Freitag, 31. März 2017

Euphorie

Mir geht es gut, und das macht mich ein wenig misstrauisch. Klar: Es ist schön, wenn ich mich gut fühle und mir alles leichter von der Hand geht. Aber da ist auch diese leise Stimme in meinem Kopf, die mich davor warnt, die Bodenhaftung zu verlieren.
Ich freue mich riesig darüber, dass sich ein Verlag ernsthaft für "Grenzgänger" interessiert, und nach dem Eingangslektorat das vollständige Manuskript angefordert hat. Sollte das tatsächlich klappen, ginge ein Traum in Erfüllung und ich hätte die Bestätigung für mich, einen wirklich veröffentlichungswerten Text geschrieben zu haben. Sowas tut gut!
Auch die überaus positiven Rückmeldungen zu "Zwischen den Zeilen" sind Balsam für meine Seele. Ich selber kann das unheimlich schlecht einschätzen, ob meine Gedichte, meine Texte wirklich gut sind. Geschweige denn, wie sie auf andere Menschen wirken. Das mag vielleicht ein wenig widersprüchlich wirken, denn ich hätte beides nicht veröffentlicht, wenn ich von der grundsätzlichen Qualität oder Konsistenz nicht überzeugt gewesen wäre. Aber restlos sicher bin ich da eben nie - es bleiben immer Restzweifel und eine gehörige Portion Unsicherheit.
Trotzdem geben mir die jüngsten Ereignisse immensen Auftrieb. Sie beflügeln mich und es kristallisiert sich der Gedanke heraus, das Schreiben wirklich ernsthaft zu betreiben - quasi als Beruf(ung). Dieser Gedanke ist neu und sehr ungewohnt. Und hier schließt sich der Kreis: Ich bin sehr euphorisch zur Zeit und bin mir nicht sicher, ob das wirklich gut ist.

Freitag, 17. März 2017

Kreativität

Kreativ sein zu können bedeutet für mich totale Freiheit. Mein eher trister und von finanziellen Engpässen geprägter Alltag spielt dann keine große Rolle, denn das Schöpferische hat absoluten Vorrang - ich bin total fokusiert und konzentriert auf meine Idee und ihre Umsetzung.
Es ist fast so, als befände ich mich in einer anderen Realität, in der meine Sorgen keinerlei Bedeutung haben, in der ich mich frei, unbeschwert und total zufrieden fühle. Ich bin in euphorischer Stimmung, und das wirkt sich auch auf meinen Alltag aus: Alles geht mir leichter von der Hand, ich bin motiviert - auch bei alltäglichen Handlungen wie Wäsche waschen, Staubsaugen, usw - was mich normaler Weise eher ankotzt und meistens große Überwindung kostet.
Als ich zuletzt an meinem Gedichtband gearbeitet habe ist mir bewusst geworden, dass meine literarischen Projekte in erster Linie meiner Zufriedenheit dienen, also quasi Selbstzweck sind. Der künstlerische, oder kreative Prozess an sich gibt mir die geistige Nahrung die ich benötige, damit es mir wirklich gut geht. Und es ist ein wirklich tolles Gefühl, etwas zum (vorläufigen) Abschluss gebracht zu haben und das Resultat dann irgendwann in Händen zu halten. Natürlich ist es mir im nächsten Schritt auch wichtig, das Ergebnis mit anderen zu teilen und vielleicht sogar den einen oder anderen Euro damit zu verdienen. Aber das ist eben nicht ganz so wichtig. Viel bedeutsamer ist es, ein für mich "rundes" und stimmiges Ergebnis zu haben, an dem ich mich erfreuen kann, und das mir soetwas wie Stolz vermittelt. Stolz auf das Erreichte und darauf, dass ich etwas von Anfang bis Ende durchgehalten und zu einem Abschluss gebracht habe.
Vielleicht ist das für Viele nicht nachvollziehbar. Aber meine Biografie ist voller Brüche und Dinge, die ich eben nicht zu einem guten Ende habe bringen können. Und mit jedem kreativen Projekt kann ich mir beweisen, dass ich trotz aller Widerstände und Unsicherheiten dazu imstande bin, etwas zu einem guten Abschluss zu bringen. Das ist gut fürs Ego und bestärkt mich darin, etwas schaffen zu können, das nicht nur mir nutzt, sondern vielleicht auch andere Menschen erreicht, sie überrascht und ihnen vielleicht sogar Freude bereitet.
Als Heranwachsender hatte ich nur eine äußerst vage Vorstellung davon, was ich wirklich gut kann und wie ich mich in "die Gesellschaft" einbringen könnte. Und mit meinen eher unbeholfenen und planlosen Versuchen bin ich oft - zu oft - gescheitert. Diese Erfahrungen haben mich für viele Jahre daran gehindert, mir selber zu vertrauen und mir einen Selbstwert zuzugestehen. Mit meinen literarischen Versuchen hat sich das Blatt gewendet, weil ich gemerkt habe, dass es etwas gibt, was ich tatsächlich gut kann und mir darüber hinaus eine Befriedigung verschafft, wie ich sie vorher nie gespürt habe. Und das soll so bleiben!

Freitag, 10. März 2017

Zwischen den Zeilen

Manchmal muss man
zwischen den Zeilen lesen
um einen Menschen zu verstehen.
Denn oft sind die Sätze, die Worte
die er spricht
nur die Fassade hinter der
er sich zu verstecken sucht.

Worte und Sätze
können ein Schutzraum sein
in dem man sich vor großer Angst
und vor Verletzungen verbirgt.
Und erst zwischen den Zeilen
wird der eigentliche Mensch
dann sichtbar.

Wer genau hinhört kann erkennen
dass oft auch zwischen den Zeilen
gesprochen wird:
Man sagt das Eine
meint aber etwas völlig Anderes.
Und auch das ist
wie ein Schutzraum
für eine verletzte Seele.

Zwischen den Zeilen sprechen und lesen
öffnet Türen in das Innerste
und in die verhüllte Schönheit
eines Menschen.



Ängste und Traumata

Durch die jüngsten Ereignisse bin ich mal wieder äußerst unsanft darauf gestossen worden, welch fatale und nicht vorhersehbare Auswirkungen erlittene Traumata haben können.
Die lähmenden und erschreckenden Angstzustände in der letzten Woche waren ein "Flashback" aus meiner Kindheit und Jugend - einer Zeit, in der ich eigentlich ständig in großer Angst vor der Unberechenbarkeit und Launenhaftigkeit meiner Mutter gelebt habe. Diese Angst war so immens, dass ich sie körperlich gespürt habe: Mein Magen zog sich zusammen, das Atmen fiel mir schwer und ich vermochte kaum zu sprechen. Und ich hatte eine Art Radar entwickelt für schlechte Stimmung zuhause.
Über viele jahre war diese Angst mein ständiger Begleiter- ohne, dass ich wusste warum und ohne, dass ich sie hätte überhaupt benennen können, geschweige denn, dass ich ihre Ursachen gekannt hätte. Mit den Jahren ist es dann weniger geworden und in Vergessenheit geraten - einmal abgesehen von einem nicht näher zu beschreibenden Unwohlsein vor schwierigen Situationen, wie zum Beispiel Gesprächen, oder unangenehmen Konfrontationen.
Dieses latente Unwohlsein in Form von spürbaren Hemmungen im Umgang mit anderen Menschen und das Vermeiden von schwierigen Themen im Gespräch haben mich zeitlebens begleitet, ohne das ich gewusst habe, worin dieses Unwohlsein begründet ist. Erst die jüngsten Ereignisse haben mir so richtig die Augen geöffnet und ich konnte einen kausalen Zusammenhang herstellen, der mich zutiefst erschüttert und und wider Erwarten überrascht hat.
Wenn ich jetzt darüber schreibe, wirkt es ziemlich abgeklärt und ein wenig distanziert - aber ich möchte den mit diesen tiefen Ängsten verbundenen Gefühlen nicht mehr Raum zubilligen, als ihnen gebührt. Und sie überhaupt benennen zu können, werte ich als Fortschritt. Denn was ich benennen kann, lässt sich eingrenzen. Und was sich eingrenzen lässt, kann ich beherrschen. Aber ich werde für den Rest meines Lebens ein ängstlicher Mensch bleiben. Das ist ok und Teil meiner Persönlichkeit.

Samstag, 4. März 2017

Noch einmal: Angst

Bei lauten Geräuschen, wie dem Klingeln des Telefons, oder der Türglocke, zucke ich schreckhaft zusammen, und mein Herz schlägt bis zum Hals. Ich habe Angst – große Angst. Am liebsten würde ich mich verstecken und einfach nur meine Ruhe haben. Meine Gedanken kreisen zwanghaft um das Geschehene und ich suche verzweifelt nach Auswegen aus der Situation. Ich fühle mich überfordert und alleingelassen - und die Angst lähmt mich. Obwohl ich todmüde bin, kann ich nicht einschlafen, denn meine Gedanken kreisen noch immer um das Geschehene und ich male mir in den düstersten Farben aus, wie die Situation immer weiter eskaliert, ohne das ich etwas dagegen unternehmen kann. Ich kann mich nicht dagegen wehren, meinen Gedanken keine andere Richtung geben, so sehr ich es mir auch wünsche und wie sehr ich es auch versuche – ich bin wieder mitten im Geschehen.
Ich versuche, mir Mut zu machen und mich auf meine Stärken zu besinnen – als Gegengewicht zu dem Chaos, das sich in meinem Inneren breitgemacht hat. Irgendwann bin ich dann eingeschlafen, aber der Schlaf ist unruhig und nicht wirklich erholsam. Gerädert wache ich am Morgen auf, und noch vor dem ersten Kaffee ist alles wieder präsent und die Angst hat mich wieder.
Ich möchte mich mitteilen, mich erleichtern, aber kann die Worte in dem brennenden Knoten in meiner Magengegend nicht finden um zu beschreiben, was genau sich in meinem Innern abspielt. Ich bestehe aus Angst. Verzweifelt suche ich nach Ablenkung – lege eine CD ein, versuche zu lesen. Aber die Angstgedanken lassen sich nicht abschütteln oder verdrängen. Immer wieder steigen sie in mein Bewusstsein, ergreifen Besitz von mir.
Nach endlos erscheinenden Tagen nimmt sie allmählich ab. Ich werde ruhiger, kann wieder entspannen und klar denken. Und bin unendlich erleichtert, dass der Alptraum vorüber ist. Nur noch flüchtige Gedanken an das Geschehene sind im meinem Kopf und sie werden schwächer und schwächer – verlieren ihren Schrecken. Und allmählich begreife ich, dass all das sich nur in meinem Kopf, in meiner auf Negatives fokussierten Fantasie ereignet hat. Meine Angst hat in der realen Welt keinen Gegenpart. Jedenfalls keinen, der ihr Ausmaß und ihre Gewalt rechtfertigen könnte.
Ich bin mit starken Ängsten aufgewachsen und habe nie die Erfahrung machen dürfen, aufgefangen und für mich erlebbar und nachhaltig beschützt zu werden vor Ungerechtigkeiten und Übergriffen. Es gab niemanden, der mich in der Arm genommen hat, um mir Trost zu spenden, mich zu beruhigen und mir meine Angst zu nehmen. Statt dessen ist sie mir als Feigheit ausgelegt worden – ein verachtenswerter Charakterzug in den Augen meiner Mitmenschen. So hat sie mich über die Jahre hin begleitet – ohne helfendes Korrektiv - und war immer Bestandteil meiner Handlungen und Entscheidungen. Und doch war sie manches Mal durchaus berechtigt: Nämlich dann, wenn mein oft böswilliges Handeln Konsequenzen nach sich zog – sei es durch ein Donnerwetter meiner Mutter, oder durch die Anklageschrift einer Staatsanwaltschaft. Aber sie war genauso berechtigt, wenn ich schutzlos und auf mich allein gestellt der Willkür anderer Kinder ausgesetzt war, und mich nicht zu wehren vermochte.
Noch heute verspüre ich sie gelegentlich vor für mich schwierigen Situationen: Seien es Gespräche über unangenehme und sehr persönliche Themen, oder auch bei Menschen, die durch ihr Verhalten mir gegenüber üble Erinnerungen in mir hervorrufen. Dann werde ich wieder zu dem kleinen, ängstlichen Jungen, dem seine Umwelt feindlich und unberechenbar erscheint, und der sich nur durch Flucht und schier atemloses Verstecken zu helfen weiß.



Mittwoch, 1. März 2017

Angst

Das für mich schlimmste Gefühl, welches mich darüber hinaus schon mein Leben lang begleitet, ist Angst. Sie schnürt mir den Atem ab und hindert mich daran, klar zu denken und vernünftig zu handeln - gerade dann, wenn es wichtig wäre, einen klaren Kopf zu behalten.

In jüngster Zeit gab es nur wenige Momente, in denen ich von meiner Angst beeinflusst war - im Gegensatz zu früher, wo mir eigentlich "nur" unangenehme Situationen schon große Angst bereiteten und mich auf meinen bloßen Überlebensinstinkt reduzierten und mich zur schnellen und kopflosen Flucht aus der jeweiligen Situation trieben.

Ich hasse es, wenn ich mich gezwungen fühle, kopflos und rein intuitiv zu handeln, denn ich fühle mich dabei unfrei und der Situation schutzlos ausgeliefert. Mein Herz schlägt bis zum Hals, ich kann nicht klar denken und den Verursachern nicht gegenübertreten. Am liebsten möchte ich mich verstecken, während meine Gedanken zwanghaft und unkontrollierbar um die momentane Situation kreisen - ohne erkennbaren Ausweg, oder eine adäquate und vernünftige, verstandesmäßige Lösung.

Als Kind und als Heranwachsender befand ich mich häufig in solchen Situationen: Wenn ich von anderen Kindern verfolgt oder bedroht wurde, und keine Hilfe in Sicht war; oder wenn ich etwas ausgefressen hatte, und die Konfrontation mit meiner Mutter, oder einem anderen Menschen anstand; und nicht zuletzt, wenn ich auf mich gestellt vor einer schwierigen und scheinbar unauflösbaren Situation stand - ohne Hilfe oder Unterstützung.

Im Lauf der Zeit sind diese Ereignisse weniger geworden, aber ganz verschwunden ist die Angst nie. Sie war und ist ein ständiger Begleiter, den abzuschütteln ich nicht imstande bin. Und das ärgert mich, denn untrennbar mit der Angst verbunden ist das Gefühl von völliger Überforderung, Hilflosigkeit, und Ausgeliefert-sein, die mich verstummen - und sprachlos werden lassen und mich lähmen.

Inzwischen habe ich gelernt, zumindest mir selber das einzugestehen und die Angst auch beim Namen zu nennen, anstatt sie totzuschweigen und einfach nur zu hoffen, dass sie vorübergeht. Das ist für mich ein - wenn auch kleiner - Fortschritt. Aber trotz allem macht es mich ratlos und traurig, immer wieder damit konfrontiert zu sein - ohne genau zu wissen, warum es so ist, wie es ist. Und es erwischt mich jedes Mal wieder eiskalt und unvorbereitet, so als sei es das erste Mal. Ich kann mich darauf nicht vorbereiten, und nicht rational reagieren. Und ich glaube, genau das ist der Kern des Problems: Es ist nicht rational, sondern eines dieser starken, unbändigen Gefühle, die sich nicht beherrschen lassen, sondern selber beherrschen. Und ich werde nur sehr ungern daran erinnert, dass genau diese Gefühle in meinem Leben so viel Unheil angerichtet haben, das - wenn auch in deutlich abgeschwächter Form - noch immer präsent ist und mich beeinflusst. Zusätzlich wird mir bewusst, dass ich selber dazu beitrage, indem ich mich unwillkürlich, aber freiwillig in Situationen begebe, die diese Urgewalten in sich tragen - ganz so, als sehnte ich mich insgeheim danach, die Vergangenheit zu wiederholen. Und hier schliesst sich der Kreis: Das macht mir Angst!