Dienstag, 20. Dezember 2016

Familiäre Dysfunktion

Meine beiden Geschwister sprechen nicht miteinander, obwohl sie seit Jahren keine zehn Kilometer voneinander entfernt leben. Soweit ich weiß, hatten sie schon von Kindheit an ein schwieriges Verhältnis zueinander, und ich erinnere mich an häufige Streitgespräche der beiden, als sie noch im Elternhaus gelebt haben.
Sie hätten nicht unterschiedlicher sein können: Meine Schwester war immer die Angepasste und der erklärte Liebling meiner Eltern. Mein Bruder hingegen war der unbequeme und schwierige Rebell, der meine Eltern zur Verzweiflung brachte, und ihre Erwartungen konsequent unterlief. Auch ihre Lebenswege könnten unterschiedlicher nicht sein, und vielleicht ist es einfach so, dass sie sich schlichtweg nichts zu sagen haben.
Als unsere Eltern noch lebten, haben wir uns zweimal im Jahr anlässlich der Geburtstage unserer Eltern getroffen. Und für mich waren diese Geburtstage - trotz meines angespannten und konfliktbelasteten Verhältnisses zu meinen Eltern - immer ein schöner Anlass, meine Geschwister zu sehen und mich mit ihnen auszutauschen. Es war ein kleines Stück "normale Familie" für mich - sehr wohltuend und verbunden mit einem Glücksgefühl.
Seit unsere Eltern gestorben sind, gibt es keinen Anlass mehr für die beiden, sich zu sehen, oder miteinander zu sprechen. Und auch wenn mein Verhältnis zu den beiden sehr unterschiedlich ist, bin ich doch mit beiden im Kontakt - mit meinem Bruder mehr, mit meiner Schwester weniger. Aber beide sind mir wichtig. Sie sind meine Familie und ich leide unter ihrer gegenseitigen Sprachlosigkeit - auch wenn ich die Gründe dafür durchaus verstehen kann.
Für mein Empfinden hat sich die lebenslange Sprachlosigkeit zwischen meinen Eltern, ihre gestörte Kommunikation miteinander und mit uns Kindern, wie ein Spinnennetz über die gesamte Familie ausgebreitet. So habe ich bis heute zu den Söhnen meines Bruders einen zwar sporadischen, aber trotzdem irgendwie herzlichen Kontakt halten können, während die Verbindung zu den Kindern meiner Schwester vollständig abgebrochen ist - was mich zu meiner Verwunderung auch völlig gleichgültig lässt. Und auch am Leben meiner Schwester nehme ich bei weitem nicht so großen Anteil wie an dem meines Bruders, das mich viel tiefer berührt und interessiert.
Und doch belastet mich dieses Ungleichgewicht im Miteinander - insbesondere, dass meine Geschwister nicht miteinander sprechen, sondern mich als ihren "reitenden Boten" auserkoren haben, von dem sie Informationen über das Leben und das Wohlergehen des jeweils Anderen zu erhalten hoffen, wenn ich mit einem der Beiden spreche. Wie gesagt, sie leben nicht weit voneinander entfernt...
Für mich ist es sehr wichtig, mich mitteilen zu können und mit den Menschen im Gespräch zu sein, die mir etwas bedeuten, auch wenn dieses Thema für mich ein sehr schwieriges und vor allem kompliziertes ist - mit unzähligen emotionalen Hemmnissen. Wirklich offene und vor allem ehrliche Kommunikation mit anderen Menschen bereitet mir große Schwierigkeiten - unabhängig davon, wie nahe wir uns stehen. Am leichtesten fällt es mir, mich schriftlich mitzuteilen, weil ich nicht unmittelbar reagieren muss, und mich nicht direkt mit den Gefühlen anderer auseinandersetzen muss, die mich oftmals schlichtweg überfordern.Und gleichzeitig brauche ich den unmittelbaren Kontakt zu meinen Mitmenschen (Freunden und Geschwistern) wie die Luft zum Atmen - ein bisweilen unauflösbares Dilemma. Und darunter leide ich.

Freitag, 16. Dezember 2016

Zum Jahresende

Normaler Weise bin ich gerade in der Advents - und Weihnnachtszeit eher melancholisch bis depressiv unterwegs und denke bevorzugt an all die Dinge, die ich in meinem Leben nicht erreicht habe. Das reicht dann vom Scheitern im Berufsleben bis hin zur missglückten Familiengründung, und regelmäßig quäle ich mich dann selber mit negativen Gedanken und Gefühlen, damit es mir auch ja so richtig scheiße geht.
Dieses Jahr ist das anders: Auch wenn ich an Weihnachten und Silvester alleine sein werde - es macht mir keine Angst. Und seit ein paar Tagen geht mir immer wieder der folgende Satz durch den Kopf: Anstatt mich auf die Dinge zu fokussieren, die ich nicht habe und die für mich auch nicht erreichbar sind, konzentriere ich mich lieber auf das, was ich habe. Und ich versuche, all das Schlechte loszulassen und mit mir selber viel entspannter umzugehen.
Ich stelle fest, dass ich auf dem Weg bin, mit mir selber Frieden zu schließen, und meine Ansprüche an meine Lebenswirklichkeit anzugleichen. Das entspannt mich, und auch wenn nicht alles perfekt ist, geht es mir damit gut! Ich lerne allmählich, die Dinge so zu nehmen, wie sie nun einmal sind und quäle mich nicht länger mit den Gedanken daran, wie mein Leben womöglich verlaufen wäre, wenn ich mich nur mehr angestrengt hätte... Es ist gut so, wie es ist!