Dienstag, 30. August 2016

Lernprozesse

Das Thema "Normalität" beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit und aus unterschiedlichen Perspektiven.
Während der langen Jahre der "nur" Berentung war es eher ein Abstraktum - ein eher unbestimmter und unerreichbarer Wunsch, der sehr eng verknüpft war mit der Gefahr, mich unwillkürlich am Leben anderer zu messen, und dabei zu scheitern.
In den letzten Monaten ist eine Menge passiert: Ganz allmählich bin ich meiner zum Teil selbstauferlegten Isolation entwachsen, habe neue Erfahrungen in den unterschiedlichsten  Bereichen des Lebens gemacht, Beschäftigung gefunden, neue Menschen kennengelernt - und damit unversehens meine Normalität gefunden - beziehungsweise angefangen, sie zu entdecken und zu gestalten. Ich habe wieder ein Leben, das mir auch mitteilenswert erscheint, und das ich nicht länger schamhaft verstecken muss - mit vielen Nuancen und Herausforderungen. Und ich habe Pläne, es weiter zu bereichern und Neues hinein zu nehmen - allmählich und Stück für Stück.
Für mich ist das spannend und ich bin voller Neugier auf das, was noch kommen mag. Und ein klein wenig ängstlich und skeptisch bin ich auch aufgrund meiner Erfahrungen, und werde mehr Zeit benötigen zu lernen, mit Neuem adäquat und vor allem geduldig umzugehen. Und wie immer gilt: Ich halte euch auf dem Laufenden!

Samstag, 27. August 2016

Mehr Normalität wagen

Der Titel dieses Postes ist eine Anspielung auf Willy Brand's legendären Ausspruch: "Wir wollen mehr Demokratie wagen..."
Für eine ziemlich lange Zeit war Normalität für mich ein weitgehend abstarkter Begriff - jenseits meiner Lebenswirklichkeit, die sich in den allzu engen und beklemmenden Grenzen meiner Erkrankung abspielte. Normalität- das waren "die Anderen" mit Familie, Berufsleben und einer Fülle von sozialen Kontakten.
Seit einigen Monaten nähere ich mich diesem unbekannten Land namens "Normalität" vorsichtig an: Neue Kontakte knüpfen, Partnersuche und seit zwei Wochen eine neue und bezahlte Aufgabe in einem "richtigen" Beruf. Das alles ist noch ungewohnt und ich muss sehr darauf achtgeben, mich nicht zu überfordern, und mir mehr zuzumuten, als ich bewältigen kann. Aber zugleich ist das alles unerhört spannend und abwechselungsreich - normal eben - innerhalb gewisser Grenzen. Und ich stelle fest, dass ich meinen Mut und meine Zuversicht wiedergefunden habe, mich all dem zu stellen, es auszuprobieren - und ein mögliches Scheitern oder Straucheln nicht länger als Weltuntergang, sondern eher als wertvolle Erfahrung zu betrachten, aus der ich für die Zukunft lernen kann. Es ist meine Normalität - individuell auf mich zugeschnitten - ohne überfordernde und illusorisch hohe Maßstäbe von Außen - an denen ich zwangsläufig scheitern würde.
Das Leben ist wieder bunt, interessant und abwechselungsreich, und - ich habe es mir ausgesucht!

Mittwoch, 24. August 2016

Einfach mal wohlfühlen

Die zweite Arbeitswoche ist fast geschafft - und ich fühle mich wohl! Die Stimmung ist entspannt, es gibt genügend zu tun, und Stück für Stück werde ich von meiner überaus geduldigen und hilfsbereiten Kollegin - sporadisch auch vom Chef persönlich eingearbeitet.
Ich fühle mich zunehmend sicherer bei dem was ich tue, und meine altbekannten Selbstzweifel lassen langsam nach. Das tut gut!
Schön ist, dass ich irgendwann einmal tatsächlich Sachbearbeitung machen werde - also keine Hilfstätigkeit im Sinne von: "Geh mal kopieren!", oder "Koch Kaffee!", oder "Hefte das mal ab!"... Nein, ich werde richtig Verantwortung haben: Buchhaltung, Zahlungseingänge kontrollieren, Reparaturaufträge erteilen, usw... Das macht richtig Spaß und ich darf eine Menge Neues lernen! Und: Es gibt keinen Druck, die Dinge innerhalb einer bestimmten Zeit erledigt haben zu müssen. Das ist für mich besonders wichtig, denn ich habe das auch anders kennengelernt - mit verheerenden Folgen für mein Wohlempfinden. Der einzige Druck der bei der Arbeit entsteht ist der, den ich mir selbst mache - aus alter Gewohnheit. Also ist es auch ausschließlich an mir, ihn Stück für Stück zu reduzieren - und mich einfach mal wohlzufühlen.

Sonntag, 21. August 2016

Ein Foto-Shooting

Gestern hatte ich mein allererstes Foto-Shooting als "Model" mit einer großartigen Fotografin - Ina Caspari.  Es war ein unglaublich intensives und intimes Erlebnis auf mehreren Ebenen: Man erfährt sehr viel über sich und entdeckt neue Facetten der eigenen Persönlichkeit - angefangen bei Nachdenklichkeit, über Albernheit, Verschmitzheit, Traurigkeit, bis hin zu völlig gelöster Freude und befreiendem Lachen. Das alles sieht man dann auf den Bildern - man entdeckt eine Entwicklung, einen Prozess des zunehmenden Vertrauens und sich Einlassen Könnens auf die Fotografin, der es gelingt, das alles einzufangen und hervor zu locken. Und bei mir ist das nicht einfach!
Dieser permanente Prozess des sich Öffnens fordert viel Kraft. So ist der heutige Tag ein Tag des Ausruhens und der Regeneration - nach einem einzigartigen und erkenntnisreichen Ereignis. Danke Ina!

Donnerstag, 18. August 2016

Nur Positives

Meine erste Arbeitswoche ist zuende, und mir gehts gut! Chaos im Kopf in den ersten Wochen - bis man dann mal alles weiß und auf die Reihe bekommt - gehört dazu, und meine wirklich nette und aufmerksame Kollegin macht es mir da wirklich einfach. Auch dazu gehört für mich, dass ich in den ersten Wochen nach der Arbeit platt bin, und nichts anderes mehr geschafft bekommen zuhause. Damit habe ich früher ziemlich gehadert, aber inzwischen ist das völlig in Ordnung so, und ich genieße einfach den wohlverdienten Feierabend! Und aufräumen kann ich ja schließlich auch zum Wochenende...

Donnerstag, 11. August 2016

Status Quo

Nach den (zum Teil selbstverschuldeten) Turbulenzen der letzten Wochen tut es unendlich gut, wieder bei mir zu sein, und mehr auf mein Wohlergehen zu achten.
Mir ist mal wieder bewusst geworden, wie fragil mein seelisches Gleichgewicht ist, und wie sehr ich darauf achten muss, nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Aber irgendwie hat das Alles auch sein Gutes: Ich habe sehr aufschlussreiche Erfahrungen machen können, und zumindest eine wirklich schöne und interessante Begegnung gehabt, aus der sich noch so manches Schöne entwickeln kann, nachdem ich auch hier mal wieder alles falsch gemacht habe, was mein großes Reservoir an Verhaltensmustern so anbietet. Das ist schön, und mal wieder bin ich überrascht worden von der Geduld und dem unverfälschten Interesse eines Menschen an mir - ungeachtet meiner Fehler.
Jedenfalls ist die Wirklichkeit um einiges nuancenreicher und interessanter, als meine Fantasie, meine Wünsche und Sehnsüchte sich das so ausgemalt haben. Mal schauen, was noch so alles kommt...

Dienstag, 9. August 2016

Innere Balance

Inneres Gleichgewicht ist
niemals selbstverständlich
sondern es fordert mich
tagtäglich heraus
darum zu kämpfen
und ihm die nötige
Aufmerksamkeit zu widmen

Und es rächt sich
wenn ich mich auf Dauer
in Sicherheit wähne
und meine innere Stimme
geflissentlich ignoriere
weil sie mich mal wieder
tierisch nervt
und mir den Spaß
vermiesen will

Dass Spaß auch
mit Achtsamkeit
verbunden sein kann
ohne Risiko
ohne den Drang
zur Selbstgefährdung
ist eine ziemlich neue Erfahrung
die ich aber gerne
öfter machen möchte




Samstag, 6. August 2016

Selbstkritisches

Ich bin wieder zurück in der Wirklichkeit. Die letzten Wochen - und insbesondere die letzten beiden - waren eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt, bisweilen sogar ein Höllenritt.
Zwischenzeitlich hatte ich die Bodenhaftung verloren , und mich komplett und ohne nötige Distanz meinen Träumen und Sehnsüchten nach einer Partnerschaft hingegeben - und bin im Nachhinein ein wenig erschrocken über die Heftigkeit meiner Gefühle. Und das, obwohl ich den jeweiligen Frauen nicht einmal wirklich nahe gekommen bin, geschweige denn, mit ihnen intim geworden bin.
Onlinedating verleitet dazu, sich in eine Art Traumwelt zu begeben - nur gesteuert von Wünschen, Sehnsüchten und dem Verlangen nach Nähe, Zärtlichkeit und sexueller Erfüllung. Wirkliche Begegnungen von Angesicht zu Angesicht sind selten, und die, die ich hatte, hinterlassen einen äußerst zwiespältigen Nachgeschmack.
Ich bin leichtsinnig gewesen, und in einen suchtähnlichen Sog hineingeraten - nach großen Gefühlen und der einen großen Liebe - und bin (natürlich) enttäuscht worden. Denn Liebe entsteht nicht durch intensiven Mailkontakt, stundenlange Telefonate und ein paar Treffen - und vom Verstand her war mir das durchaus bewusst. Und ich habe feststellen müssen, dass meine Impulsivität und meine Unerfahrenheit mir gefährlich werden können - nämlich dann, wenn sie meinen Verstand vernebeln, und meine Vernunft, meine Bedächtigkeit außer Kraft setzen.
Und mir das einzugestehen, fällt mir schwer. Sehr schwer. Allerdings kann ich diesem Abenteuer auch etwas Positives abgewinnen: Ich habe viel über mich gelernt und weiß nun, worauf ich zukünftig zu achten habe. Und ich werde einen Gang zurückschalten, mich hauptsächlich auf meinen beruflichen Neubeginn konzentrieren - alles Andere wird kommen, wenn der richtige Zeitpunkt da ist. Natürlich bin ich weiter auf der Suche, denn der Wunsch nach einer Gefährtin, nach Nähe und Intimität ist nach wie vor groß. Aber ich werde Vorsicht walten lassen und sehr darauf achten, dass es mir mit Begegnungen auch tatsächlich gut geht.

Donnerstag, 4. August 2016

Neubeginn

Ich hatte diesen Text zwischenzeitlich zurückgezogen. Und das aus guten Grund: Denn zwischenzeitlich sah es so aus, als sei die Verbindung, der Kontakt endgültig vorbei. Aber man soll ja bekanntlich nie "nie" sagen! Die heimlichen Voyeure unter euch muss ich leider enttäuschen, denn ich werde hier keine intimen Details zur Person, oder zu Einzelheiten ausbreiten. Und außerdem: Die regelmäßigen Leser meines Blogs kennen ohnehin meine aktuellen Gedanken und auch Gefühle zu diesem Thema...
Vielleicht noch soviel dazu: Wir sind beide Menschen mit einem sehr starken, und bisweilen nur schwer zu beherrschendem Gefühlsleben, und es ist eine echte Herausforderung, damit gemeinsam verantwortungsvoll und bewusst umzugehen. Das habe ich in den letzten Tagen sehr deutlich und schmerzhaft zu spüren bekommen. Aber ich billige mir ein gewisses Maß an Lernfähigkeit, und vor Allem Lernbereitschaft zu. Und mein Gefühlsleben wird auch weiterhin meine Baustelle sein- ob alleine, oder mit einem Menschen an meiner Seite!
 Seit gestern weiß ich es: Wir möchten und werden uns "ergebnisoffen" weiter kennenlernen! Was das heißt? Zeit zusammen verbringen, viel miteinander reden und schauen, wohin uns das führt... Wir mögen uns, fühlen uns miteinander wohl - und zumindest von meiner Seite ist da schon eine gewisse Faszination...
Aber wir sind eben auch keine Teenager mehr, die sich kopflos ineinander verlieben, sondern lebenserfahrene und vom Leben ebenso geprägte Menschen, die um ihre Vergangenheit wissen - und damit eben auch vorsichtiger geworden sind, und ein gewisses Maß an Gefühlssicherheit benötigen, bevor sie sich wirklich aufeinander einlassen. Ich finde das gut so!
Es gibt etliche Gemeinsamkeiten zwischen uns, die uns verbinden, und die unsere Kommunikation, das Grundvertrauen sehr viel leichter machen. Wir haben ähnlicher Erfahrungen gemacht - sowohl in Beziehungen, als auch in Lebenskrisen. Das verbindet, aber birgt natürlich auch gewisse Risiken. Und vieles wird davon abhängen, welchen Stellenwert, welche Bedeutung wir dem Vergangenen zubilligen. Und ob wir imstande sein werden, gemeinsam etwas Neues und Schönes entstehen zu lassen - mit viel Freude, Neugier und vor allem Leichtigkeit. Ich freue mich darauf!

Mittwoch, 3. August 2016

Nur ein Mensch

Bin auch nur
ein Mensch mit Fehlern
und Schwächen
der oft wider
besseres Wissen handelt
und die Lust verspürt
mal wieder ein wenig
Selbstzerstörerisch
zu handeln

Die Hauptsache ist doch
rechtzeitig wieder
die Kurve zu kriegen
und die Gefühle
in ihre Schranken zu verweisen
um sich dann
wieder den Alltäglichkeiten
widmen zu können
und verantwortungsvoll
mit den eigenen Recourcen
umzugehen

Dienstag, 2. August 2016

Berührende Begegnung

Gestern
eine wundervolle, tiefe Begegnung
mit einem Menschen
den wirklich kennenzulernen
in all seinen Facetten
sich wirklich lohnt.

Und doch sind da
so viel Trauer, und Angst
blanke Verzweifelung
die eine Begegnung
mit aller Macht verhindern wollen.

Sie lassen mich ratlos
und ein wenig traurig zurück -
und in dem Wissen
aus meiner Kraft, meinem Vermögen
absolut nichts dafür tun zu können
um diese Hindernisse niederzureißen.

Und wieviel Geduld
wieviel Verständnis
sind das rechte Maß
ohne mich selbst zu verleugnen
mich zu vergessen?

Ich habe es
nicht in der Hand...

Montag, 1. August 2016

Neue Begegnung

Ich werde also heute mal wieder ein erstes Date haben, und bin genauso aufgeregt und gespannt wie die Male zuvor. Auch dieses Mal hatten wir sehr intensiven Mail- und Telefonkontakt - über fast zwei Wochen - und es hat sich eine gewisse Vertrautheit entwickelt, eine sehr warmherzige und freundliche Verbindung.
Inzwischen wissen wir einiges voneinander. Und das schafft ein zwar noch etwas vorsichtiges, und fragiles, aber dennoch schönes Vertrauen, das sich aber in der Wirklichkeit, im persönlichen Kontakt erst noch beweisen muss.
Ich glaube, ob bewusst oder unbewusst, macht man (jedenfalls ich) sich im Voraus schon ein gewisses Bild vom Gegenüber, das sich aus den gesehenen Bildern, der Stimme, der Art des Umgangs miteinander und den erhaltenen Informationen zusammensetzt. Aber entscheidend ist nicht das Bild aus meiner Fantasie, sondern die Wirklichkeit, und wie es sich anfühlt, sich zu begegnen. Ich mag Begegnungen, und das war nicht immer so. Lange Zeit war ich eher menschenscheu, verschlossen und schüchtern. Ich hatte Angst davor, mich zu zeigen, weil mein Verhältnis zu mir selber extrem gestört, und von großer Unsicherheit geprägt war. Und es war die Angst, nicht genügen zu können, und mit all meinen Fehlern und Schwächen gesehen und abgelehnt zu werden.
Das ist heute anders. Ich bin mir meiner selbst viel mehr bewusst, und damit im Reinen. Das sind gute Voraussetzungen dafür, einem Menschen ebenbürtig und auf Augenhöhe zu begegnen. Und darauf freue ich mich!