Mittwoch, 31. Mai 2017

Meine erste Lesung - ein Resumee

Die zwei Tage vor meiner gestrigen Lesung zu Grenzgänger waren eine ziemliche Achterbahn der Gefühle: Ich war fürchterlich nervös und unsicher, ob es mir gelingen würde, das Publikum (wenn es überhaupt welches geben würde) mitzunehmen. Und bei der Vorbereitung hatte ich festgestellt, dass lautes Vortragen ziemlich auf die Stimme geht - würde also meine Stimme über den Zeitraum von über einer Stunde überhaupt durchhalten? Und natürlich zu allerletzt die Frage: Würde es mir gelingen so zu lesen, dass die geschilderten Gedanken und Empfindungen tatsächlich beim Publikum ankommen?

Ich habe mich in der Aufregung dann tatsächlich ein paar Mal verlesen, aber das tat der gesamten Atmosphäre keinen Abbruch - im Gegenteil: Aus den unmittelbaren Reaktionen konnte ich ablesen, dass ich sehr glaubwürdig und authentisch "rübergekommen" bin! Und das freut mich sehr! Und auch, dass gegen Ende meine Konzentration etwas nachgelassen hat, war völlig in Ordnung und wurde von niemandem bemängelt. Es war also insgesamt eine wirklich runde Sache, die mir tatsächlich Lust auf Mehr macht.


Donnerstag, 25. Mai 2017

Wenn Freundschaften zerbrechen...

Es gibt Freundschaften, die ganz allmählich und über viele Jahre wachsen. Und es gibt Freundschaften, die sehr schnell sehr nah und intensiv sind - und die genauso schnell zerbrechen, wie sie entstanden sind.

Eigentlich bin ich ein Mensch, der nur langsam Freundschaften schließt und andere Menschen sehr zögerlich an sich heranlässt. Das war nicht immer so, aber dass es so ist, hat seine Gründe. Aber manchmal neige ich zu Euphorie, wenn ein Mensch mir sehr zugewandt und wirklich an mir und dem, was ich tue, interessiert erscheint - und sich eine gemeinsame Ebene ergibt, auf der wir (zumindest von meiner Seite) wirklich offen und ehrlich miteinander umgehen können.

Weder Freundschaft noch Offenheit sind Einbahnstraßen. Und gerade Offenheit beeinhaltet auch manchmal, dass man für vermeintliches Fehlverhalten kritisiert wird. Nun habe ich mit Kritik kein grundsätzliches Problem; aber es wird für mich zum Problem, wenn ich mich zu Unrecht angegriffen fühle und versuche, mich mit dem Menschen auseinanderzusetzen, der mich kritisiert hat. Und wenn dieser dann mit ausweichendem Schweigen reagiert und sich der Klärung des Konflikts verweigert, dann ist die gemeinsame Basis irgendwann zerstört. Und ich bin um eine Verletzung reicher.

Besonders "lustig" wird es jedoch, wenn der nicht ausgetragene Konflikt dann ohne Vorwarnung nach mehreren Monaten des Schweigens unvermittelt und ohne Vorwarnung vom Anderen wieder aufgenommen wird und ich feststellen muss, dass die Verletzungen auf beiden Seiten wohl noch immer nicht ausgeheilt sind und ich mit versteckten Vorwürfen konfrontiert werde, die ich nicht vollens begreifen kann (und es auch garnicht will).

Solche Situationen bewirken bei mir immer eine gewisse Ratlosigkeit, weil ich sie nur unzureichend einzuordnen vermag. Und das macht mich traurig und auch ein wenig wütend - auch, weil eine Klärung nicht möglich erscheint und mein Vertrauen in den anderen Menschen zu verletzt ist, als dass ich nochmal auf ihn zugehen könnte.




Dienstag, 23. Mai 2017

Grenzgänger - eine Rezension

Vor ziemlich genau einem Jahr hat der Dichter Hermann Borgerding zur ersten Version von "Grenzgänger" eine Rezension verfasst, die ich anlässlich der Veröffentlichung der überarbeiteten Ausgabe hier nochmals wiedergeben möchte:

"Es gehört viel Mut dazu, sich öffentlich zu seiner psychischen Erkrankung zu bekennen. Es gehört noch mehr Mut dazu, dies offensiv in der Öffentlichkeit zu teilen und zu publizieren. Eckhard Neuhoff macht dies in seinem Blog „Gedankenwelt eines Psychos“ (https://eckhardneuhoff.blogspot.de/) hervorragend. Nun hat er mit "Grenzgänger" sein erstes Buch veröffentlicht. Und er reflektiert offen und ehrlich sein bisheriges Leben und seine Erkrankung, lässt uns an seinen autotherapeutischen Gedanken teilhaben und lädt uns ein, „ihn ein Stück des Weges zu begleiten, sich selber und sein Leben in seinen Zusammenhängen und Widersprüchen besser zu verstehen“. Keine Unterhaltungsliteratur, eben „autobiografische Fragmente“ und ein Text, der manchmal weh tut, aber oft hilft, psychisch kranke Menschen zu verstehen, ohne allzu belehrend rüber zu kommen. Und damit ein wichtiger Text. Eckhard Neuhoff bleibt im „Grenzgänger“ trotz seiner Offenheit merkwürdig distanziert, bis auf eine Szene werden autobiografische Erlebnisse nur vage angerissen und in einem eher allgemeinen Kontext gesetzt. Schade: Ich hätte mir gerne mehr Szenen, wie sein Eigenzitat aus einem älteren Text gewünscht. Da schreibt Neuhoff eindringlich und äußerst stark von seinem Leben in einer depressiven Phase. „Ich werde müde und gehe ins Bett. Wieder ein Tag geschafft. Aber morgen geht die Scheiße wieder von vorne los…“ Aber Neuhoff schreibt auch, dass es ihn darum ging, „bestimmte Entwicklungen und Verhaltensweisen in einen für mich schlüssigen und erklärenden Zusammenhang zu bringen, und andere Menschen an diesem oft mühsamen Weg teilhaben zu lassen.“ Und das ist ihm gelungen. Einen großen Teil nimmt die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zu seiner Mutter ein. Und das zu lesen ist schmerzhaft. Ich frage mich, ob es ein Problem unserer Generation (zwischen 1960 und 1979 geboren) sein kann, da ich in vielen Gesprächen ähnliche Erlebnisse gehört habe. Aber bevor ich jetzt ausschweifend werde, mein kurzes Schlußfazit:
Lesen! Und sei es „nur“, um sich mal Gedanken zu seiner eigenen Sozialisation zu machen. Und: Danke, Eckhard! Für deinen Mut! Go on!"

Freitag, 19. Mai 2017

Was es ist

Die letzten  Wochen waren eine wirklich beschissene Achterbahnfahrt der Gefühle, die mich bis an meine emotionalen Grenzen und darüber hinaus gebracht haben. Jetzt bin ich müde und völlig erschöpft und - ein wenig erleichtert. Denn meine Liebe ist für eine Woche nicht erreichbar und das verschafft mir ein wenig Luft zu atmen und Zeit, vielleicht etwas Abstand zu gewinnen. Ich brauche dringend mal wieder einen klaren Kopf, um mich zu sortieren und, um mich selber nicht völlig aus den Augen zu verlieren.

Ich glaube, genau das ist in den letzten Wochen unmerklich geschehen: Ich war (und bin es noch immer) dermaßen in meine Gefühle verstrickt, dass kein Platz für irgendetwas Anderes da war. Verliebt-Sein ist ein wunderschönes Gefühl - wären da nicht auch die Antagonisten: Verzweiflung, Unsicherheit, Traurigkeit, usw, die sich in diesen wunderbaren Schwebezustand mischen.

Was wirklich intensive Gefühle angeht, so bin ich definitiv völlig aus der Übung und hatte mich - glaube ich jedenfalls - schon damit abgefunden, dass ich nie mehr so intensiv empfinden könnte, oder würde, so wie jetzt unvermittelt passiert ist. Das macht mir zu schaffen - zumal meine Empfindungen ja nicht in dem Maß erwidert werden, wie ich es mir wünsche. Ja, wir stehen uns sehr nah und ja, wir beide empfinden unsere Verbindung als etwas sehr Seltenes und Außergewöhnliches - unglaublich intensiv und wunderschön. Aber von ihrer Seite ist es keine Liebe (was auch immer es sonst sein mag) und ihre Ehe steht nicht zur Disposition. Trotzdem fühlt sie sich mir sehr nah und sehr verbunden. Und diese Gemengelage macht es so schwer und verwirrend für mich. Mit meinem Verstand kann ich diese Situation nicht durchdringen. Und das lässt mich immer wieder verzweifeln. Aber das Herz will, was das Herz will... "Es ist was es ist, sagt die Liebe." (Erich Fried)

In meinem bisherigen Leben stand ich schon oft vor Situationen, die schier unlösbar schienen und die mich bis an den Abgrund geführt haben. Ich bin darüber krank geworden, habe mein Selbstvertrauen und das Vertrauen in andere Menschen verloren. Ich war ein äußerst unsicherer Mensch - ohne bewussten Zugang zu den eigenen Gefühlen. Diesen Zugang habe ich mir mühsam über die Jahrzehnte zurückerobert und bin mir meiner Selbst, im Guten wie im Schlechten, viel stärker als zuvor bewusst. Ich habe gelernt, mich selber und meine Wünsche, Gefühle und Überzeugungen wahr- und ernstzunehmen. Das ist gut so und gleichzeitig ist es ein Fluch. Denn es macht mich auch angreifbar und verwundbar. Und es macht mich empfänglich für tiefe und einzigartige Begegnungen, die ich nun endlich bewusst wahrzunehmen vermag - mit allen möglichen Konsequenzen. Es ist das wirkliche Leben!










Donnerstag, 18. Mai 2017

Erkenntnis

Vertrauen ist das allergrößte Geschenk
das man einem anderen Menschen geben kann
Sich so zu zeigen, wie man wirklich ist –
im Guten wie im Schlechten
mit allen Ängsten und Zweifeln
auch Verzweiflung –
und sich so vertrauensvoll
in die Hände des Anderen zu begeben.

Dabei die unverbrüchliche Gewissheit zu haben
dass man mit alldem in guten Händen
in seiner Gesamtheit Richtig ist –
das ist die große Aufgabe
an der ich oft scheitere

Dabei sehne ich mich danach
sanft aufgefangen zu werden und
dieses warme Gefühl von Angenommen – Sein
vollständig gesehen zu werden
mir bis in mein Innerstes zu vergegenwärtigen
es mit jeder Faser dauerhaft
spüren und erleben zu können -
ganz ohne Angst und ohne Zweifel
ohne Misstrauen

Denn Misstrauen kann
dieses wundervolle Geschenk
vollständig und unabwendbar
zerstören
Und das bereitet mir Angst

Mittwoch, 17. Mai 2017

Schmetterlingstanz

Höre ich deine Stimme, lese ich von dir
oder sehen und umarmen wir uns
steigen die Schmetterlinge auf
und mein Herz schwebt

Und es stürzt -
aus Schmetterlingen werden Felsbrocken
wenn ich nichts von dir höre
und ich allein mit meinen Gedanken bin

Dann nämlich kreisen sie wieder
in unguten, dunklen Gefilden
die ich in deiner Gegenwart
sicher verschließen kann

Was fehlt, ist deine Wärme
dein liebevolles Lächeln
dein unergründliches Verstehen
die meine Wunden heilen lassen

Denn ohne dich
fühl ich mich unvollständig
zurückgelassen unter Menschen
die deine Tiefe nicht erreichen

Und nie zuvor traf ich einen Menschen
der mich auf diese Art ergänzt
mich fühlen lässt, dass alles richtig ist
und jeden Fehler voller Milde
mir verzeiht

Da gibt es nichts womit
ich dich vergleichen könnte
und nur mit dir
möcht' ich die Schmetterlinge
steigen sehen


Dienstag, 16. Mai 2017

Glücksmoment

Ich bin erschöpft und müde
von der Achterbahnfahrt meiner Gefühle -
von der lähmenden Angst, den Zweifeln
der sinnlosen Traurigkeit...

Denn in Wirklichkeit
bin ich von soviel liebevollem Verständnis und Mitgefühl
und soviel Herzlichkeit umgeben
wie nie zuvor,
dass es mir die Sprache verschlägt.

Ich könnte heulen vor Glück
und das ist ein Begriff
der in meinem Leben
nicht oft Verwendung gefunden hat
weil ich es nicht zu fühlen vermochte

Fühle mich aufgehoben
tief verstanden und gesehen wie nie zuvor
so wie ich bin in meinem Innersten -
und ich weiß nicht
wie ich all das jemals
zurückgeben kann


Montag, 15. Mai 2017

Ruhelos

Ich habe große Angst davor
meine drängenden und starken Gefühle
nicht unter Kontrolle
halten zu können.

Mit Macht drängen sie
an die Oberfläche und
überfluten meinen Verstand

Ich habe keine ruhige Minute
wenn ich an sie denke
sie sehen, hören möchte
in meine Arme schließen
Und schäme mich
einen Menschen in Gedanken so zu bedrängen

Ich erkenne: Gefühle
die ich nicht zu kontrollieren vermag
bereiten mir abgrundtiefe Angst
weil sie mich beherrschen
mein Handeln bestimmen
mich wider besseres Wissen
zur Unvernunft verleiten

Und wie früher laufe ich Gefahr
alles Schöne damit zu entwerten
ohne Rücksicht zu zerstören -
ganz so als sei es mir
nicht vergönnt
mit mir in Frieden zu leben






Sonntag, 14. Mai 2017

Nachdenkliches

Wenn ich in diesem Blog versuche, meine Gedanken und Gefühle in Worte zu gießen, dann tue ich das quasi im luftleeren Raum. Denn ich weiß nicht, ob das, was ich zu beschreiben versuche, Jemanden berührt und vielleicht sogar zum Nachdenken anregt.

Wenn ich zu schreiben beginne, habe ich meistens nur eine äußerst vage Vorstellung davon, was letztlich zu Papier kommt, und, welche Form es annimmt. Das finde ich spannend und manches Mal bin ich von mir selber überrascht; überrascht auch davon, was so alles in mir schlummert. Für mich ist das befreiend und es hilft mir dabei, Dinge erstmal aus dem Kopf zu bekommen.

Und gerade im Moment ist das immens wichtig; denn ansonsten würde ich komplett am Rad drehen. Der Frau, die ich liebe, kann ich all das nämlich nicht anvertrauen, oder zumuten. Ich würde sie damit massiv überfordern, und damit auch die wundervolle Freundschaft zerstören, die zwischen uns besteht. Für mich hingegen ist es ungeheuer schwer, mit solchen Gefühlen überhaupt umzugehen, geschweige denn, sie mir einzugestehen und, mit ihnen auf mich allein gestellt zu sein. Umso wichtiger ist es mir, sie ausformulieren zu können, auch in dem Wissen, dass ich sie auf diese Weise teilen kann - selbst ohne eine direkte Rückmeldung zu bekommen. Das macht sie beherrschbar und ich habe meinen Kopf wieder halbwegs frei für Anderes.

Alles was ich hier veröffentliche ist sehr persönlich und damit gehe ich ein hohes Risiko ein: Denn es macht mich extrem verletzbar und angreifbar. Andererseits möchte ich hier auch keine gequirlte Kacke veröffentlichen, die mit mir und meinem Leben so garnichts zutun hat. Das wäre nicht ich und es wäre nicht mein Blog!





Samstag, 13. Mai 2017

Veränderung

Gefühle sind
keine statische Größe -
wie Wellen ändern sie
ihre Wucht und Unmittelbarkeit

Und wie sie
werde ich
allmählich ruhiger
wenn der Sturm sich gelegt hat

Kann sie betrachten
und sogar willentlich beruhigen
denn ich habe erkannt:
Das Schöne und Einzigartige
unserer Begegnung
ist es Wert bewahrt zu werden

Ich genieße jeden Moment
koste ihn aus und bewahre ihn mir
für schlechte Zeiten und fasse
die Erkenntnis, dass echte
tief empfundene Freundschaft
absolutes Vertrauen
liebevolles Miteinander
sich nicht nur durch das eine
große und drängende Wort
erklären lassen

Oder
dass Liebe sich nicht immer
in totaler Erfüllung
ausleben kann und muss
und trotzdem das Schönste sein kann
das mir je widerfahren ist



Mittwoch, 10. Mai 2017

Liebenswert

Sie macht es mir leicht -
und schwer zugleich
mit ihrer liebenswerten Art
auf mich zu zu gehen -
so unbeschwert und unbefangen
und doch um meine Gefühle wissend.

Hätte sie sich zurückgezogen,
mir gesagt, dass es ihr unangenehm sei -
es wäre schmerzhaft, aber verständlich gewesen...
Statt dessen offen gezeigte Freude
wenn wir uns schreiben
miteinander sprechen
und kaum eine Email,
die ohne "ich drück dich!" endet.

Leicht und schwer zugleich -
weil ihre Unbefangenheit
auf mich abfärbt
und mein Herz mit jedem Mal
ein Stück mehr erobert
und die Sehnsucht wachsen lässt.

Vielleicht sollte ich versuchen
das Glück, das sie mir beschert
einfach zu genießen
solange es dauert...
und es mir gelingt.



Montag, 8. Mai 2017

Sowohl als auch

Gestern mal wieder
ein wirklich schönes Telefonat -
Habe mich in besonderer Weise gesehen
und angenommen gefühlt
und soviel Leichtigkeit gespürt
dass ich vor Glück hätte weinen können

Und doch ist da
diese tiefe Traurigkeit in mir
die mit der Freude im Wettstreit liegt
und ich weiß nicht
wer von Beiden
die Oberhand gewinnt

Es ist eine wirklich tiefe Freundschaft
ganz viel Vertrauen und Verständnis
so viel menschliche Wärme
und ganz ohne Vorbehalt
dass es mich bisweilen
sprachlos macht

Aber vollends genießen
kann ich es nicht
denn sie glücklich zu sehen
ist unbeschreiblich schön und gleichzeitig
der unausweichliche Beweis dafür
dass mein Glück
nie vollkommen sein wird...


Sonntag, 7. Mai 2017

Ohne Zweifel

Es sei Selbst-Kasteiung sagen sie
Dich zu Lieben, weil Du
zu einem Anderen gehörst -
ganz ohne Hoffnung
auf Erfüllung meiner Sehnsucht

Und ich frage mich im Stillen
ob sie nicht Recht haben
und ich dazu neige
das Unmögliche zu suchen -
aus Angst vor echter Bindung

Aber tief in meiner Seele
habe ich Gewissheit
dass ich tatsächlich Dich meine
so sicher wie nie zuvor
und spüre die Seelenverwandtschaft
die alles Andere unwichtig macht

Das Glück kommt zu denen
die warten können - heißt es
Und vielleicht gibt dieser Satz
mir die Kraft und die Hoffnung
für dich da zu sein
ohne Vorbehalt Dir Gutes zu tun
und die Momente des Zusammenseins

als Kostbarkeiten zu genießen

Liebe beugt sich keiner Logik
und sie ist unausweichlich
in ihrer Zielstrebigkeit
Das verbindet sie mit der Hoffnung
die mich auf den einen Moment
warten lässt



Freitag, 5. Mai 2017

Überforderung

Es ist zuviel -
das familiäre Ungleichgewicht
wo unsere Eltern selbst nach ihrem Tod
noch die Themen bestimmen

Die Abschiede in der letzten Zeit
wegen zu großer Unterschiede
die trotzdem schmerzen
weil sie Verlust bedeuten

Und gleichzeitig soviel Positives
Anerkennung
Bewunderung dafür
dass ich so bin
wie ich bin

Auch das ist
schwer zu verkraften
obwohl es Balsam für die Seele ist

Und garnicht zu Reden
von der Liebe
die mein Herz zerreisst
mich schwanken lässt
zwischen Freude und Glück
über eine wundervolle Begegnung
und der Angst vor der Gewissheit
dass es nicht sein kann

Und ich muss achtgeben
damit ich nicht
im Strudel der Gefühle
hilflos ertrinke
und nicht mehr weiß
was ich fühlen soll

Liebeskummer

Bis vor Kurzem schienen mir
die Worte "Liebe" und Kummer"
unvereinbar zu sein.
Denn was ist Liebe anderes
als vollkommene Erfüllung
und Verbundenheit?

Aber wenn diese Erfüllung
versagt bleibt
weil das Schicksal sich
einen bösen Streich erlaubt
dann zerreisst es dich unvermittelt
und bohrender Schmerz
wird zum Inhalt deiner Tage.

Unablässlich denkst du
an den geliebten Menschen
an die Berührungen
die Umarmungen
das Lächeln
die Gespräche.

Alles ist so nah
und doch unerreichbar
und gewinnt umso mehr
an Bedeutung
je unwahrscheinlicher
Erfüllung ist.

Es tut so weh
den geliebten Menschen
zu sehen und zu hören
seine Freundlichkeit und Anteilnahme
zu erleben
und im gleichen Moment zu wissen
dass es niemals mehr sein wird.

Und doch möchtest du
das alles nicht missen
weil dieser eine Mensch
dir alles bedeutet
und dein Leben
so unendlich bereichert.

Und ohne ihn
fühlst du dich unvollständig
und von allem Guten verlassen.

Es ist ein
unauflösbarer Konflikt
bar jeder Logik
und abseits des Verstandes
und trotzdem ist es auch
die intensivste Zeit
deines Lebens

Donnerstag, 4. Mai 2017

Früher

Früher habe ich die Erfahrung gemacht,
dass er lächerlich ist
über Gefühle zu sprechen.

Ich wurde verspottet
höhnisch belächelt
wenn ich von Liebe sprach.

So lernte ich,
dass Gefühle nichts
Ernstzunehmendes sind -
dass man sie besser unterdrückt
und nicht zulässt.

Heute hingegen
bin ich froh und dankbar
empfinden zu können
und auch darüber zu sprechen.

Es befreit
und es macht mich
für meine Mitmenschen wahrnehmbarer.

Und dennoch kostet es
mich jedes Mal
ungeheuer viel Kraft und Mut
über meinen Schatten zu springen
und mich zu offenbaren.
Denn das Gelächter in meinen Ohren
klingt noch immer nach.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Gefühlschaos

Wo endet Freundschaft und wo beginnt wirklich tief empfundene Liebe? Mit dieser Frage beschäftige ich mich  - bislang ohne Ergebnis -  seit einigen Wochen. Oder besser formuliert: Das Thema beschäftigt mich.
Während der Therapie habe ich eine wundervolle und einzigartige Frau kennengelernt, mit der ich mich von Anfang an auf ganz besondere Weise verstanden habe. Da wir gemeinsam in der Therapiegruppe waren, und es gegen die Regeln verstoßen hätte, sich außerhalb der Gruppe zu treffen, fiel es mir zunächst relativ leicht, meine erste, leichte Verliebtheit zu zügeln und als rein theoretisches Problem abzuhandeln. Es war einfach nicht relevant und ein reines Gedankenspiel. Das änderte sich schlagartig, als sie die Gruppe verließ, und ich plötzlich wirklich schmerzhaft tiefe Gefühle für sie empfand, als wir uns zum Abschied lange und intensiv umarmten. Ohne große Hoffnungen zu hegen und nach langem inneren Ringen, gab ich ihr meine Kontaktdaten und siehe da: Ich bekam eine sehr liebe Email von ihr und wir trafen uns zum Frühstück. Kurz darauf besuchte sie mich zuhause, und wieder verging die Zeit wie im Fluge.
Nie zuvor in meinem Leben habe ich mich so verstanden und angenommen gefühlt wie von ihr, denn sie begegnet mir mit so viel offenem Interesse, Mitgefühl, Wärme und soviel tiefem Verständnis, das es manchmal nicht einmal Worte braucht. Mit ihr kann ich völlig angstfrei sprechen und mich austauschen; ganz so, als seien wir über Jahre miteinander vertraut.
Die Sache hat nur einen klitzekleinen Haken: Sie ist glücklich verheiratet und aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig Sicherheit und Kontinuität für Menschen wie sie und mich sind. Es wäre also nicht nur egoistisch, sondern ganz einfach grundverkehrt, eine solch wervolle und wichtige Beziehung wegen der eigenen Gefühlslage offensiv in Frage zu stellen und sie zu bedrängen, oder gar überreden zu wollen, sich auf mich einzulassen.
Aber was ist mit mir und meinen Gefühlen? Ich habe ihr nach langem Zögern und schlaflosen Nächten einen ebenso langen Brief geschrieben, in dem ich ihr meine Gefühle offenbart habe - zusammen mit meinen Ängsten, Unsicherheiten und Zweifeln. Und sie hat wundervoll und entgegen jeder meiner Erwartungen und Befürchtungen darauf reagiert: Sie möchte meine Freundschaft, fühlt sich mir ebenfalls sehr verbunden und schätzt mich und vertraut mir ungemein als Mensch und als Freund! Das hat mich umgehauen!
Den Austausch und die Begegnungen mit ihr empfinde ich als so kostbar und selten, dass ich darauf nicht verzichten mag. Und gleichzeitig fühle ich mich innerlich zerissen, weil das was ich für sie empfinde, tatsächlich Liebe ist. Und Liebe sucht Erfüllung, die es hier nicht geben kann. Das ist eine vollkommen neue und immens schmerzhafte Erfahrung für mich, und ich habe somit keinerlei Vergleichsmöglichkeiten und Handlungsweisen parat, um diesen inneren Konflikt zu lösen. Und das bringt mich zwischenzeitlich an meine Grenzen und bisweilen auch um meinen Verstand.
Was also ist zu tun und gibt es hier Richtig und Falsch? Ich weiß es nicht...

Dienstag, 2. Mai 2017

Bis auf den Grund


Du hast
bis auf den Grund meiner Seele geschaut
und bist nicht
panisch geflüchtet
wie Andere zuvor
denen die Dunkelheit
und meine Lasten
nicht erträglich waren.

Du hast
bis auf den Grund meiner Seele geschaut
mit einem Lächeln -
hast dich selber erkannt
und mir die Hand gereicht.

Du hast
bis auf den Grund meiner Seele geschaut
und das Schöne dort gesucht -
das, was mich als
ganzen Menschen ausmacht
und es mir gezeigt.

Dafür bin ich dir
unendlich dankbar
denn es ist
wie ein Versprechen
auch in schlechten Zeiten
an meiner Seite zu sein
und ich habe plötzlich
keine Angst mehr davor
mich dir
in all meinen Facetten
zu offenbaren