschätze ich zunächst einen jeden Menschen der mir begegnet; unabhängig von seiner Herkunft, seinen Überzeugungen und seinem Geschlecht. Natürlich kann auch ich nicht mit jedem Menschen, und werde durch meine subjektiven Sympathien und Präferenzen beeinflusst - wie jeder andere Mensch auch. "Erschwerend" kommt bei mir noch hinzu, dass mein Sozialverhalten, und damit mein Umgang mit anderen Menschen, durch gravierende Erfahrungen und Traumata entscheidend geprägt wurde. Und damit natürlich auch (und gerade) mein Verhältnis zum anderen Geschlecht. Aber was bedeutet das konkret? Mein Verhältnis zu Frauen war über viele Jahre von vielen Unsicherheiten beeinflusst: insbesondere in Bezug auf mein Selbstvertrauen, und im Hinblick darauf, ihnen in jedem Fall gefallen zu wollen. Das führte dazu, dass ich jeden Konflikt nahezu panisch vermieden -, und mich zu oft ihren Bedürfnissen angepasst habe. Und es hatte zur Folge, dass meine Beziehungen irgendwann mehr oder minder heftig implodiert sind.

Über viele Jahre habe ich mich selber als zu "krank" erlebt, als dass ich mich einer Frau hätte zumuten wollen. Und es war ein langer und mühsamer Weg, mich meiner Traumata und ihrer Folgen zumindest weitgehend zu enledigen - verbunden mit dem Gewinn einer neuen Betrachtungsweise, einer neuen Einstellung zu mir, die alle Facetten meiner Persönlichkeit berücksichtigt und einschließt. Damit untrennbar verbunden ist die Fähigkeit, mich ein wenig in mein Gegenüber einfühlen zu können, seine Bedürfnisse zu erkennen und danach zu handeln. Aber ebenso untrennbar sind diese Fähigkeiten, und meine Bereitschaft mich einzulassen mit den Eigenschaften und der Persönlichkeit meines Gegenübers verbunden. Und somit hängt das aufeinander Eingehen können von beiden Seiten ab. Je mehr Vertrauen, Zuneigung und Verständnis gegenseitig und im Miteinander entstehen können, auf umso sicherem Fundament stehe ich, und damit auch die Beziehung. Ich möchte sogar so weit gehen zu behaupten, dass Fähigkeiten sich erst im Miteinander wirklich entwickeln und entfalten können, in der Resonanz des Gegenübers. Sie entstehen nicht vorgefertigt im luftleeren Raum ohne die Möglichkeit des Übens.

Ich nehme für mich in Anspruch, ein reflektierter Mensch zu sein der fähig ist, sein Verhalten zu hinterfragen, und eigene Fehler nicht nur einzusehen, sondern auch aus ihnen zu lernen. Das war nicht immer so - sondern es hat sich mit den Jahren entwickelt. Und ich denke, dass wenn Beziehungen scheitern, nicht nur einer allein die Schuld daran trägt- sofern es dabei überhaupt um Schuld geht. Sondern es ist immer das Zusammenspiel beider Seiten, von dem das Gelingen, oder auch das Scheitern abhängt.

Damit komme ich zurück zur Ausgangsfrage: ob ich beziehungsfähig bin, hängt auch immer von meinem Gegenüber ab, und von der Qualität der Begegnung, der "Chemie" und der Verlässlichkeit auf mehreren Ebenen. So kann die Antwort nicht "ja" oder "nein" lauten, sondern: "es kommt darauf an".


Präferenzen

Normalerweise äußere ich mich grundsätzlich nicht öffentlich (und selbst privat nur äußerst ungern) zu intimen Präferenzen anderer Menschen. Und jetzt mache ich das auch nur deswegen, weil mich dieses Thema in den letzten Tagen dermaßen beschäftigt, und es mich fast vollständig an meine Grenzen gebracht hat. Die Rede ist von BDSM. Tante Wikipedia sagt dazu: " Der Begriff BDSM, der sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“ zusammensetzt, beschreibt eine sehr vielgestaltige Gruppe von meist sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselungsspielen in Zusammenhang stehen können (...)" Und weiter heißt es: "(...) Alle Varianten des BDSM haben gemeinsam, dass sich die Beteiligten freiwillig aus ihrer Gleichberechtigung in ein Machtgefälle begeben. Der devote Partner gibt einen bestimmten Teil seiner Autonomie auf und übergibt sie dem dominanten Partner (Power Exchange). Beide Beteiligten erzielen daraus einen Lustgewinn. Der dominante Partner wird auch Dom oder Top genannt, der devote Partner auch Sub oder Bottom.(...)"

Ich muss gestehen, bis vor Kurzem hatte ich nur eine sehr periphere und vage Vorstellung von diesem Thema - es spielt in meinem Leben überhaupt keine Rolle, und bislang gab es auch keinen Grund für mich, mich diesem Thema überhaupt zu widmen. Aber im Rahmen des Kennenlernens einer Internetbekanntschaft bin ich unvermittelt und wie aus heiterem Himmel mit diesem Thema konfrontiert worden - im Rahmen eines intensiven Mailkontaktes, wo es um Vertrauen und um das tatsächliche Kennenlernen des Gegenübers ging. Und ich gebe zu: Die Konfronation mit diesem Thema hat mich komplett überfordert, und mich völlig ratlos gemacht. Dabei liegt es mir ausdrücklich fern, die Neigungen anderer Menschen zu be- oder gar zu verurteilen. Das würde ich mir niemals anmaßen, und außerdem bin ich mit dieser Thematik, oder Spielart der menschlichen  Erotik viel zu wenig vertraut, um mir darüber ein fundiertes Urteil erlauben zu können. Aber es hat mich geschockt, weil es mir total fremd ist, und das diametral gegenüber liegende Bild dessen ist, was ich unter liebevollem, intimem und gleichberechtigtem Umgang miteinander verstehe. Und ja: es hat mir Angst gemacht!

Es widerspricht in allem meinem Verständnis von respektvollem, vertrauensvollem und achtsamem Umgang miteinander in einer Beziehung, dem Anderen Schmerzen zuzufügen, ihn zu unterwerfen, oder selber unterworfen zu werden, und Schmerzen zu erleiden - selbst auf der Basis völliger Freiwilligkeit. Und ich hasse es, in einer beliebigen Situation - und sei sie noch so begrenzt - hilflos ausgeliefert zu sein.

Seitdem frage ich mich, wie ein Mensch geschaffen sein muss, um an dieser Form des Umgangs miteinander, der sich ausdrücklich nicht nur auf das rein Sexuelle bezieht, sondern auch im alltäglichen Miteinander eine Rolle spielt, Gefallen zu haben, und Lust dabei zu empfinden. Und ich finde keine Antwort! Aber gleichzeitig wird mir auch immer deutlicher, dass dieses Thema trotz meiner Beschäftigung damit, keinen dauerhaften Platz in meinem Leben hat, und auch nicht haben sollte. Denn bei aller Offenheit für Neues und Unbekanntes, die ich mir durchaus zugestehe, gibt es Grenzen, die ich nicht überschreiten kann und werde.




Mittwoch, 8. Juni 2016

Und trotzdem

Nur selten in meinem Leben
gab es besondere Begegnungen
die mich berühren
mir unter die Haut gehen
und mich erahnen lassen
was Glück bedeuten kann

Ich bin nicht gerade
verwöhnt vom Glück
und lange habe ich geglaubt
dass es mich aus Bosheit meidet
und ich es nicht verdient habe

Ich glaubte
ich müsse mich zufriedengeben
mit Kompromissen
und hätte Dankbarkeit zu zeigen
für die Brotkrumen
die mir zugeteilt wurden

Und Liebe war nur ein
sehnlichster Wunsch
eine Illusion
völlig unerreichbar
und ohne einen Platz
in meinem Leben

Und ich sehnte und sehnte
mich nach Erfüllung
traurig ahnend
es würde beim Sehnen bleiben

Dann kamst du
und mit einem einzigen Lächeln
wischtest du die Schatten beiseite
ließest mich wieder fühlen und hoffen
tief und wahrhaftig

Dein Lächeln
ließ mich strahlen
und es war voll von
wärmender, liebevoller
Aufmerksamkeit

Und ich spürte neue Hoffnung
dass ein Leben zu zweit
selbst für mich
doch nicht völlig
unmöglich ist

Inzwischen bist du fort -
nur eine flüchtige Begegnung
die dennoch Spuren hinterlässt die dauern
und mit ihnen auch Enttäuschung
und die Erkenntnis
wie flüchtig Illusionen sind

Und trotzdem bin ich froh
und dankbar
dir begegnet zu sein

Wie gewonnen...

Manche Erlebnisse sind zu schön, um wahr zu sein. Und wenn es sich genauso anfühlt, dann ist es auch (leider) meistens so.

Ich habe gelernt: Euphorie ist ein schlechter Ratgeber, denn sie vernebelt den Blick auf die Wirklichkeit, und erst in der Auseinandersetzung zeigt sich der wirkliche Charakter eines Menschen. Erst dann erfährt und erlebt man, wie das Gegenüber mit Argumenten umzugehen vermag, und ob sie überhaupt zur Kenntnis genommen werden, oder wie der Versuch behandelt wird, die Angelegenheit wieder in friedliche und versöhnliche Bahnen zu lenken. Ich habe versucht, sachlich zu argumentieren, und ich habe versucht, eine eigentlich aus Missverständnissen entstandene Auseinandersetzung wieder zu befrieden. Leider vergebens.

Und trotzdem: Das erste Date mit ihr war und bleibt ein unbeschreiblich schönes und nachhaltiges Erlebnis mit einem wirklich interessanten und faszinierenden Menschen - selbst wenn es eine Fortsetzung nicht geben wird, und das schale Gefühl der Enttäuschung sich hineinmischt.
Es wäre jetzt leicht zu behaupten, es habe ausschließlich an ihr gelegen und an ihrem rigorosen und wenig sachlichen Umgang mit mir. Oder an den verletzenden Vorwürfen. Aber das wäre zu einfach. Denn es lag auch daran, das mir im entscheidenden Moment der innere Druck zu groß wurde, die Angelegenheit unbedingt klären zu wollen, und es mir am Vertrauen mangelte, dies auch so zu artikulieren und unmissverständlich um eine Auszeit wegen emotionaler Überforderung zu bitten.


Aber vielleicht ist es auch so, dass gerade Internetbekanntschaften durch den intensiven Kontakt sehr schnell die Illusion von Nähe und Vertrautheit erzeugen, die der Wirklichkeit aber nicht standhalten - zumindest nicht nach so kurzer Zeit. Und gerade Vertrauensbildung bedarf zumindest bei mir einer wesentlich längeren Zeitspanne, und sie kann nicht innerhalb weniger Tage durch die Verdichtung des gegenseitigen Austauschs in ihrer Dauer verkürzt werden.

Ich war in jedem Fall in einem emotionalen Ausnahmezustand, der klares Denken und den nötigen Abstand erschwert. Und so schön starke Gefühle auch sind - sie allein reichen nicht aus, um einen Menschen tatsächlich kennenzulernen und einschätzen zu können. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich; und sie halten mich nicht davon ab, mit großer Zuversicht weiter auf dem eingeschlagenen Weg zu gehen - um eine wichtige Erfahrung reicher und besser gewappnet.

Dienstag, 7. Juni 2016

"Plüschigkeit" oder was ist Attraktivität?

Plüschigkeit? Bis vor ein paar Tagen kannte ich diesen Begriff noch garnicht. Und als ich seine Bedeutung erfuhr, musste ich lächeln. Denn es ist ein anderer, und so garnicht diskriminierender und herabsetzender Begriff für "mollig". Und ich finde ihn viel zutreffender.

Plüschige Menschen sind vielen versteckten Vorurteilen und auch Anfeindungen ausgesetzt, und es gehört viel Mut und ein starkes Selbstbewusstsein dazu, mit der eigenen, so auffälligen äußeren Erscheinung souverän, charmant und selbstverständlich umzugehen. Und sehr häufig werden sie - wie andere, auf ihre eigene Weise "auffällige" Menschen, auf dieses eine Merkmal reduziert. Ich weiß, vovon ich spreche, denn mir mit meiner Erkrankung ist das auch häufig widerfahren, und ich habe Jahre benötigt, um mich weitgehend davon freizumachen - und wirklich zu verinnerlichen, dass meine Erkrankung nur ein Aspekt meiner Persönlichkeit ist.

Für viele Menschen bemisst sich die Attraktiviät eines anderen Menschen nach seiner äußeren Erscheinung. Und wohl in den meisten Fällen leider ausschließlich. Aber damit berauben sie sich einzigartigen Begegnungen mit unglaublich facettenreichen, großartigen und auch von Innen heraus attraktiven Menschen.

"Wahre Schönheit kommt von Innen" ist ein Satz, den ich für mich ab sofort komplett so unterschreiben kann. Zwar bin auch ich ein Ästhet, dem das äußere Erscheinungsbild nicht völlig unwichtig ist. Aber für mich ist die äußere Erscheinung eines Menschen nur ein Teilaspekt - viel wichtiger ist da das "Gesamtpaket". Und dazu gehören neben den Äußerlichkeiten die nur schwer in Worten zu beschreibende Ausstrahlung, der Charme, der Verstand und die Herzensbildung eines Menschen. Erst das alles zusammen machen für mich einen Menschen, eine Frau, wirklich attraktiv und begehrenswert, und damit zu jemandem, in den ich mich tatsächlich und aufrichtig verlieben kann.

Ich gebe offen zu: das alles sind komplett neue und auch verwirrende Erfahrungen und Erkenntnisse für mich! Und ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie es sich auf Dauer "anfühlt". Aber ich möchte es wirklich gerne herausfinden - ohne Vorbedingungen und Einschränkungen.

Montag, 6. Juni 2016

Bin eben doch ein unbelehrbarer Romantiker

Herbsttraum

Ich träum' davon, mit dir durchs bunte Laub zu wandern
während die Sonne sich im Westen neigt -
am Waldesrand sich erster Nebel zeigt
und langsam fügt sich eins zum andern.

Mit dir zu träumen, lachen und zu sprechen
die erste leise Harmonie zu spüren
ein allererstes Mal dich zu berühren -
zu warten, und dein Herz nicht brechen.

Davon erzählen, was uns wichtig scheint,
damit wir Rücksicht und Verstehen üben können
einander uns den Freiraum gönnen
uns wirklich kennenlernen in Behutsamkeit.

Gemeinsam in der Gegenwart zu leben
Vergang'nes, Dunkles ruh'n zu lassen
vielleicht sogar ein kleines Stück Unendlichkeit
gemeinsam zu erfassen...

Nervosität vor dem ersten Date

Ich gebe zu: ich bin tierisch nervös vor meinem ersten Date heute! Und das darf auch so, denn schließlich ist es nicht nur das allererste Date mit einer "Bekanntschaft" aus dem Netz, sondern auch das erste Date nach über zehn Jahren überhaupt.

Ich bin "aus der Übung", was Frauen betrifft, und habe mich sehr lange davor gescheut - auch Mangels Gelegenheit - überhaupt wieder jemanden kennenzulernen. Und zweifelsohne war das auch  richtig so für die letzten Jahre - es hätte einfach nicht funktioniert, und ich hätte mich vermutlich bis auf die Knochen blamiert; hätte die Situation als solche nicht aushalten können...

Wir hatten mehrere lange Telefonate (jeweils weit über eine Stunde), und es hat sich gezeigt, dass wir uns zumindest sympathisch sind und gut miteinander reden können - sehr offen und frei von Scheu. Das ist ein gutes Zeichen! Und wir stimmen in Vielem überein, was ich mir zwar erhofft, womit ich aber nicht gerechnet habe.

Sie hätte schon jetzt Grund genug gehabt, den Kontakt vorzeitig zu beenden, und das hätte mich auch nicht weiter überrascht. Aber überrascht hat mich dafür, dass sie es eben nicht getan hat und statt dessen hartnäckig am Ball geblieben ist, und sogar Verständnis gezeigt hat. Und ich finde es mutig von ihr, mich tatsächlich kennenlernen zu wollen, denn sie kennt zumindest in groben Zügen meine Vorgeschichte. Das zeugt für mich von innerer Größe. Und bin nervös! Gut: sie wird es vermutlich auch sein - das sollte es mir etwas erleichtern. Tut es aber nicht. Statt dessen fühle ich mich wie ein Teenager, der sich das erste Mal mit einem Mädchen verabredet. Und der überhaupt keinen Plan hat. Und kann es sein, dass ich schon ein wenig in ihre Stimme verliebt bin?

Jedenfalls ist es schön, mich nach so langer Zeit grundsätzlich wieder einlassen zu können, ohne die Angst zu scheitern, oder auf menschlicher Ebene zu versagen. Und ich bin gespannt!

Sonntag, 5. Juni 2016

Fake-Frauen und dumme Tricksereien

Vielleicht ist es ja naiv anzunehmen, dass - wenn Frauen auf Kontaktanzeigen antworten - sie es immer genauso ehrlich meinen, wie derjenige, der die Annonce aufgegeben hat. Was die Aufrichtigkeit betrifft: da bin ich mittlerweile eines Besseren belehrt worden!

 Seit kurzem bin ich ja wieder auf "Freiersfüßen", wie man früher so schön sagte, und wäre ich ich ein leichtgläubiger Mensch, hätte ich schon jetzt deutlich weniger Kohle in der Tasche als vorher. Ich habe mehrere Anzeigen geschaltet, und mir da wirklich eine Menge Mühe gegeben, um mich so ehrlich und umfassend darzustellen wie möglich, sowie meine Vorstellungen und Wünsche. Es scheint aber "Frauen" zu geben (wenn es sich überhaupt um echte Frauen handelt), die sich damit Geld dazuverdienen, indem sie aus ihrer Sicht schwanzgesteuerte und/oder einsame Männer auf kostenpflichtige Dating-Seiten zu locken versuchen. Der Trick ist ganz einfach: sie antworten vordergründig nett und ausführlich auf die Anzeige und weisen mitten im Text darauf hin, dass sie sich aus "Diskretionsgründen" mit einem Alias auf einer (wie sich hinterher herausstellt, schweineteuren) Dating-Seite angemeldet haben. Und damit der so neugierig gewordene Mann mehr über sie erfahren, und ein Foto sehen kann, wird er gaaanz lieb gebeten, sich dort anzumelden. Eine Variante dieser Masche ist, dass "sie" für den Erstkontakt nur über die Hotline einer "Agentur" erreichbar ist.

Da das Ganze sehr professionell aufgezogen ist vermute ich, dass damit tatsächlich eine Menge Geld zu machen ist. Dumm nur, wenn Mann doch nicht einsam, dumm und naiv genug ist, sich darauf einzulassen! Jedenfalls habe ich von den Damen nie wieder etwas gehört, wenn ich ihnen sehr höflich zu verstehen gegeben habe, dass ich mich grundsätzlich nicht auf soetwas einlasse, und andere Wege des Kennenlernens bevorzuge.

Aber ein wenig traurig macht mich das schon: denn was für ein Männerbild haben solche Menschen? Und haben sie jemals eine wirklich glückliche und erfüllte Partnerschaft erlebt? Aber vielleicht bin ich ja bloß ein blöder und weltfremder Romantiker, der naiver Weise noch immer an die große Liebe glaubt, und der darauf hofft, "die Eine" auch auf diesem Weg treffen zu können...Wer weiß?






Samstag, 4. Juni 2016

Perversitäten

Wenn Naziarschlöcher es schaffen
mit Hilfe des Demonstrationsrechtes
eine ganze Stadt lahmzulegen
obwohl sie dem Rechtsstaat regelmäßig
den ausgestreckten Mittelfinger zeigen
dann ist das pervers!

Wenn Nazideppen
die Zivilgesellschaft daran hindern
ihr Leben zu leben
und sie in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken
dann ist das pervers!

Wenn Polizisten
die ihren Eid auf
das Grundgesetz geleistet haben
zu Erfüllungsgehilfen
dumpfbrauner Nazis werden (müssen)
dann ist das pervers!

Und wenn aufrechte Demokraten
daran gehindert werden
den Nazis ihren Unmut
und ihren berechtigten Zorn
kundzutun
dann ist das pervers!

Manchmal kann ich nicht soviel essen
wie ich gerne kotzen möchte!




Charakter

Habe meinen
eigenen Kopf
bin nicht
um jeden Preis verträglich und
biedere mich nicht
jedem an

Man darf es
auch gerne verschroben nennen
ich nenne es
Charakter
oder auch
Geradlinigkeit

Nicht alle kommen
damit klar
und damit
kann ich wunderbar
leben

Denn ich möchte nicht
jedermanns Freund sein
sondern nur
für die Menschen
die mir nahestehen
und mich
in meiner Komplexität
auch begreifen
(wollen)

Freitag, 3. Juni 2016

Vorurteile (eine Polemik)

Seit Kurzem begegnen sie mir wieder öfter: Vorurteile gegenüber Menschen mit einer psychischen Erkrankung, ergo auch mir gegenüber. Und ich muss mich damit auseinandersetzen, und mir die Frage stellen: Was stimmt mit den "Gesunden" nicht, wenn sie mich und andere fast ausschließlich auf mögliche und befürchtete Krankheitssymptome reduzieren, ohne genau dabei zu wissen, wovor genau sie sich eigentlich fürchten.
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich habe durchaus Verständnis dafür, dass Menschen, die noch nie in ihrem Leben mit psychischen Erkrankungen zu tun hatten, Menschen wie mir mit einer gewissen Befangenheit gegenübertreten. Aber die Befangenheit lässt sich überwinden, wenn man mich konkret nach Einzelheiten fragt, und ich die Möglichkeit bekomme, Zusammenhänge zu erläutern, und Vorurteile, sowie angelesene Halbwahrheiten und Halbwissen gerade zu rücken. Nur bekomme ich diese Chance zu selten. Statt dessen scheint es die Meinung zu geben, dass psychisch Erkrankte durch die Bank sabbernde und geifernde Psychopathen sind, die sich hinter Bildung, Freundlichkeit und Empathie nur verstecken, um im nächsten Moment laut schreiend aus der dunklen Ecke zu stürmen, um die nächste Frau zu schänden. Zugegeben: dieses Bild ist ein wenig überspitzt, trifft aber leider im Kern wohl zu. Und es macht mich traurig und wütend!
Ohne es zu hinterfragen, wird stillschwiegend vorausgesetzt, dass der "Kranke" sich fast ausschließlich durch die Erkrankung definiert, und dabei vollends zum eigenen Klischeebild wird - im Gegensatz zu anderen Erkrankungen, bei denen man selbstverständlich davon ausgeht, dass sie lediglich ein Teil des Ganzen sind.
Man stelle sich vor: ich führe tatsächlich ein ausgefülltes und weitgehend befriedigendes Leben, und das ohne allzu große Einschränkungen, und wider bestimmte Prognosen! Ich fühle mich weitestgehend "normal" und unbeschwert im Umgang mit anderen; und nichts liegt mir ferner, als Frauen zu missachten und ihnen Gewalt anzutun. Geschweige denn, andere Menschen wissentlich und willentlich schlecht und respektlos zu behandeln.
Das Rezept gegen Vorurteile ist so simpel wie effektiv: Unbefangenheit, Offenheit, Empathie und die Bereitschaft, sich fair mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dann klappt's auch mit dem freundlichen Psycho von nebenan!

Donnerstag, 2. Juni 2016

Schuldgefühle und Vertrauen

Es gehört zu meinen Eigenheiten, über bestimmte Verhaltensweisen zu reflektieren. Und manchmal denke ich, dass mir - hätte ich wesentlich früher damit begonnen - so Manches in meinem Leben vermutlich erspart geblieben wäre. Allerdings hat sich die Fähigkeit zur Selbstreflektion in meinem Fall doch gerade noch rechtzeitig entwickelt, und sie hilft mir dabei, allzu großen Schaden von mir abzuwenden.

Manchmal ist das schwer: sich einzugestehen, dass man einen Fehler begangen hat, und wieder in alte Verhaltensweisen abzurutschen droht. Und erst recht ist es schwer, einen Fehler anderen Menschen gegenüber einzugestehen. Denn gerade dann, wenn man einen Menschen neu kennenlernt, möchte man ja doch möglichst souverän und gut dastehen. Und Fehler offenbaren Schwächen, und damit mögliche Angriffsmöglichkeiten. Ich kenne das (zu) gut: dass meine Fehler gegen mich verwendet werden, und von ihnen pauschal auf meinen sowieso minderwertigen und verdorbenen Charakter geschlossen wird. Das sitzt tief, und ich bin nur schwer davon zu überzeugen, dass so ein Eingeständnis auch als mutiger und ehrlicher Charakterzug angesehen werden kann. Und bekomme ich genau diese Rückmeldung, dann beginne ich zu zweifeln, und denke im Stillen, dass dieses Lob nur vorgeschoben, und dass mein Gegenüber in Wirklichkeit entsetzt über mich ist...

Ich weiß, das klingt ziemlich verschroben und allmählich begreife ich, dass eine positive Rückmeldung auch tatsächlich so gemeint ist (oder zumindest so gemeint sein kann). Aber um es auch wirklich annehmen zu können, muss erst wirkliches Vertrauen entstehen. Und das dauert bei mir!

Urvertrauen ist das, was sich durch die frühkindliche Bindung an die Eltern entwickelt. Und wird dieses Vertrauen beschädigt, dann hat das für das ganze weitere Leben gravierende und nachhaltige Auswirkungen, die sich nur schwer revidieren lassen. Bei mir ist das so. Und es fordert eine Menge Geduld von meinen Mitmenschen, mir die Zeit zu geben, Vertrauen aufzubauen.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Gefühlswege

Wer wie ich über einen sehr langen Zeitraum in gefühlsmäßiger Gleichförmigkeit - oder Ödnis - gelebt hat, und nur von Gefühlen wie Einsamkeit, Angst und Depression begleitet wurde, wird vermutlich genauso empfinden wie ich, wenn er dieses Tal unversehens hinter sich gelassen hat. Es ist unbeschreiblich schön, wieder am Leben teilzuhaben, neue, gänzlich unbeschwerte Begegnungen zu haben, und zu spüren, dass man lebendig ist.

Zur Zeit bekomme ich wieder das volle Spektrum an Gefühlen serviert. Und so schön es auch ist, es fordert, und überfordert mich. Es ist so, als wenn völlig vernachlässigte Muskeln plötzlich wieder gefordert und beansprucht werden: sie schmerzen, und müssen an ihre Betätigung erst wieder gewöhnt werden. Und niemand wird ernsthaft von einem ehemals Gelähmten erwarten, ohne entsprechende Vorbereitungszeit und Training den Ironman zu absolvieren.

Ich bin wieder im Besitz meiner vollständigen Menschlichkeit, die ich lange, und auch dauerhaft verloren glaubte. Dazu zählt auch, mich wieder verlieben zu können, und zu wollen. Aber ich brauche Zeit, mich an dieses äußerst diffizile Gefühl wieder heranzutasten und Zeit, mich darin behutsam ausprobieren zu können. Die letzten zehn Jahre hatte ich dazu keine Gelegenheit. Und ich bin mir sehr wohl dessen bewusst, dass damit auch ein hohes Maß an Verantwortung für das Wohlbefinden (sowohl für mich selber, als auch für das des Menschen an meiner Seite) einher geht.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit, in der viel verloren gegangen ist: mein Selbstvertrauen, aber auch das Vertrauen in die Aufrichtigkeit des möglichen Gegenübers. Das macht es zur Herausforderung für beide Seiten. Und es braucht Geduld - auch von beiden Seiten. Das könnte schwierig werden, aber ist nicht unmöglich.