Samstag, 17. Juni 2017

Alte Narben, neue Wunden

Die Ereignisse der letzten zwei Wochen haben mich an meine Grenzen gebracht. Ich bin erschöpft, noch immer unendlich traurig und alte, und längst vergessen geglaubte Wunden sind wieder aufgerissen worden.

Eine der schlimmsten Strafen - wenn nicht sogar DIE schlimmste Strafe in meiner Kindheit - war tagelanges eisiges Schweigen. Und ich habe es wirklich oft erleiden müssen, dass bis auf das Allernotwendigste zuhause kein einziges Wort mit mir gewechselt wurde; bis ich meine großen und immer tiefersitzenden Ängste überwinden konnte, und meine Mutter für mein "Vergehen" um Verzeihung bat, damit die "stille Messe" schließlich ein Ende finden konnte und mir "auf Bewährung" vergeben wurde.

Diese quälende Ungewissheit, diese tiefsitzenden Ängste und mein Unvermögen, diese bedrohliche und mir Magenschmerzen bereitende Mauer des Schweigens zu durchbrechen - das alles hat dazu geführt, mich sprachlos und starr vor Angst werden zu lassen. Und immer, wenn schwierige Situationen in meinem Leben auftraten, bin ich verstummt und war außerstande, den Konflikt auf die richtige Weise zu lösen - nämlich durch ein klärendes Gespräch.

Im Laufe der Jahre habe ich  - auch durch meine Therapien - dazulernen dürfen. Vor allem habe ich gelernt, nicht alles demütig über mich ergehen zu lassen. Meine Gefühle, mein Empfinden ernst zu nehmen und mich zu schützen, wenn etwas über meine Kräfte geht, gehört ebenfalls dazu. Und es ist mir zu einem großen, inneren Bedürfnis geworden, einstmals bedrohliche Situationen zu klären, zu bereinigen. Das kostet mich bis zum heutigen Tag große Überwindung. Denn die "stillen Messen" und das mit ihnen untrennbar verbundene eisige Schweigen von damals sind noch immer sehr gegenwärtig. Und ich muss jedes Mal all meinen Mut aufwenden, um dagegen anzugehen und um das Gespräch suchen zu können.

Bis heute bereiten mir schweigende Menschen und ungeklärte Situationen großes inneres Unwohlsein. Und sie lösen den Impuls in mir aus, mich zur Wehr zu setzen, weil ich es einfach nicht länger hinnehmen und ertragen mag und kann. Und das bringt mich zurück zu den letzten zwei Wochen: Um eine Situation erfassen und im Wortsinn "be-greifen" zu können, muss ich sie verstehen. Denn auch wenn das Verhalten meines Gegenübers mit mir und meinem Verhalten nicht unmittelbar etwas zu tun hat, sondern in eigenen Unzulänglichkeiten und Problemen begründet ist - die verheerenden Auswirkungen treffen mich trotzdem mit voller Wucht und bringen alte Dämonen wieder zum Erwachen. Und wenn das geschieht, dann vermag ich nicht länger überlegt und vernünftig zu handeln. Das ist bedauerlich, denn mit meiner heftigen Reaktion mache ich alles nur noch schlimmer!

Ich bin mir meiner Unzulänglichkeiten sehr bewusst und weiß, dass ich kein "pflegeleichter" Mensch bin. Und daran verzweifele ich gelegentlich, denn ich mache es damit anderen Menschen nicht gerade leicht, mit mir befreundet zu sein. Umso dankbarer bin ich für die Menschen, die mich auch in solch schwierigen Zeiten und mit meinen Narben begleiten und mir mit ganz viel Geduld und Verständnis zur Seite stehen. Daher an dieser Stelle: DANKE!

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